Sonntag, 23. Dezember 2012

DU

Lass mich
Deinen Atem atmen
Lass mich
Deine Lippen sein
Lass mich
Deine Wärme spüren
Atme Dich
in mich hinein
Lass durch Deine Augen
Dich - mich
in einem Spiegel sehn
Lass durch Deine Stimme
mich sagen,
Du bist schön, nur schön
Lass mich
Deine Wollust spüren
Wenn ich mich hinleg und ruh
kann ich mich in Dir verlieren
bin ich immer Du,
nur Du

Denkwürdigkeiten

Kleiner Einstieg

Die Vögel der andern

Bromkali - Bromnatrium - Morphium - Chloral – Nekrin (?Name nicht bekannt). Wörter wie Schmetterlinge und Vögelchen für gläubige Kranke. Zutaten des Heiltranks aus der 'Teufelsküche' der Psychiatrie. Den Zwang und die Gewalt in der Anstalt in Leipzig, bei Pierson und in Pirna kann jeder selber nachlesen, das, was passiert ist, bevor der angebliche Wahn kam oder wie er kam und wie er sich neben Schreber stellte. Zuerst war der Arzt, dann kam dessen Wahn. Da wurde der Mensch gebrochen und weggeworfen. Das lesen dauert lang, wenn man in Schleifen liest, so wie Schreber denkt und schreibt gegen die Fesseln und mit ihm sich windet gegen den Unsinn der Anstalt und Ärzte und Interpreten und außerhalb der Heilanstalt und des wörtlichen Textes nach Hilfen mit Selbstdeutung sucht. Der Text wird langsamer, wenn er wirkt. Schreber hatte nicht nur einen Vogel, sondern viele und es waren die Vögel der vielen Verrückten um ihn herum: der Ärzte und Pfleger, Patienten, der Familie, der 'Normalen' innerhalb und außerhalb der Anstalt, der Gutachter für die Prozesse, der Staatsanwaltschaft, der humorlosen Leser des Buchs noch. Seine Vögel waren nicht echt, sie waren als 'hingewunderte Seelenreste' die Vögel der andern und sind es weiterhin. Seine Erklärung erzwingt diese Deutung. Jeder hat einen Vogel, bis er es einsieht. Erkennt er sie und sich im Text, dann hat er eine Deutung und darf raus. Der Text und das Lesen werden träge, wenn sie die Deutung erfasst. Es wird dann ein L-e-e-e-e-e-e-e-e-e-s-e-e-e-e-e-n im Sinne Schrebers daraus. Langsam sinnlösend, sinnlöschend, Rauschen, Gezisch. Bisher hat kein Interpret des angeblichen Wahns Schreber lange gelesen. Flüchtig vielleicht, auf der Flucht vor der Wahrheit. Was für eine simple Welt, die sich so frei glaubt von Wahn. Ein Glaube als Wahn zum Zweck der Befreiung ist Gegenstand des Buchs. Das war Schreiben zum Zweck der Befreiung von vielen seltsamen Vögeln! Es gibt auch ein Lesen zum Zweck der Befreiung.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Raum im Traum

Der geteilte Raum

Vergangenheit ist ein Raum neben uns. Es ist der Raum, der uns fehlt, der Raum um uns, der uns umhüllt, einengt, uns Platz nimmt. Zeit ist der verlorene Raum, die zunehmende, unerträgliche Enge, die uns in der Gegenwart hautnah umschließt. Die Zukunft ist die Suche nach Raum und die Flucht, der Ausbruch daraus. Die Traumzeit vereint wieder Zukunft und Vergangenheit, daher gibt es im Traum auch kein Selbst, das aus dem Traumbild heraus- und ihm gegenübertreten könnte. Das Selbst ist das unerreichbare Schloss im Traum, sein Haupt-Sinn-Kern, der oft bei der Erinnerung an den Traum fehlt und ihn noch rätselhafter erscheinen lässt, als er es eh schon ist. Im Nachhinein scheint der Traum - vorausgesetzt, er wird nicht als sinn- und wertlos verdrängt - (auch) eine Lösung für ein unbekanntes Rätsel zu sein, dem die zugehörige Frage noch abgeht. In der Tat aber ist er (vor allem) nur das Bild des Fragens, der Suche, des Selbst. Im Traum zerstört die Frage nach Sinn, die Suche nach der Lösung eines Problems das Bild und der Träumer erwacht und die Mauern seines Gefängnisses stürzen über ihm ein und die Last seines Körpers fällt auf ihn.

Die große Seele und die Ahnung im Kleinen

Die Selbstwahrnehmung des Wahrnehmungsapparates ist einmal die Wahrnehmung des Prozesses gerichtet auf das Objekt (das Bewusstsein) sodann die Wahrnehmung des Vorganges an sich (Sbw). Die sogenannte Seele ist nicht oder nur partiell identisch mit dem kleineren Sbw, welches gänzlich noch am Materiellen klebt. Die Seele ist mit Ausnahme ihres kleinen Warzenauswuchses im Sbw grundsätzlich leer, gehaltslos wie ein leeres Speichermedium. Die Seele ist das Sprachselbst des Menschen und anders als das Sbw, das auf der Körperoberfläche sitzt oder zu sitzen scheint, ausschließlich mit Sprachmaterial also von außen oder besser draußen gefüllt. Es ist die vom Sinn und Objekt abgehobene Sprachdynamik an sich und dementsprechend füllt sich die Seelenblase gerne mit unbestimmten Geisterwesen. Das Sbw ist eine Wahrnehmungsstörung des einzelnen Apparates. Die Seele ist eine Störung der Gesamtheit der Apparate in Ihrem Zusammenspiel, eine Verallgemeinerung der Störung. Es ist mir beides nicht gehaltlos. Die große hohle Seele könnte auch einfach das Reale sein und sein Bild, so wie wir es halt im Kopf haben müssen. Und das kleine Selbstbewusstsein, dass den realen Dingen anhaftet und ihnen Sinn zu verleihen scheint und auch vielleicht Sinnlichkeit über den Körper, könnte mehr sein als ein Ding hingereiht an Dinge. Es ist nichts begreifbar. Also wozu sich die Mühe geben? Ganz einfach vielleicht. Man kann entweder vor sich hinleben, wenn die Glücksbedingungen für 's Menschsein stimmen, man durch eines anderen Auge sehen darf, oder man muss sich dauernd gegen einen Absturz ins Nichts absichern, was zum unmenschlichen Alleinsein gehört, und muss mit kleinen Welten und mit neuen Texten dazu auf Sinnfang gehen, Flicken auf 's Sein kleben. Am Ende waren die Texte aber vielleicht nur Herbstlaub im Wind und das Auge dazu ein fauler Apfel am Boden.

Krebsgeschwüre

Krebs ist denen, die ihre Krankheiten so lieben, das absolutes Highlight im Leben, ihr Heil-Land.

Diese Geschichte wird zelebriert wie ein Gottesdienst. Eine Niederschrift von Leid auf einen Körper, der das nicht braucht. Das zur Krankheit. Zum Götterdienst: der Heiland im Heil-Land war wahrscheinlich auch bloß ein Mensch, der sich selbst befreit und erlöst hat. Das war seine zufällige ganz persönliche Offenbarung. Die viel später darüber- und niedergeschriebene Offenbarung aber, ist das Gegenteil davon. Sie ist eine Niederschrift von Leid, darin liegt Tod auf Lüge und Verrat, Strafe und Folter auf Hinrichtung. Für diese Verallgemeinerung und Religion kann sich jeder selber Worte ausdenken. Ich brauche keine Religion und für das Bild und die Lüge der obigen reicht mir ein anderes Bild und Wort: Krebsgeschwür.

[Nervenkrankheit wäre ein weiteres Wort dafür. Hammirschon]

Die Behandlung besteht aus Feuer und Gift und Messer und Seelentrost, also aus Schmerzen und einem sinnlosen Verlangen, also einer konkreten grob-körperlichen Handlung und der höchsten sublimen Kunst des bezahlten und hohlen Predigens und schulmedizinischen Heilens.

Die Werkzeuge und Methoden der Behandlung:

Das Messer: eine Wunde mit einem Messer geschlossen und einer noch größeren Wunde darüber - die Operation - Öffnung über Öffnung - und das Ende kommt schnell.

Das Feuer: ein Brand wird mit Feuer gelöscht, mit Strahlen, heißem Licht, manchmal auch nur Fieberhitze - brennendes Fleisch zu brennendem Fleisch - Asche zu Asche - Staub zu Staub - Blödsinn zu Blödsinn - und das Ende kommt schneller.

Das Gift: Drogen wie Gülle, widerlichstes oder teuerstes Giftgebräu, eingetrichtert - führt den gesunden Körper und Geist hin zu seinen Dämonen in den Schatten - Essig, Pisse, Wasserfolter und schließlich Chemo - der Preis der Chemie verrät doch, für wen die Therapie gut ist - der Therapeut fragt sich bloß, wieviel saugend Gift hält er aus, der Geld-Spender - und das Ende ist da.

Der Seelentrost: für die große Lüge, also die Seele, also ein entleertes Selbst und leeres Begehren, wird einem der Körper genommen, bzw. wird er von anderen weggeschmissen - was ist das für ein Handel! Man lässt im Beichtstuhl die Hosen oder das Höschen runter, geht ins Krankenhaus und reißt sich den Körper auf und offeriert seine Innereien und bekommt dafür - einen Hinweis, Verweis auf eine Vorstellung von Liebe und Geborgenheit als Gespenst der Vergangenheit, Liebe, wie sie draußen vor der Kirche, vor dem Krankenhaus hätte sein sollen. Im Krankenhaus sind die Gespenster: die Sterbenden, die Patienten und die Ärzte als Repräsentanten einer durchsichtigen durchschaubaren substanzlosen scheinbar menschlichen Zuwendung - ergebt euch also auch noch mit Seele und Geist - wer das verlor, was ihr verlort, macht wohl nirgends mehr halt.

Die Behandlung von Krebs ist absolut gleich im Bild mit der der Inquisition und Hexen-/Hexerverbrennung des sogenannten späten Mittelalters, eigentlich der beginnenden Neuzeit.

Ist die große leere unbestimmte dämliche Schein-Liebe und der Seelentrost im Krankenhaus heute all die Schmerzen und Wunden, die Auszehrung und Ausbeutung wert? Wieso treten die Menschen heute zur peinlichen Befragung und Folter und Verbrennung freiwillig selber an? Den Menschen, die zum Arzt gehen, wünsche ich eine Gute Reise ins Nichts.

Gern seid ihr reif geworden und reif war eure Nahrung und reif ist euer Fleisch und abgehangen habt ihr lange und seid ihr und faul - und wer hat euch die Würmer dazu ins Fleisch gesetzt? Ihr hab Euch Leben gespart und wer erntet das Jetzt? Wer nimmt euch die Kohlen und heizt euch ein damit? Spart euch das Lachen, ein anderer wird es verbrauchen.

Krebs für Mann und Frau ist verschieden. Für die Frau ist das Geschwür oft der Mann und die Bindung an ihn. Für den Mann ist es die von ihm selbst gewollte Strafe für die Abwendung von sich hin zur Menschlichkeit. Gib ihr nach und sei stark? – das geht nicht. Für den Mann bleibt halt die Therapie oft ein unerträglich schmerzhafter Aufzeichnungsvorgang. Krebs ist also ein Objekt, das zwischen Mann und Frau hin- und hergeschoben wird. Meist hat es nur einer im Paar.

Hier der Ausblick aus dem teuren Krankenzimmer (den Blick vom Kirchturm spar ich mir, der Turm ist zum Auf-Fliegen für seine Bewohner, die Gebimmel-Tauben und für alter Krähen Schrein) :

Keiner muss die todbringenden Gift-Kugeln schlucken, diese Geilheits-Euronen. Man findet andere lebendige rund-kugelige Körper der Lust und Wollust auf und zwischen den Sandkörnern an den Stränden der Welt. Ich würde sie am Strand suchen und sie dort dann bei mir liegen lassen. Auch die anderen Strahlen dort würde ich finden, die von der Sonne kommen. Statt des Messers Heil stell ich mich dem scharfen Wind und einer schneidigen Kälte des Wassers. Glück heilt. Zorn heilt auch. Hass zerfrisst einen nicht, hasst die richtigen, hasst eure Ärzte des Körpers und der Seele. Denkt an sie, wenn ihr euer Geld für euch selbst ausgebt. Dann - vergesst sie. Ich würde lieber noch am Strand sterben, als im Krankenhaus leben. Und hin zur roten Sonne, Morgen- oder Abendsonne, gleichviel, die vielleicht alle und alles heilt, zum Körper der Frau, zum Realen, zum zonenfreien Eros, zum wirklichen weiblichen Wollust-Körper, der selbst das Heil ist. Dieses Gestirn braucht keinen Astrologen und Priester, der es an seiner Stange über den Himmel schiebt. Dieser Körper braucht keinen Arzt als den Onkel Doktor einer unmündigen Kindheit. So einen Gefährten braucht niemand. Er, der falsche Gefährte, sie das große Gefährt. Bitte raus aus dem Sonnen-Wagen, der schon immer weiblich war. Um 's für den Mann, den ordinären Gefährten verständlich zu sagen mit einem Bild zu seinem Gefährt am Boden: er greift nach der Schaltvorrichtung, wo doch die Frau eine Automatik hat. Er zahlt, er bezahlt und verkauft sie, und sie bezahlt mit der Gesundheit. Sie kann fliegen, wenn die Richtung stimmt. Sie könnte dann schon auch mal einen mitnehmen, der sich überraschen und dazu verführen ließe, wenn es ihn nicht zu sehr mitnimmt. Therapie wie im Flug. Nur wenn beide sich lassen und sich so voneinander in Liebe lösen, gibt es Hoffnung auf ein erneutes wunderbares Zu- und Nebeneinander - und ein Ineinander-Ruhen? Bin ich ratlos? In gewisser Weise schon, aber nicht so, wie ihr meint.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Anfang und Ende des Sprechens

Im Anfang war die Lüge
Und Täuschung und Verrat
Und Gott wurde Lüge
Und bei ihm war die Tat.

Im Anfang war der Schein
Und Wirklichkeit und Gesetz
Und Gott wurde Schein
Und bei ihm war das Sein.

Im Anfang war die Maske,
War des Guten Versteck
Und Gott wurde schlecht
Und bei ihm war das Recht.

Im Anfang war das Bild,
oberflächlich und dumm
Und Gott wurde wild,
grausam und stumm.

Im Ende war das Reich
Und alles wurde gleich
Und Gott wurde klein,
Ohnmächtiges Schrein.

Im Ende war das Wort,
Der Text und die Schrift,
Und Gott irrte fort,
Denn er hörte uns nicht.

Im Ende war das Licht
Und das jüngste Gericht
Und Gott wurde taub,
blind, Feuer und Staub.

Im Ende war das Leben,
Die Lust und die Not,
Das Elend, die Arbeit
Und Gott endlich tot.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Nachtrag

Nachtrag zum Post 'Reisen'
Alle beschriebenen oder geschriebenen Zustände (der Text zählt auch dazu) haben etwas vom Sterben, auch wenn das nicht offensichtlich ist. Die seltsame Körperlichkeit der Erfahrung der Außenwelt, der Traum, die Trance, AKE bewegen das Bewusstsein wie durch einen Spiegel zurück an den Anfang des Seins des Einzelnen. Der 'Spiegel' bewirkt, dass die Verwindungen und Verwandlungen des Wegs bis zum Jetzt aufgedreht und wieder geöffnet werden einer unmittelbaren Wahrnehmung ursprünglicher Zustände. Deshalb verwandeln diese Erfahrungen auch anschließend die Wahrnehmung des Gegenwärtigen. Aber es scheint darüberhinaus noch mehr zu passieren. Jede Rückkehr ist eine Art kleiner Wiedergeburt in eine etwas veränderte Welt. Es sind diese Veränderungen, die auf uns als Zufälle herabregnen. Und mehr noch: das was der Rückkehrer dann neu schafft, das Resultat kreativen Handelns und Denkens läuft im Prozess seines Entstehens dem Werkzeug, dem Bewusstsein, dem Willen, dem Sprechen und Schreiben voraus. Kreativität ist somit nichts sonst, als das erneute Hindurch- und Eintreten durch den Spiegel des Realen ins Scheinen unseres Seins. Das Bild des Künstlers zieht in der Entstehung den Pinsel mit der Farbe nach sich. Weitere Veränderungen des Realen sind die Störungen, die der Körper bei der Rückkehr und dem Eintritt ins Reale durch dessen Spiegeloberfläche verursacht. Je weiter man sich von sich und der Gegenwart löst, je mehr Fäden auf dem Weg hin zum Anfang gerissen sind, um so deutlicher sind die Wandlungen.


Die Realität übrigens wird sich gegen die Wandlungen stets auch wehren: jede neue befreiende Erkenntnis, jedes wirklich kreative Werk wird als gefährlich eingestuft, der Urheber gejagt. Wie nun ist 1quattuor84, der Fluch der Neuzeit, aufzuheben? Nur von allen Menschen nach und nach gemeinsam ist das zu erreichen und nur bei gleichzeitiger allmählicher Beseitigung dessen, der alle an die absolute Oberflächlichkeit des Realen, das grundlos Weltliche bindet, alle zusammenkettet an das sinnlose Eine, das er selbst ist.

Samstag, 15. Dezember 2012

Ende gut, alles gut

Es ist aber nicht Alles gut und das große Ende schon gar nicht. Für SIE ist doch sowieso alles einerlei und Einheits-Brei und jedes Ende ist ein brauchbares Ende, ob gut, ob schlecht, großes Drama, große Tragödie, kleiner Alltag. Und für IHN ist alles weder gut noch schlecht, Hauptsache 'ne ordentliche Portion A & T und Fleisch auf dem Teller und ein Gesicht dazu, das das Gesamt-Konzept nicht stört und alles ihm so Ge-wichtige nicht wieder widerlegt. Und für ihn kommt immer das dicke Ende, wenn 's Geschäft erledigt ist und das kommt nun auch hier noch so nach und nach - und grob geordnet. Kommt es nur für ihn? Eher für beide hin- und hergewendet, nicht wahr? (falsch gips nicht)
Also sortieren wir mal wieder
das mal vom wieder
das gut vom schlecht
und wahr von echt.

SIE
Gut ist das große Ende in einer herzlichen Umarmung, vielleicht auch einer flüchtigen - und heimlich's Spiel versteckter Hände. Und immer wieder.
ER
Das Große Ende hat jeder für sich und soll es auch so behalten. Nichts hat am Ende Sinn. Es gehört zur Unveränderlichkeit und zur mir so unerträglichen und mit mir so unverträglichen, zu deiner allgemeinen Leichtigkeit des Seins.

SIE
Das kleine Glück gehört zum dauernden Wandel, Verwandeln und es gehört uns, dir und mir. An keinem Tag möchte ich im Spiegel wieder-erkennen meine kleine Welt und mich nur immer schön sehn: das wär mein großes Glück. Und jeden Tag würde ich dir wieder dafür mit Liebe danken.
ER
Dich allerdings würde ich wohl immer gleich sehen und etwas kleiner als mich, dann, wenn und so wie du dich selbst im Spiegel siehst, und während-dessen von hinten ich, gesichtslos du und vorn, ich tastend blind, ich für dein Fleisch ewig empfänglich und du für mein Fleisch hoff' ich, an der ent-scheid-end Stelle nicht allzu schnell vergänglich.

ICH
Ist das die große Liebe? Ich habe schon befürchtet, dass man mich auch danach fragt. Bin nun doch überrascht davon und fast erschlagen, jedenfalls - stumm. Mühsam ring' ich nach Worten: zwei in der Stunde - und Stund um Stund für einen Satz ohne Anfang, ohne Ende. Ein-Satz-Geklage. Kein richtiger Gedanke. Und dann doch. Die große Liebe ist wie das große Ende: gegen alle und für keinen, weder für sich ist sie, noch für dich und mich und nicht für ihresgleichen. Nie trifft sie sich. Sie ist noch nicht einmal im Handel. Sie ist auch gegen das große Ende selbst, von dem sie vielleicht herkommt, gerichtet. Sie ist der Geist, der stets verneint. Sie ist das Nichts, nur selbst und es wieder zernichtet. Und eine kleine Liebe? Na, das ist leicht. Die ist nur was für Diebe, die Sehnsucht nach der Liebe, die immer nur der andere hat, also auch Nichts und schlimmer noch, der Widerstreit.

SIE
Aber sie ist schön, nur schön, die große Lust und Liebe. Dies Gefühl zu haben, so erhaben beim Warten und so berauschend auch im Detail dann so gut
ER
und sinnlos und fremd – des kalten Alltags dünnes Hemd.

SIE
Sie ist so schön wie 's Blümchen am Wiesenrand oder im Wald ganz allein, ein Pflänzchen fast ohne Halt in seiner Erde, winzig klein. Und so verdorrt sie nie und braucht auch fast kein Wasser, keine Luft und soviel Blau und Boden nur um unten anzuhaften.
ER
Bevor uns noch die Luft ausgeht und uns die Lust verlässt, zurück zur ander'n kleinen Liebe, zur käuflichen, verhandelbaren, kleinlich alltäglichen, wörtlich sagbaren, im Mangel beklagbaren, wandelbaren, flüchtigen, mit Küsschen, dem nachsichtigen.

SIE
Sie ist so schwer zu fassen, braucht auch mal keine Worte und geschriebenen großen Text, sie passiert ganz traumhaft mir und (oft) wie nebenbei,
ER
und uns wie das Geschreibsel unter aller Dings und in und unter Einerlei. Tragisch ist
SIE
dass du als Mann für mich nicht taugen willst auf Dauer,
ER
wohl besser: dass das Hundeleben ich nicht aushalt' neben dir und auf dir wie auf der Not die Trauer.

ICH
Was ist dann wahr und echt? Ich kann mich auch so recht nicht raushalten, sollte Partei sein und dabei. Die Worte dazu, sie hüpfen mir nur hin und her, wie fort-geschrieben, hingebrochen und -gesprochen, wie blödsinniger Sing-Sang und Tralala, nur sinnloses Geplärr. Was wiegt nun weniger, ganz nach persönlichem Geschmack, der große hohle Sinn, die große Kugel Liebe und das heftige Gefühls-Gedusel oder die Oberfläche und die Liebelei für den alltäglichen Gebrauch, die schöne bunte Gedankenlosigkeit, Nachtfalter im Bauch. Was wiegt nun mehr, der abgeriss'ne Arm und blutend Schmetterling mit einem Flügelpaar aus Putzlappen und Fußabstreifer oder der Rest dazu, ein einarmiger harmloser stift-klammer Sehnsucher des Schmerz- und Wort-, des Herz-, Schamlosen. Wenn ich mein Leid bedenk', der abgeriss'ne Arm, der mir allmorgendlich die Hand zum Aufsteh'n reicht oder auch nur sich mir hinhängt, dann würd' ich mich, hätt' ich die Wahl – ich hab' sie, denk' ich, leider nicht – ich würde mich dann wohl für eine Liebe entscheiden, die meiner Seele wohl tut und nur ihr, ich würde gerne Hilfe geben, wenn nur auch einer/eine Hilfe wollt' von mir, es müsste etwas sein, wie eine Hilfe zum Auf-Fliegen, zum Selbst-Entdecken also zum Hoch-Geh'n ins Helle, Freie, Ungewisse und zum fröhlichen Aus-Sich-Herausgeh'n, ich möchte mich in ihm/in ihr erkennen dürfen, ihn/sie mit mir erheben, nicht ins Bedeutende und Sinnlos-Schwere, einfach nur ins leere Leben und zugleich möcht' ich so gerne wieder Schweben.

Geheime Zugaben

Einsichten eines Schattenautors


Muss der Spiegel für die freie Sicht auf die Dinge, wie sie wirklich sind, zerbrochen werden? Nein. Aber der Spiegel muss befreit werden von Verkleidungen, vom Staub der Vergangenheit, der Zeit, Vergänglichkeit und ihren Masken im Schönen und Wertvollen und Nützlichen und Sicheren. Diese Verkleidungen und Schilde des Spiegels gegen die Sicht auf das letzte Wirkliche, verhindern auch unseren Zutritt in eine andere Welt. Die schlimmsten Panzerungen geschehen in den kleinen falschen Spiegeln, den realen Abbildern des großen richtigen, die uns überall in unserer vereinfachten Gegenwart und oberflächlichen Wirklichkeit begegnen und entgegen gehalten werden. In diesen Spiegeln überprüfen wir nur unser Dasein, einen Schein vor anderen und für andere. Sie sind die wahren Seelendiebe. Diese kleinen Spiegelungen erscheinen uns auch als Doppelgänger, die unsere Bewegung behindern und unsere Sinne einnehmen. Jeder Doppelgänger ist, besser: gibt uns eine Chance auf ein freie Sicht in die andere Wirklichkeit. In ihnen sind wir Fremde, doppelt fremd in unserer eigenen Wirklichkeit und bleiben ihr so auf Dauer verbunden. Diese Doppelgänger sind die offensichtlich und gegenständlich gewordene Personifizierung der Lüge und des Schwachsinns. Wenn wir ihre Macht nicht brechen, dann verbrennen wir innerlich im Leid an ihnen, wir leiden an einer Schuld, die uns eigentlich nichts angeht oder angehen sollte. Dieser Brand ist nicht der Weltenbrand und seine Energie und ihre Macht ist nicht die Macht, die alle Dinge zusammenhält. Ihre Macht zielt ausschließlich auf meine Schwächung, lebt von mir wie ein Vampir, zerstört mich, beraubt mich meiner Energien und macht mich blind taub und schwach, verbrennt mich sinnlos. Es geht bei der Verblendung durch die kleinen Spiegel auch nicht um ein Mitgefühl mit dem einem oder den andern, sondern nur darum, dass man sich mitfühlen lässt durch einen andern und dadurch seiner Selbst und Seele beraubt wird und dauerhaft mitgenommen bleibt und ist. Man ist zwar außer sich, aber nur in einem falschen andern, man ist einfach nur ein eitler Mensch, ein seelenloser hohler anderer. Es nützt auch nichts, wenn man den andern vernichtet, verleugnet und wegsperrt ins Vergessen. Man muss sich selbst ändern, sonst tritt einfach wieder einer, ein neuer Hohlkörper an die Stelle des alten. Doppel verdoppeln sich. Man muss den Kräften in sich folgen. Dass einem dies einmal nach und nach gelingt, erkennt man im Verschwinden der Doppelgänger und der Hohlkörper um sich. Das gehört zu den Zeichen, den wahren Wundern und Lichtern, die den rechten Weg erhellen. Unser Leid wird auf sie zurückgeworfen. Die kleinen Spiegel sind zu zerschlagen: das sind die Eitelkeiten des Besitzes, des oberflächlichen Verstandes und Wissens, der Vermögen an sich. Das ist alles, was vor dem Spiegel Ansehen genannt wird. Es ist das Dasein für eines anderen An-sehen. Das Ansehen entäußert mich meiner selbst, macht mich zu den Augen des andern. Ich schenke ihm also solange ich dem Irrweg folge, meine Augen und werf ihm die restlichen Sinne noch hinterher. Die Sinne gehen über auf einen Hohlkörper, gehören nicht mehr meinem Körper und seinen Möglichkeiten. Entdeckt man den eigenen vollen Körper wieder, folgt also der ihm innewohnenden Energie, dann verblassen die falschen Begleiter. Man erkennt dann die Verführer der eigenen Seele daran, dass sie vergehen, grau, fahl werden und Abstand zu einem suchen. Sie fallen schon aus dem Bild, auch wenn man selber noch nicht die Kraft hat, es zu gestalten. Selbst Abbilder von ihnen werden grau und undeutlich. Sei du selbst, sieh wie mit den kleinen Spiegeln auch die großen Panzer zerbrechen, die sich als Welt und Wahrheit ausgeben, beobachte, wer sich in deiner Umgebung und unter deinen Bekannten von dir entfernt oder einfach vergeht. Erkenne, wie ein anderer großer Spiegel sich dir öffnet, einer der für alle unzerstörbar ist und durch den man doch vielleicht hindurch treten kann. Immer frage ich mich, ob diese dritte Transformationsstufe, die wieder vor dem reinen Glas des großen Spiegels des Bewußtseins liegt, je erreicht werden kann, ob sie von der Frau eher als vom Mann erreicht wird. Was man erkennt bzw. jeder erkennen kann in einem mehr oder weniger mühsamen Sich-Hinwinden, sollte aber auch allen erreichbar sein. Diesen Ort, an dem die Herzmacht des Sein sich befindet, an dem sich einem das, was schon immer war, neu darstellt und nach allen Seiten neu entfaltet, erreicht man vielleicht nur dann, wenn man zusätzlich das Glück geschenkt bekommt, bedingungslos, also ohne ein Geben und Nehmen lieben zu dürfen. Schon auf den Weg kann man sich wahrscheinlich ohne diese Liebe nicht begeben.

Ergänzung: Eine Trance in Fremd-Hypnose ist anscheinend sehr leicht auf Menschen übertragbar, die vollkommen gefangen sind von den kleinen Spiegelungen des Selbst. Die befreiende Wirkung liegt für diese Menschen vielleicht in der Ausrichtung des Geistes hinaus über die Illusion der Worte im sich spiegelnden Geschwätz aller hin auf eine bewusste Begrifflichkeit und die Ausrichtung des Handelns weg von der Illusion der Waren in einem sinnlosen Bedürfnishandel hin auf auf den bewussten Umgang mit dem wirklichen Bedarf des Körpers und wäre dann also eine Öffnung des Bewusstseins hin auf sich selbst und eine Folge des Blicks hinaus durch den großen Spiegel auf die Welt, wie sie sein könnte und sollte, wie sie wirklich ist, erfüllt von einem großen Sinn und einer großen Seele, ansonsten aber ohne irgendeine Grenze der Richtung und des Verlaufs. Heilung in der Hypnose käme dann aus einer Traumreise, die zumindest bis ans Fenster geht, durch das man hinausschauen kann auf eine frei Welt. Möglicherweise ist der Erfolg einer hypnotischen Wunderheilung aber auch nur möglich, wenn die Ahnung von persönlicher Freiheit und höherer Gewalt noch zufällig eine Ergänzung findet durch die Erfahrung selbstloser Hilfe und Liebe. Leider hat der Therapeut bzw. der Hypnotiseur auf diese Zutat keinen Einfluss, sogar unbedingt zu verzichten. Sie bleibt ein allgemeines Geheimnis. Jedenfalls sollte der Therapeut nicht der Liebende sein, sonst ist sein Wirken leicht beschränkt.

Also für die große Befreiung mus man bedingungslos lieben dürfen. Für die kleine Befreiung im Alltag reicht wohl die Zutat der Liebe des andern.

Ergänzung: die Synästhesie kann man der beginnenden Trance zurechnen, auch dem beginnenden Kontrollverlust beim richtigen Kuss mit der Wendung der Sinne nach innen. Der Folgeschritt ist schon beschrieben.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Durch Dick und Dünn, bis dass ...



Hungern und Fressen ist so natürlich wie Ein- und Ausatmen. Der Gegensatz darf allerdings nicht kombiniert werden mit arm / reich, denn dann wird 's uneingeschränkt unappetitlich widerlich.
Wenn ich hungere, füttere ich mein Selbst. Wenn ich fress, bin ich ich. Es ändert sich dabei jeweils mein Schreiben und meine Beziehung zu (anderen) Menschen (das andere ist hier in Klammern gesetzt, weil es ja nur um den anderen ans sich geht, und nicht um einen realen Körper, einen echten, hier anwesenden, physisch auch greifbaren). Heute fress ich schreibend mein Selbst.
Eigentlich ist Hungern ein Fluch, nicht bloß, weil es umbringt, es macht, wenn man es willig-zwanghaft macht - woher auch immer Zwang und Wille kommen - eher süchtig als Fressen. Man darf dabei bloß nicht in den Spiegel schauen. In seiner Vorstellung ist der Hungernde schön oder wenigsten weniger hässlich als befürchtet (oder erwünscht tief drin). Die Asketen halten sich für die schönsten Menschen der Welt. Sie sind halt irgendwie rein, mit den großen Impotenten haben sie 's gemein. Unsichtbar ist diese Schönheit der Beklagenswerten, die Schönheit ist nur die, die dem Verfahren (dem Prozess, der gegen sie läuft) anhaften kann. Wer hat 's geschrieben?
In Wahrheit, in den Augen der andern und im Spiegelbild allerdings, ist der Hungernde hässlich. [anders als die geschönte Illustrierten-Schwindsucht, der veröffentlichte Sucht-Schwindel, der nur dann sich der Wahrheit nähert wenn die Magersüchtige und der dazu gehörende dicke satte Journalist sich paaren] Schief schaut dich alles an. Zuerst hältst du die anderen für falsch und das, was sie ihren 'fetten' Körpern antun, für verkehrt. Wenn du jedoch eines Tages beim Vorbeilaufen am Spiegel seitlich im Blickfeld einen festen und ruhenden Schatten bemerkst und dann schaust und siehst, dass dir dein Selbst im Spiegel nicht mehr folgt, sondern dich, wie du nun auch beim vorsichtigen Hinschielen merkst, gierig nur anglotzt mit Saugaugen, als ob es dich fressen wollte, und sich dir beim Hinwenden des Gesichts nicht recht und richtig und gerade mehr zuwendet, sondern sich verlegen schuldig und verzogen wegdreht und dir schräg seitlich eine Fratze zeigt, die mittig sich zur Rattenschnauze, zum kleinen Zelt mit winkender Zunge am Zugang gespitzt hat, dann – wende den Blick nicht ab, sondern koste das Gift des Selbst, das dich verzehrt und von dir zehrt und lebt von dir und deinem Körper. Sieh doch! Dünn bist du geworden und hässlich - und vielleicht auch sehr allein.
Jetzt wird es Zeit, dich wieder zu kleiden unter der Haut und zu rüsten mit dem, was Mensch-Sein ist: Fülle und Hülle. Fett ist der Sinn des Seins, des Lebens, der Sitz der Seele ist unter der Haut, das Fett-Sein darunter. Der Mensch ist nur entweder fett oder leerer Leder-Haut-Sack. Engel glänzen, schwitzen in sich und glühen, leuchten feist-rot. Die Gerippe hat der Teufel im Sack.
[Exkurs: Vitamin C kann der Körper des Menschen nicht selbst herstellen, dies zum Schutz vorm Verhungern. Also kein Wundermittel sondern Hilfsmittel, selbstregulierend. Der Mangel hat aber auch erst das Nachdenken beim Tier Mensch ermöglicht. Er begünstigt, denke ich, das Speichern von Fett-Energie im Körper. Ich denke, also bin ich: war in Wahrheit: ich bin fett, also denke ich, also spiele ich, also bin ich kreativ usw.]
Der Hungernde weiß, dass Essen mühsam und anstrengend ist, man muss sich daran gewöhnen. Essen ist Arbeit. Einmal wieder ungezügelt sich vollstopfen, schlemmen und das Selbst ist wieder geradegerückt. Das gefährliche Tier wird wieder zahm. Das Seelen-Tier gehört wieder dir. Fettes Schreiben ist aber viel mühsamer, als das des Hunger-Künstlers, dem lösen sich die Gedanken mit dem Hirn. Hirn ist nur Fett. Also achtet die Fetten, denn es sind die - Richtigen, Menschlichen und Wahrhaftigen.
Aber auch der Lügner hat sein Seins-Recht. Ich staune. Warum setzt sich jemand freiwillig seinem Selbst aus? Weil er es für einen andern ist? Weil er dem andern das Reden und Denken und Schreiben überlässt? So ist das bei Zweien manchmal, die sich zu lieben glauben. Das Selbst ist und hat dabei den Leser der Wünsche von den Augen (und und und) des andern für sich. Lies dich selbst, sagt der Schreiber und sieh dich mit meinen Augen: 'du bist fett'. Der Leser sieht doch tatsächlich dabei in der Lüge des andern die angebliche Wahrheit: 'du bist hässlich'. Beide betrügen sich oder lassen sich betrügen. Beide wissen, füllig ist schön, oder praktisch gedacht: gesund. Beide wissen, dass es ein sinnloses Spiel ist, unerfüllbare Wünsche gegeneinander anlaufen zu lassen, bis zur Erschöpfung und - großen Versöhn-wöhnung.
Geteilte Wahrheiten sind manchmal doppelte Lügen. Mitgeteilte natürlich auch. 'Ist Lügen nicht schön', fragte das Selbst. Vielleicht hab ich das alles erfunden, weil ich Dicke (Frauen) mag? Wer weiß. Diesem Schluss bezüglich des Erfindens allerdings verweigere ich mich standheftigst.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Kleine Freundin

Meine kleine Freundin

Formlos schief, weich,
nicht schön und reich,
irdisch lebendig,
sündigend ständig.

Witzig und klug,
klein, körperlich schwach,
strebsam und wach,
licht und bedacht.

Zufrieden gespannt,
schon oft durchgebrannt,
nie treu, doch ehrlich,
unersättlich begehrlich.





kleingedruckter Nachsatz: mich erstaunt ständig meine Zuneigung zu ihr und die große Freude, wenn ich sie seh', denn sonst fasziniert mich eher die große atmende lebendige Sinn-Kugelige. Für das Schreiben ist das anscheinend kein Widerspruch, einen Strich beschreiben ist dicht am Striche-Machen selbst dran. Schreiben des Schreibens mal wieder. Das entzaubert die Sache aber nicht. Sie, dieser dünne Hauch von Mensch, erscheint mir weiterhin als  großes Wunder. Ich kann sie dämlich anlächeln, natürlich auch mit ihr reden. Aber ich darf ihr nicht das Gedicht zeigen. Sie sieht sich ja vielleicht gar nicht so gern so. Außerdem wird sie von allen geliebt und sie liebt auch unverbindlich zurück. Ich hab nicht das Recht auf Gedichte mit ihr. Ich schick sie heimlich auf meinen Gedichte-Strich in dem die Hälfte gelogen ist. In Wirklichkeit ist sie eine Heilige. Vielleicht.

Schreib-Vorgänge

Schreibmöglichkeiten, -zwang oder nur Schlussgeschmier?



Es ist schon so eine Art einfaches Strategiespiel, das ich manchmal spiele. Es ist eines, das mit wenig Figuren auskommt und keinen Gegner braucht bzw. ist der Gegner die Haupt-Spielfigur. Diese Figur wird auf dem Spielfeld in eine Beziehung gestellt und dann gespiegelt in den Text, den ich schreibe. Ich schreibe voraus und sie, die Figuren, die auch meine Wörter sind und Sätze und Zeilen und Absätze folgen lärmend und irgendwie zu mir redend. Ich schreibe sie solange nieder als ihr staunender Protokollant, bis sie sich das nicht mehr gefallen lassen und weggehen oder sie versuchen sich mir real anzunähern. Plötzlich erklingt ein 'hallo du'. Im einen Fall fehlt mir die Kraft, sie zu halten, im anderen Fall, fehlt mir die Kraft, sie von mir fernzuhalten. Natürlich ist das etwas geschwindelt und ich fass doch so gerne auch hin. Und ich würge also mit großem Verlangen und hilfloser Liebe und Widerwillen gegen mich wie im Zwang das Ekeltier 'du' hinunter. Das ist jedesmal ein trauriges übles und schweres Ende.




Die Menschen auch, die ich für das Schreiben brauche, baue ich also mit mehr oder weniger großen Aufwand und mit Anstengung in es ein, ins Schreibspiel, das ich für Gefühle brauche, die ich leider nur sehr schwach von Natur aus habe. Diese Szenen kann ich hier nicht schildern, sie sind auch von Mensch/zu-Mensch und Fall/zu-Fall verschieden, Knall auf Schlag ergibt sich das, verwebt es sich. Grundsätzlich basiert das Spiel auf einer Erfahrung mit dem Kleinsten, mir als Kind und einem Objekt des Studiums und der Beobachtung in Tierchen, die gerade so groß sind bzw. waren, dass mein Mitfühlen und Mitleiden genau in ihnen Platz hatte und hat. Man stelle sich einen kleinen Jungen vor, der hinter einer Ameise her kriecht und sich in sie vertieft und ihr Erleben sucht. Später haben sich die Ameisen ins Gedächtnis verkrochen und Buchstaben-Spuren sind geblieben als vage Erinnerung.



Nach dem Ende des Spiels und dem Wegschieben des Gewirrs der Gefühle, werden erst die Texte, die jenseits des Spielfeldes liegen, richtig entfaltet mit analytischem Verstand und gegen Gefühl und Glaube und Aberglaube nochmal bearbeitet. Leider. Ich fress mich dann durch alle Köpfe und Körper und die Gefühle und das Herz, vor allen mein eigenes. Ich fress mich durch sie wie auch durch Raum und Zeit, vorwärts und rückwärts, hinein und hinaus. Alles wird verdaut und wieder ausgeschieden: Gott und die Welt, Wort und Geist, Kot und Schweiß. Der Schöpfer bin ich. Darum hab ich den gleichgültigen und versteckten und gefühllosen und gejagten und unsichtbaren und unwirksamen Schöpfer-Schatten der Welt draußen geschickt und Gott und seinen Glauben hab ich schon lange vergessen und der Erde übergeben, der wird mich nicht fressen. Ich hab keinen Glauben und keinen Aberglauben, von daher kommt für mich kein Fünkchen Licht. Ich bin mir selbst die Kraft des reinen Geistes. Kein Nümmerchen wird mich je beunruhigen, kein Buchstabe, kein Klang und kein Zauberwort. Das sind alles nur An-Zeichen der Einfältigkeit, Unsinn und Schwachsinn. Schickt mir ein Zeichen, das mich beeindruckt und ich lass mich bekehren. Wie wär 's mit einen Päckchen zu Weihnachten mit meiner liebsten Süßigkeit aus Kindertagen und einem telepathischen Gruß dazu. Wo sind auch die Wunder. Für mich wär ein Wunder ein unheiliger Sinnenbrand. Versteh das, wer will.



Eigentlich müsste man mich doch nach meiner Bücherliste durchschauen können. Ich hab die Bücher Nietzsches mehrfach gelesen und alles von Freud, zweifach und dreifach. Dann der Hinweis auf die französischen Strukturalisten. Die berufen sich alle auf Freud und nie auf seine schwachen Schüler. Die aller dümmsten unter ihnen - den flachen Deutschen - haben sich - im Traum - über den Meister erhoben: Fromm sah sich auf den Schultern Freuds. Fromms Bücher sind kleine gefaltete Papierbecherchen gefüllt mir Buchstabensuppe für Kinder-Wortspiele. Und der sammelwütige Jung hat nicht nur geistig eine Schmutz-Spur hinter sich hergezogen. Was Freud aus Jung in einer Stunde der Analyse herausgezogen hat, war Freud zu jung und Jung hat sich darauf ins Alte und ins Symbolische verflüchtigt. Die S/M-Spielchen mit Spielrein hat Cronenberg richtig erkannt, und das war noch das Sauberste an Jung. Jung hat wie Reich versagt.



Im BG, seh' ich nur die klaren Strukturen und Elemente und Abläufe, niemals echte Wiedergeburten und Götter. Lies den Rat: bis zum äußersten sollst du geh'n. Für den Buddhismus gilt das gleiche. Ich schreibe, also bin ich. Ich hab darauf hingewiesen, dass ich nicht so sehr viel rede und wenn ich rede, dann mit maximal verdrehtem Sinn, witzig, tabulos, trockener und nüchterner geht’s nicht. Das Buch BG selbst ist eine richtige Schatzkiste, für den, der die Gedanken darin schon gedacht hat. Für die anderen ist es unverständlich. Wer es irgendeiner Religion oder Religiosität zurechnet, outet sich als naiv, kindlich-kindisch und absolut unwissend.



Ich bin Spiegel. Ich bin scheinbar echt. Ich bin anscheinend ich. Ich bin Autist. Ich muss mich daher nicht hinter einem Pseudonym verstecken, mir kann niemand folgen, ich bin nicht real, ich versuche mir mein symbolisches Äußeres zu bewahren. Ich bin nichts, ich bin durchschnittlich bis zur Unsichtbarkeit. Die Realität des Körpers ist unerträglich und hässlich, ich möchte mich ihr nur so langsam wie möglich nähern. Die Realität soll mich nicht so schnell zerfressen wie das Alter es bei jedem tut. Ich werde sein und mich rückschauend vielleicht für erträglich halten.

Meine Gefühle existieren nicht, ich weiß auch nicht, ob überhaupt jemand, also irgend ein Mensch irgendwelche Gefühle für sich hat. Vielleicht sind alle sogenannten Gefühle, die wir für uns in Anspruch nehmen, die wir also für real in uns halten, und für unsere eigenen, nicht wirklich da und entgehen uns sofort, wenn uns unser soziales Sein, das menschliche Miteinander abhanden kommt, oder die Texte, und sonstige äußere Zeichenwelten, -systeme, uns damit nicht mehr versorgen, wenn wir also die Bilder, in denen Mensch-zu-Mensch-Zustände dargestellt werden oder dargestellt zu werden scheinen, plötzlich verlieren und sie uns entgehen. Menschen haben Gefühle. Sind sie messbar, also in uns in irgendwelchen Strömen und Stoffen greifbar oder nur ganz außer uns real? Anscheindend ist doch auch etwas in uns, das bei Gefühlen da ist, sagen uns Chemiker und Mediziner. Aber diese sogenannten Gefühlskorrelate in uns - unsere Gefühlsgeduseleien - sind weniger in der Zahl als uns die Worte, die draußen sind, uns glauben machen wollen, und ihr Zusammenspiel in uns ist m. E. weniger komplex und verworren und kompliziert als das Gefühls-Glücks-Spiel außer uns in den Texten und Bildern und Lebenszusammenhängen, also den sozialen Strukturen mit ihrem ganzen Unterbau von Warenwelt, Warenverteilung, und -produktion und -erarbeitung sowie dem Spaß-Spar-Wahn.

Woran merk ich immer, dass meine Gefühle nicht alle wirklich echt sind. Ich merke es daran, dass sie immer verschwinden, wenn ich dem Menschen, für den ich sie empfunden hab, real begegne. Meine Gefühle entstehen, wenn ich über die Texte, das Lebensbild des andern streiche und streife. Wenn ich mich dann real selbst einbringe in das Bild, dann vergeht es mit dem Sinn und dem Gefühl, das daraus so deutlich hervorgesprießt ist. Da haben wir schon wieder das traurige und üble Kröten-Ende.

Wann hat ein Gefühl, das man aus dem andern saugt, wirklich wert? Wann ist es ein gutes und echtes Mitgefühl. Das ist es dann, wenn der andere real leidet und in Not ist. Dann dürfen die Gefühle auch für mich erhalten bleiben. Ich möchte dem andern real helfen, ihn wärmen, ihm etwas gegen den Hunger geben, ihm zu trinken geben u. a. Zu meinen Gefühlen gehört notwendig mein realer Name und meine Telefonnummer, wenn mich Gefühle überkommen, damit bin ich für real Bedürftige erreichbar, damit unterlaufe ich Gefühlsgespenster, denen ich natürlich wie alle anderen Menschen auch nicht gewachsen bin. Man vergebe mir meine Aufdringlichkeit. Ein in sich gefestigter Mensch, also einer, der mit einem anderen in einem realen Sozialzusammenhang zusammengefügt und glücklich verwachsen ist, der ist leicht zu erkennen. Er weist mich zurück. Er ist aber einfach nur nicht in der großen Gefühlskugel der Vielen sondern in einem kleinen Abbild davon gefangen und nur scheinbar geschützt. Ehe und Familie stellen kleine Schutzbereiche in diesem Sinne dar. Es sind scheinbar dauerhafte Gefühlsberger. Aber verlasst euch nicht zu sehr auf eure Menschen. Die seltsamen sind selten.

Wenn ich also als Gefühls-Vampir und Autisten-Spiegel fremde Texte heller Internet-Mond-Nächte durchstreife, dann gibt es für mich auch zwei Sorten von Wanderern im Netz. Gefühls-Opfer und Gefühls-Täter. Die Opfer sind echt, die Täter sind Betrüger. Ich rechne mich zu einer Sorte von Zwischenwesen, die aber eigentlich auch nur Betrüger sind. Zwischenwesen bin ich, weil ich die Sache reflektiere, also überdenke und zur Sprache bringe. Ich bin sozusagen der Schatten eines Schattens, ein blutspendendes Vampie-Dings, ein Autist, der sich mit seinem Spiegelbild verwechselt. Also ist er doch nur ein verlogener und reumütiger Möchte-Gern-Autist. Ja, ich steh fest mit beiden Beinen auf dem schwankenden Boden, zwischen mir.

Aber ich kann nicht dem andern in seiner Spiegel-Gefühls-Not helfen, das heißt, ich kann nicht Liebe geben. Liebe wird immer leer mit Liebe ausgehandelt, es ist also das absolut leere Ur-Gefühl. Es ist das Gefühl der Gefühle und der Absturz zweier Liebenden in der Begenung real ist immer der maximal mögliche: es endet im realen physischen Untergang. Der eine, der manchmal mehr liebt, ist auch immer der gefährlichere. Das nebenbei für alle Arschlöcher, die sich zum einseitigen Doppel- und mehrfach-Selbstmord berufen fühlen. Alle große Liebe endet im Selbstmord und Mord. Bitte behalte jeder seine große Liebe für sich. Seelig sind die großen Liebenden – wenn sie allein sterben.

Zurück zu den echten Gefühlen im Körper. Jetzt wäre es an der Zeit zu den Gefühlen im einzelnen was zu sagen. Mach ich vielleicht irgendwann noch. Ich bin kein Systematiker, ich hab mir nur für mich einen Plan, eine kleine Flugmaschine gebaut, für die Flüge irgenwo- und überall hin, auch durch die Gefühlswelt geeignet, Abstürze eingeschlossen. Ich bin aber kein Philosoph, bin nur ein kleiner Gedanken-Hinschmierer. Die größten Denker sind für mich auch nicht die, die ein an die soziale Wirklichkeit angepasstes Gedankengebäude kontruiert haben, also die akademisch gebildeten Zusammenhangs-denker, sondern die, die einen großen und funktionierenden Wahn aufgezeichnet haben, aus dem sie selbst nicht mehr herausgekommen sind und aus dem sie auch niemand mehr herausholen konnte und der mit der sozialen Wirklichkeit – und dem Analytiker-Wahn und einem Psychiater-Posten - nicht kompatibel war und damit sind für mich alle sogenannten Philosophen erledigt. Die wahrhaft großen Gedankengebäude sind die, die die ganze Welt unserer Gefühle und Denkelemente und -zusammenhänge widerspiegeln und mit den natürlichsten persönlichen Farben des Körpers, hergestellt und gemischt aus Schweiß, Blut und Scheiße, Speichel, Pisse , Hitze, Atem und und und – besonders die unds sind wichtg – einfärben. Mit Dokumenten zum Thema Sex hat sich schon Nietzsches Schwester den Hintern gewischt. Auch Teile der Denkwürdigkeit haben anscheinend einigen als Wix-Lappen gedient und sind verschwunden oder versteckt. Am meisten verhasst ist mir aber die Zensur, die einen Autor in seinen Anzug verwandelt, Pisse und Kot in Tinte und sein Genitale in eine Krawatte. Autorinnen nimmt man(n) eh nicht so ernst. Die dürften auch mal ganz natürlich daherkommen. Frauen haben da wirklich Glück, die größten Dichterinnen dürfen – müssen es meist sogar sein – Schlampen sein und müssen sich ihren Depressionen dazu ergeben. Die Dichter, wenn man sie erkennt, dürfen sich höchsten eine oder zwei Schlampen (oder Ge-Muse) halten. Und die Tatsache, dass Weisheits-Lehrerinnen selten sind, es auch keine Lehrstühle für solche an sich gibt, spricht doch wohl auch gegen jede Art von Philosopie. In Wahrheit, liebe Leser, ist also alles ganz anders als mann es möchte und es sich einem darstellt, wenn mann am Leben teilnimmt. Die Teilnahme am Leben, jedenfalls momentan noch – her mit den Utopien und her mit den Überraschungen an Weihnachten - ist nur unreflektiert möglich. Spar ich mir. Aufgabe der Therapeuten und Pfaffen und Lehrer und sonstigen Redner in der Bütt des veröffentlichten Schwachsinns ist es, das Denken soweit vom Nachdenken zu lösen, dass es im Sozialen/Asozialen, also in unserer so schönen Welt, funktioniert. Wenn man sich ein Bild von der Welt, wie sie wirklich ist, machen will, muss man nur zum Fenster gehen und hinausschauen (hab ich andernorts gelesen) und sich die andern Menschen real vorstellen, mit Kopf und Körper und Schneeflocke auf der Nase und mit zugehörigen Rissen und anderen Resten. Übrigens: ich hab grad noch mal nachgeschaut und draußen wieder keine Seele entdeckt. Und Gespenster auch nicht, höchstens von ihren Vorbildern ein paar, also Hungrige (auch Liebeshungrige) und Verzweifelte. Bitte einsteigen in die Flug- und Zeitmaschine.

Im Gegensatz zu einem Blogger lebt ein richtiger Autor von der Öffentlichkeit, er ist nichts ohne die mehr oder auch weniger hirnlose veröffentlichte Meinung und die Gnade eines zahlenden Publikums, das sich nie über Hintergrund-Klatschen sowie- applausidieren wundert. Alles Tantiemen-Geschmier. Und ist euch schon aufgefallen, dass dem, der vom Schreiben lebt, ein Urteil über den Kern des Systems nicht erlaubt ist, vor allem wenn man diesen Kern auch draußen im Mittelpunkt einer Geld- und Warenglitzerwelt gefunden hat und ihn dort fasst. Dann reflektiert und wirft man die Wahrheit umgehend auf ihn zurück, er darf dann kurz mal selbst in den Spiegel schauen sich als arm vorstellen (mit Arm und ohne reich) und im öffentlichen Bild sich als Kasper betrachten oder sich wenn 's schlimm kommt als exkrementjakulierendes Etwas sehen. Dann wird 's gefährlich und Zeit für einen Widerruf. Und frau hat wieder mal Glück, war eh schon bloß Schlampe.

Übrigens: das erwünschte Entmannen von erwünschten Geisteskranken ist ungefähr so sinnvoll wie die Kastration eines tibetischen Mönchs, der bei seinen Übungen schon alles Weibliche der Welt in sich aufgenommen hat. China ist ein wunderbares Weibchen. Das Sperma des Geistes kommt nämlich von oben: es liegt immer als Schnee auf den höchsten Bergen der Welt. Und für das Erröten und für die eigene Scham braucht 's doch bloß wieder die Schamlosigkeit und Unverschämtheit der andern und nicht (s)exklusiv das Hantieren am Schwanz. Das Unberechenbare eines fröhlich-sinnlosen Schreibens und frühlingshaft-wechselhaften Wetters reißt in weiten lustvollen Lawinenschwüngen und hohen mutigen Sturzbachsprüngen die Anmaßung der frechen Aufsteiger hinab ins stumpf-dumm-dunkle Schatten-Tal und ins kalte Grab hilfloser wissenschaftlicher Abhandlungen. Vergessen sind die vielen Ärzte und respektlosen Analytiker, die am Berg scheitern mussten, mangels Ausrüstung und Kondition. Ihre Untersuchungen und Analysen und Hilfen sind nur ein Gesang, geblieben aus ihren eigenen lauten und ihrer Oper leisen Todesschreien. Und was bleibt: ein unverrückbarer manchmal auch wackelnder Wahnsinns-Berg für die Umrundung - auch textlich - in Demut.

Bitte einsteigen ins Taxi zur Abflughalle. Die Flugmaschinen sind noch am Boden. Jedem seine eigene Machine, jedem ein Paradies, jedem eine Wiedergeburt, jedem ein Text, jedem ein eigenes Göttchen, jedem ein hübsches Leibchen – soll 's bitte doch der Teufel frei'n -, jedem Witz, Lust und Verstand, ungezügelt, und etwas Schein, Geldschein, doch nicht gewaschen und gebügelt.

Ah ja und ein Blick auf die Statistik im Google-Blog. Sowas wie ich als Schreiber hat maximal – neben den Blog-Stör-und-Suchprogrammen - einen einzigen Leser, ich mich selbst. Ich lass mich nicht täuschen (außer von mir selbst). Hab mir selbst auch schon meinen Namen mitgeteilt und die Telefonnummer gegeben. Hab mich aber noch nicht anrufen müssen. Hab erst ein einziges Mal – oh Wunder - einen fremden Namen mit Nummer erhalten im Netz, und das auch nur in Form eines Rätsels. Für einen Rätselrater war es ein traumhaft liebes Kompliment – und bestimmt kein großes Ärger-Hindernis.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Wunderheiler

Heil der Wunde

Der Wunderheiler
heilt nicht den,
der an ihn glaubt.
Er tut nur dem gut,
der ihn sieht.
Sieh, riech und
schmeck die Wunde
und du wirst
wieder gesund.
Die Kranken hat
mit seinen Pranken
Gott gepackt.
Sie haben Gottes
Werk erfüllt,
dem Siechtum sich
ergeben, ins Leid
und Leichentuch
sich eingehüllt.
Der Heiler zieht
auf festen Grund
dich hin und
kann die Freud‘
und Lust am Leben
dir wiedergeben.
Doch dankst du Gott
in deiner Not
bist du schon tot.

Allein

Mensch du bist allein
ohne Sinn im Sein
der die Welt beseelt.
Einzig und allein
einem Menschen nur
öffnet er das Tor.
Er ist auf der Flucht
wenn er nach dir sucht.
Er tritt in dich ein
wenn er dich erwählt
und er kommt und geht
wie es ihm gefällt.
Seines Geistes Licht
wenn er mit dir spricht
sich mit dir vermählt
in dir sich versteht
dir von sich erzählt
Sieht der andre nicht.

Gegen Gewalt

Gegen Gewalt - hin zur Schönheit der Zeichen

Ein Text gegen die Gewalt
und gegen das Vergessen,
geschrieben zum Vergessen
auch der Zeilen und Zeichen,
nicht mehr oder noch nicht schön,
inhaltlich nicht vollkommen
und sprachlich nicht nur schön.
Ich kann ihn mir nicht merken
will ihn mir nicht einprägen.
Dafür scheint mir diese Art
zu schreiben auch nicht gemacht.
Ich hoff mein Weg ist jetzt auch
eine Fahrt ins Staublose.
Für mich Nichts, die Erlösung,
unser Sinn für den Schöpfer.
Für ihn, der sich diese Welt
als Versteckt geschaffen hat,
und Maske, sind wir ein Bild
und im Bild Sinn und Hoffnung.
Ich befürchte, dass mein Weg
bei vorzeitigem Abbruch
durch wen oder was auch immer,
nicht zu Ende ist und ihm
die Hoffnung erlischt und ich
überdacht werde und nur neu
gemacht und bloß übermalt.
Und Gott, der so wirklich ist
und wahr, wie die Schmerzen
und der nicht der Schöpfer ist,
er hätte unsern Schöpfer
nur gerne zurückgeholt
in sein vollkommenes Sein
voller Sinn und er sucht ihn
und wütet gegen ihn, uns
in den Erbarmungslosen
und Mächtigen, im Unglück
der Dinge in dieser Welt.
Gott ist noch immer nicht tot
doch ziemlich klein ist er schon.
Stirb endlich mächtiger Gott
erlös uns von Deiner Not.
Deute und rate uns nicht,
du erkennst ihn nicht in uns.
Lass uns endlich allein und
die Schönheit der Zeichen
für immer bei uns sein.

Samstag, 8. Dezember 2012

Nietzsches Traum


Vorbermerkung:

Für die Interpretation von Nietzsches Kröten-Traum aus den Baseler Tagen fällt Jung nichts weiter ein als das spätere Syphilis-Infektions-Gerücht. Für Jung war der Traum ein unfreiwilliges Geständnis, seine eingebildete Offenbarung der späteren angeblichen Geschlechts-Krankheit, die er ach so herzens-kern-gern hat geglaubt, er hatte sie – die Offenbarung - und Nietzsche soll sie auch gehabt haben - Offenbarung und Infektion -. Das sind aber nur Jungs-Offenbarungen, die eines Selbst-Bedeuters, der mit seinen Analysen stets nur junge Mädchen verfolgt hat (Geständnis gibt 's in den 'Wandlungen' - 15 Jahre alt war sein wandelnde Verführung). Das war keine Traumdeutung. Jung ist auch kein richtiger Deuter, sondern ein Sammler (Ab-Staub und Schmutz des Vergangenen). Es war die zwanghafte Wiederholung eines üblen Gerüchts verbreitet von Neid-Kröten und Ignoranten, Lese- und Denkfaulen, verlogenen und debilen Ärzten, notgeilen Pfaffen, und sonstigem akademischem Bildungs-Schwindel-Gesindel. Übrigens findet sich im Buch zur Traumdeutung bei Freud die Schilderung eines Mädchenschänders, der seine Schulden bei Freud mit Geldscheinen, die gewaschen und gebügelt waren (Verdichtung vom mir: gebügelte Kröten sind die vergewaltigten kleinen Mädchen), beglichen hat. Die Analyse endete umgehend mit einem Verweis durch Freud und einem Verweis auch darauf, dass das Geld-Waschen diesem Kriminellen nur ein sinnloser und nicht akzeptabler nicht gültiger Entschuldigungsversuch wäre. Da Freud Jung damals noch nicht gekannt hat, war dies eine Offenbarung im Sinne des Herrn Jung, eine vorweggenommen Entdeckung mit vorprogrammiertem Zerwürfnis (Die Synchronisierung erfolgte wohl nachträglich oder nachtragend). Übrigens: Nietzsches 'Infektion' ist nicht nur nicht belegt, sie ist nachweislich falsch. Nietzsches Pupillen-Helligkeits-Differenz sowie auch die Kopfschmerzen und bestimmte außergewöhnliche Vorstellungsinhalte bestanden seit seiner Kindheit (m. E ist das für jeden Mann bis zum GewissensGrad normal). N. selbst schildert für sich auch 'Übersinnliches' aus der Kindheit (also einer über dem Sinn angesiedelter Einsicht - Ansicht eines Einsiedlers). Er war nicht nur hochbegabt, sondern auch hoch-sensibel (Sensibilität ist Vorzug [edler Sinn] der Männlichkeit). Stumpfsinn macht sich gleich und andere - gern abartig und krank. Die Deutung der Symptome sollte denen überlassen bleiben, die diese Differenz und den Schmerz und die Vorstellungen aus der Praxis, der ärztlichen, oder aus eigener Erfahrung gleich intensiv kennen, sich in ihnen erkennen. Sie sind möglicherweise, jedoch nicht unbedingt Zeichen der Meningioma  (Leonard Sax' Artikel im Wayback-Archiv DL http://home.cfl.rr.com/mpresley1/fn.pdf), also einer Tumor-Ausstülpung aus der Arachnoidea. Egal nun, ob Tumor oder nicht: die Symptome scheinen mir auf jeden Fall mit der Mittleren Hirnhaut verbunden. Sie ist möglicherweise der für die Entstehung von Sinn wichtigste Bereich des Hirns. Hier ist vielleicht sogar der Sitz der Seelen, sie - die echte Spinner-Haut - wäre dann das Kleid der Seele und der letzte und große Spiegel. Und eine Seele wächst auch mit ihren Bildern und ihrem Text - also doch Meningiom? Oder sie verkümmert, wenn man die Autoren verleumdet und das Lesen und Texten den anderen überlässt.

Zum Kröten-Traum:
  1. Szene: ganz offensichtlich sieht N. durch die Haut (der Hand auf dem Tisch) in sich hinein: Einsicht
  2. Szene: er muss eine Kröte schlucken: etwas Unangenehmes akzeptieren, mit Zwang und unwiderstehlichem Verlangen

Zusammenfassung: 'Sinn' beider Szenen: eine unangenehme Einsicht hinnehmen, ein wolllistiges Unter- und Hinterfangen

Ich würde sagen, das ist das Thema des Traums und der Beginn der Deutung mit Bezug auf das Reale:
  1. Szene: N. sitzt am Tisch (im Restaurant) und erzählt seinen Traum
  2. Szene: Tischdame von N., junge Frau, lacht über den Traum

N. isst nicht nur die Kröte, er ist eine Kröte, also kalt und feig. Die dicke Kröte ist aber sicher auch zugleich eine Beschreibung seiner Tischdame, und wahrscheinlich ein Hinweis auf Ihre Klasse. Die Hand liegt auf dem Tisch und die Wahrheit auf der Hand.

Die unangenehme Einsicht ist eine für beide: sie – die Dame - lässt N. kalt, weil sie ihm nicht gefällt und er lässt sie kalt, weil er halt kalt ist. Beide sind Kröten, der eine innerlich, die andere außen. Beide durchschauen sich, beide kennen sich sehr gut.

Die Anordnung der Elemente mit der Hand auf dem Tisch (Tisch-Dame), der Durchsicht auf das Gebein usw. der dicken Kröte (hier hat schon eine Analytikerin von der fetten Kröte als 'Symbol des chtonisch Weiblichen' und auch von Baudo, die sich hat unter die Röcke blicken lassen, gesprochen) in der Hand (an sich und für andere) und dem Runterwürgen eines Tiers, legen eine Deutung zwar nahe. Aber Wissen bleibt in dem Fall Wunsch. Neigungen lassen sich herauslesen aus dem Traum, Fakten nicht. Das Hinuntergewürgte Tier ist jedenfalls nicht die Frau, das wäre eher die Sache Jungs gewesen (von Cronenberg im Spielrein-Film wohl richtig gesehen).


In Hand, Glas und Kröte stecken natürlich auch Schreiben, Veröffentlichen und Missgunst, also die Missgeburt der Tragödie aus dem Ungeist der Musik (ihre Rezeption).

Die Frau hat es sehr leicht genommen und es heraus gelacht. Hat es gut gemacht, braucht keine Deutung. Gute gesunde nicht-wahnhafte und natürliche und langweilige inhaltslose Reaktion. Oder doch eine Deutung, wenn 's gefällt: sie hat sich gern entblößt und zur Freude aller Beteiligten, vor allem aber zur eigenen (Sex unproblematisch, Handlungen beider für mich leicht sichtbar).



Schopenhauers Kröte darf man vergessen, spielte nie eine Rolle:

hat Nietzsche nie gefressen.


Letzte Szene: Nietzsche mit Deutern und Einsichten:

Eine bestimmte Deutung des Traums mit Bezug auf zwei der Beteiligten scheint mir noch wichtig. Die Kröte ist der Haupt-Sinn-Knoten des Traums. Kröten waren für Jung keine fassbaren Begriffe - sie sind in der Mythologie selten (nur die schwachen Dämonen einer Dichtkunst?) -, sondern real ein Problem und blinder Fleck in der Wahrnehmung, deshalb kann er nicht viel zum Traum von sich geben. Kleine Kröten, die selbst wiederum aus vielen Kröten bestehen, waren ja sein bevorzugtes Analyse-Beute-Tier (Analytiker sind vom eigenen Wahn verführte haltlose Vergewaltiger). Nietzsche aber müsste eine wichtige Kröte gekannt haben: Alberich (denkbare Assoziationreihe dazu: albern, lachende Frau, Buffo, bufonidae – bleibt Spekulation), und sein Kröten-Opfer. Die hässliche Kröte (Alberichs Verwandlung und R(h)einfall) ist für N. das Symbol, das für einen Dichter und Philosophen, für eine armen weisen Narren, aber auch für seine Unsterblichkeit im Werk steht. Die verschluckte Kröte hat ihn wie Alberich tatsächlich begleitet bei seiner Innenschau, bedeutete Verzicht auf Liebe, Geld und Ansehen, aber wurde für ihn auch zu überirdischer Eingebung und ungewollt zu zeitlosem Ruhm. Nochmals zum Menigiom als wahrscheinlicher Fehldiagnose: zur Innenschau gehört vielleicht notwendig die Pupillendifferenz mit Körper-Kopf-Schmerz und Wahn, also war da meiner Meinung nach nie eine Krankheit, auch kein Symptom einer Krankheit, sondern N. hatte durch die hellere rechte Pupille eine Nach-Innen-Sicht, Einsicht-In-Sich durch ein Loch ins Licht. Die verschluckte Kröte ist eine Verdichtung aus Wahn und Traum und schmerzhafter Wahrheit. Kröten fressen, bedeutet für mich das Unbewusste, die Schuld (linkes Auge) zum Licht und Verstand und Sinn hin zerren (rechtes Auge). Das rechte Auge wird irgendwann auch mal blind, also Licht im Licht. Vielleicht legt mir jetzt manch einer den Finger ans Dritte Auge.



Nachsatz: nach einem Traum wird mir klar, dass Oberflächlichkeit und Schwachsinn in diesem Sinn kein Argument gegen einen Heiler sind. Ein Mythen-Heiler muss seinen Opfern nicht in die Tiefe folgen, er kann sie herausholen. Er kocht ihnen als magischer Topf-Heiler mit der gesamten Symbolik-Vielfalt, die er im Kessel hat, eine dick-grobe Sinn-Brocken-Suppe. Es darf nur eines nie in den Topf: die fette Gift-Kröte, die muss er selber schlucken. Soll jeder für sich beurteilen, ob das dem o.g. Heiler gelungen ist. Nietzsche ist das Gift nicht bekommen, keiner hat ihm davon etwas ab-genommen. Kein Verständnis gab es, nur Häme, also Kröten. Ist die Kröte nicht heute noch Wappentier der Schweiz?



Nochwas zum Topf-Heiler: Archetypen sind – ich bin grad auch bei Jungs Wandlungen/Thema: Schizophrenie – keine Bilder, sondern Szenen in Bildern. Ich glaube, dass Jung sich in die (seine) Deutungen nicht persönlich hineinverwebt hat, leider, er war halt kein Leider, er hat den Bildern immer geglaubt. Aber Bilder lügen. Er hat sich jedoch gelegentlich gern in die realen Leben seiner Patientinnen hineingelebt, also sich eingemischt zu deren Freud und Leid. Freut Euch ihr Patienten/innen, der Arzt ist euch ins Bett gelegt: Freud im Geiste und Jung real. Wer hat das gesungen?