Es
ist aber nicht Alles gut und das große Ende schon gar nicht. Für
SIE ist doch sowieso alles einerlei und Einheits-Brei und jedes Ende
ist ein brauchbares Ende, ob gut, ob schlecht, großes Drama, große
Tragödie, kleiner Alltag. Und für IHN ist alles weder gut noch
schlecht, Hauptsache 'ne ordentliche Portion A & T und
Fleisch auf dem Teller und ein Gesicht dazu, das das Gesamt-Konzept
nicht stört und alles ihm so Ge-wichtige nicht wieder widerlegt. Und
für ihn kommt immer das dicke Ende, wenn 's Geschäft erledigt ist
und das kommt nun auch hier noch so nach und nach - und grob geordnet. Kommt es nur für ihn? Eher für beide hin- und hergewendet, nicht wahr? (falsch gips nicht)
Also
sortieren wir mal wieder
das
mal vom wieder
das
gut vom schlecht
und
wahr von echt.
SIE
Gut
ist das große Ende in einer herzlichen Umarmung, vielleicht auch
einer flüchtigen - und heimlich's Spiel versteckter Hände. Und immer
wieder.
ER
Das
Große Ende hat jeder für sich und soll es auch so behalten. Nichts
hat am Ende Sinn. Es gehört zur Unveränderlichkeit und zur mir so
unerträglichen und mit mir so unverträglichen, zu deiner
allgemeinen Leichtigkeit des Seins.
SIE
Das
kleine Glück gehört zum dauernden Wandel, Verwandeln und es gehört
uns, dir und mir. An keinem Tag möchte ich im Spiegel
wieder-erkennen meine kleine Welt und mich nur immer schön sehn: das
wär mein großes Glück. Und jeden Tag würde ich dir wieder dafür
mit Liebe danken.
ER
Dich
allerdings würde ich wohl immer gleich sehen und etwas kleiner als
mich, dann, wenn und so wie du dich selbst im Spiegel siehst, und während-dessen von hinten ich, gesichtslos du
und vorn, ich tastend blind, ich für dein Fleisch ewig empfänglich
und du für mein Fleisch hoff' ich, an der ent-scheid-end Stelle
nicht allzu schnell vergänglich.
ICH
Ist
das die große Liebe? Ich habe schon befürchtet, dass man mich auch
danach fragt. Bin nun doch überrascht davon und fast erschlagen,
jedenfalls - stumm. Mühsam ring' ich nach Worten: zwei in der Stunde
- und Stund um Stund für einen Satz ohne Anfang, ohne Ende.
Ein-Satz-Geklage. Kein richtiger Gedanke. Und dann doch. Die große
Liebe ist wie das große Ende: gegen alle und für keinen, weder für
sich ist sie, noch für dich und mich und nicht für ihresgleichen.
Nie trifft sie sich. Sie ist noch nicht einmal im Handel. Sie ist
auch gegen das große Ende selbst, von dem sie vielleicht herkommt,
gerichtet. Sie ist der Geist, der stets verneint. Sie ist das Nichts,
nur selbst und es wieder zernichtet. Und eine kleine Liebe? Na, das
ist leicht. Die ist nur was für Diebe, die Sehnsucht nach der Liebe,
die immer nur der andere hat, also auch Nichts und schlimmer noch, der Widerstreit.
SIE
Aber
sie ist schön, nur schön, die große Lust und Liebe. Dies Gefühl
zu haben, so erhaben beim Warten und so berauschend auch im Detail
dann so gut
ER
und
sinnlos und fremd – des kalten Alltags dünnes Hemd.
SIE
Sie
ist so schön wie 's Blümchen am Wiesenrand oder im Wald ganz
allein, ein Pflänzchen fast ohne Halt in seiner Erde, winzig klein.
Und so verdorrt sie nie und braucht auch fast kein Wasser, keine Luft
und soviel Blau und Boden nur um unten anzuhaften.
ER
Bevor
uns noch die Luft ausgeht und uns die Lust verlässt, zurück zur
ander'n kleinen Liebe, zur käuflichen, verhandelbaren, kleinlich
alltäglichen, wörtlich sagbaren, im Mangel beklagbaren,
wandelbaren, flüchtigen, mit Küsschen, dem nachsichtigen.
SIE
Sie
ist so schwer zu fassen, braucht auch mal keine Worte und
geschriebenen großen Text, sie passiert ganz traumhaft mir und (oft)
wie nebenbei,
ER
und
uns wie das Geschreibsel unter aller Dings und in und unter Einerlei.
Tragisch ist
SIE
dass du als Mann für mich nicht taugen willst auf Dauer,
ER
wohl
besser: dass das Hundeleben ich nicht aushalt' neben dir und auf dir wie auf der Not die Trauer.
ICH
Was
ist dann wahr und echt? Ich kann mich auch so recht nicht raushalten,
sollte Partei sein und dabei. Die Worte dazu, sie hüpfen mir nur hin
und her, wie fort-geschrieben, hingebrochen und -gesprochen, wie
blödsinniger Sing-Sang und Tralala, nur sinnloses Geplärr. Was
wiegt nun weniger, ganz nach persönlichem Geschmack, der große
hohle Sinn, die große Kugel Liebe und das heftige
Gefühls-Gedusel oder die Oberfläche und die Liebelei für den
alltäglichen Gebrauch, die schöne bunte Gedankenlosigkeit,
Nachtfalter im Bauch. Was wiegt nun mehr, der abgeriss'ne Arm und
blutend Schmetterling mit einem Flügelpaar aus Putzlappen und
Fußabstreifer oder der Rest dazu, ein einarmiger harmloser
stift-klammer Sehnsucher des Schmerz- und Wort-, des Herz-,
Schamlosen. Wenn ich mein Leid bedenk', der abgeriss'ne Arm, der mir
allmorgendlich die Hand zum Aufsteh'n reicht oder auch nur sich mir
hinhängt, dann würd' ich mich, hätt' ich die Wahl – ich hab' sie,
denk' ich, leider nicht – ich würde mich dann wohl für eine Liebe
entscheiden, die meiner Seele wohl tut und nur ihr, ich würde gerne
Hilfe geben, wenn nur auch einer/eine Hilfe wollt' von mir, es müsste
etwas sein, wie eine Hilfe zum Auf-Fliegen, zum Selbst-Entdecken also
zum Hoch-Geh'n ins Helle, Freie, Ungewisse und zum fröhlichen
Aus-Sich-Herausgeh'n, ich möchte mich in ihm/in ihr erkennen dürfen,
ihn/sie mit mir erheben, nicht ins Bedeutende und Sinnlos-Schwere,
einfach nur ins leere Leben und zugleich möcht' ich so gerne wieder
Schweben.