Samstag, 20. Oktober 2012

Überwert


Die Abwertung des Koitus ist prähistorisch erfolgt. Das Ergebnis des Prozesses wird in historischer Zeit immer schon kaschiert - entstellt dargestellt - durch ein Verbot: das scheinbare Masturbations-Verbot, das ja nur eins für 's Auge und die Öffentlichkeit ist. Das Verbot ist natürlich keines, sondern nur die heimliche Aufforderung und verkehrte Wiederkehr der Wahrheit einer Aufwertung. Die Frau wurde prähistorisch über-wertet, d. h. zunächst Objekt identisch mit Wollust und ungehemmter und unorganisierter Befriedigung. Die Frau für sich war nicht Objekt, sondern Bewegung auf der Suche nach Grund und Halt, Energie hin auf dem Weg zum Verbraucher, Austausch erogener Verwunderung mit anderen gleichen Körpern und dem Vermittlungsdienst des Männchens. Als Grund des Sprungs vom Tier zum Menschen ist nur eine große Not vorstellbar, wo immer der Grund dafür lag, wo auch immer am und im Körper und durch Zufall oder Bestimmung. Man findet diesen primären archaischen ursprünglichen Überwert in der Nähe der großen Zeichen der beginnenden Geschichte männlicher Gewalt. Man muss nur im realen Umfeld der großen Zeichen suchen. Die großen Zeichen lassen sich immer mühelos in kleine zerlegen und aus diesen wieder aufbauen. Die kleine Objekte sind keine Gräber, wie es die großen im Grunde in vielfacher Hinsicht sind, sondern eher nur kleine Fahrzeuge für Seelen-Reisen, deren Treibstoff das Selbstopfer in und entgegen der Wollust und Angst war. In den großen Anlagen hingegen werden Fremde geopfert für Fremdes als Türöffner für die symbolische Reise in eine ersehnte Welt. Die archaische Seelen-Reise war real und führte in den wirklichen Himmel, die offene gewaltsam aufgebrochene Tür hingegen war immer der Beginn einer imaginären Reise durch gestohlenes und erträumtes Glück in die eigene und wirkliche Hölle. Historisch wurde der Körper der Frau mit hineingerissen in den gewaltsam eroberten Himmel auf Erden. Sie wurde selbst historisch Grundlage aller Werte, nämlich als Ur-Tausch-Objekt zum Handel mit einem Versprechen von Lust. Sie ist mit Grund von Raub und Eroberung, eigentlich ihr heimlicher Urgrund. Seltsam, der Koitus wird nun gepriesen, von der heimlichen Wollust aber weiter verschmäht. Die Überwertung prähistorisch ist mit seinen Folgen für den Körper wahrscheinlich zur Ursache des aufrechten Gangs geworden. Zum späteren Schein-Verbot der ursprünglich ins Absolute freigesetzten Sexualität gehört u. a. das Verbergen der beim aufrechten Gang hervortretenden Geschlechtsmerkmale, der primären beim Mann und der sekundären bei der Frau. Die primären beim Weib – bei ihr zum Koitus allein gehörend - sind scheinbar wieder-aufgewertet. Sie waren aber von Anfang an versteckt. Das Versteckte wurde nur einfach nochmal verdeckt und jetzt zum Ziel eines vermittelten Begehrens. Es blieb als Nichts – und jedes Männchen wird das beim ersten Blick oder so mit Erschrecken oder wenigstens Erstaunen feststellen – und das, was immer schon abgewertet war, wurde nun scheinbar und abstrakt wirklich Ziel und Gebot. Das Versteckte wird richtig verborgen und dem Blick entzogen, es bleibt aber verloren. Übrigens: wenn der Mann sich entblößt, springt einem die hässliche Wahrheit ins Auge, wenn die Frau sich entblößt, ent-deckt man hinter dem schönen Schein wieder nur Schönheit und Schein. Und so wurde das Männchen prähistorisch zum realen (Masochismus) und historisch zum imaginären Phallus (Sublimation) mit seinen Spielgeräten und eine Frau besteht und bestand dabei immer nur aus reiner freier Lust aber auch vermittelter entfremdet mit Schmuck und Klamotten und absolut fremder männlicher mit Titten und Arsch und erlangte für sich historisch für den Preis des Verlusts der Freiheit ein gewisses Maß an Vollkommenheit für alle Zeit.