Samstag, 8. Dezember 2012

Nietzsches Traum


Vorbermerkung:

Für die Interpretation von Nietzsches Kröten-Traum aus den Baseler Tagen fällt Jung nichts weiter ein als das spätere Syphilis-Infektions-Gerücht. Für Jung war der Traum ein unfreiwilliges Geständnis, seine eingebildete Offenbarung der späteren angeblichen Geschlechts-Krankheit, die er ach so herzens-kern-gern hat geglaubt, er hatte sie – die Offenbarung - und Nietzsche soll sie auch gehabt haben - Offenbarung und Infektion -. Das sind aber nur Jungs-Offenbarungen, die eines Selbst-Bedeuters, der mit seinen Analysen stets nur junge Mädchen verfolgt hat (Geständnis gibt 's in den 'Wandlungen' - 15 Jahre alt war sein wandelnde Verführung). Das war keine Traumdeutung. Jung ist auch kein richtiger Deuter, sondern ein Sammler (Ab-Staub und Schmutz des Vergangenen). Es war die zwanghafte Wiederholung eines üblen Gerüchts verbreitet von Neid-Kröten und Ignoranten, Lese- und Denkfaulen, verlogenen und debilen Ärzten, notgeilen Pfaffen, und sonstigem akademischem Bildungs-Schwindel-Gesindel. Übrigens findet sich im Buch zur Traumdeutung bei Freud die Schilderung eines Mädchenschänders, der seine Schulden bei Freud mit Geldscheinen, die gewaschen und gebügelt waren (Verdichtung vom mir: gebügelte Kröten sind die vergewaltigten kleinen Mädchen), beglichen hat. Die Analyse endete umgehend mit einem Verweis durch Freud und einem Verweis auch darauf, dass das Geld-Waschen diesem Kriminellen nur ein sinnloser und nicht akzeptabler nicht gültiger Entschuldigungsversuch wäre. Da Freud Jung damals noch nicht gekannt hat, war dies eine Offenbarung im Sinne des Herrn Jung, eine vorweggenommen Entdeckung mit vorprogrammiertem Zerwürfnis (Die Synchronisierung erfolgte wohl nachträglich oder nachtragend). Übrigens: Nietzsches 'Infektion' ist nicht nur nicht belegt, sie ist nachweislich falsch. Nietzsches Pupillen-Helligkeits-Differenz sowie auch die Kopfschmerzen und bestimmte außergewöhnliche Vorstellungsinhalte bestanden seit seiner Kindheit (m. E ist das für jeden Mann bis zum GewissensGrad normal). N. selbst schildert für sich auch 'Übersinnliches' aus der Kindheit (also einer über dem Sinn angesiedelter Einsicht - Ansicht eines Einsiedlers). Er war nicht nur hochbegabt, sondern auch hoch-sensibel (Sensibilität ist Vorzug [edler Sinn] der Männlichkeit). Stumpfsinn macht sich gleich und andere - gern abartig und krank. Die Deutung der Symptome sollte denen überlassen bleiben, die diese Differenz und den Schmerz und die Vorstellungen aus der Praxis, der ärztlichen, oder aus eigener Erfahrung gleich intensiv kennen, sich in ihnen erkennen. Sie sind möglicherweise, jedoch nicht unbedingt Zeichen der Meningioma  (Leonard Sax' Artikel im Wayback-Archiv DL http://home.cfl.rr.com/mpresley1/fn.pdf), also einer Tumor-Ausstülpung aus der Arachnoidea. Egal nun, ob Tumor oder nicht: die Symptome scheinen mir auf jeden Fall mit der Mittleren Hirnhaut verbunden. Sie ist möglicherweise der für die Entstehung von Sinn wichtigste Bereich des Hirns. Hier ist vielleicht sogar der Sitz der Seelen, sie - die echte Spinner-Haut - wäre dann das Kleid der Seele und der letzte und große Spiegel. Und eine Seele wächst auch mit ihren Bildern und ihrem Text - also doch Meningiom? Oder sie verkümmert, wenn man die Autoren verleumdet und das Lesen und Texten den anderen überlässt.

Zum Kröten-Traum:
  1. Szene: ganz offensichtlich sieht N. durch die Haut (der Hand auf dem Tisch) in sich hinein: Einsicht
  2. Szene: er muss eine Kröte schlucken: etwas Unangenehmes akzeptieren, mit Zwang und unwiderstehlichem Verlangen

Zusammenfassung: 'Sinn' beider Szenen: eine unangenehme Einsicht hinnehmen, ein wolllistiges Unter- und Hinterfangen

Ich würde sagen, das ist das Thema des Traums und der Beginn der Deutung mit Bezug auf das Reale:
  1. Szene: N. sitzt am Tisch (im Restaurant) und erzählt seinen Traum
  2. Szene: Tischdame von N., junge Frau, lacht über den Traum

N. isst nicht nur die Kröte, er ist eine Kröte, also kalt und feig. Die dicke Kröte ist aber sicher auch zugleich eine Beschreibung seiner Tischdame, und wahrscheinlich ein Hinweis auf Ihre Klasse. Die Hand liegt auf dem Tisch und die Wahrheit auf der Hand.

Die unangenehme Einsicht ist eine für beide: sie – die Dame - lässt N. kalt, weil sie ihm nicht gefällt und er lässt sie kalt, weil er halt kalt ist. Beide sind Kröten, der eine innerlich, die andere außen. Beide durchschauen sich, beide kennen sich sehr gut.

Die Anordnung der Elemente mit der Hand auf dem Tisch (Tisch-Dame), der Durchsicht auf das Gebein usw. der dicken Kröte (hier hat schon eine Analytikerin von der fetten Kröte als 'Symbol des chtonisch Weiblichen' und auch von Baudo, die sich hat unter die Röcke blicken lassen, gesprochen) in der Hand (an sich und für andere) und dem Runterwürgen eines Tiers, legen eine Deutung zwar nahe. Aber Wissen bleibt in dem Fall Wunsch. Neigungen lassen sich herauslesen aus dem Traum, Fakten nicht. Das Hinuntergewürgte Tier ist jedenfalls nicht die Frau, das wäre eher die Sache Jungs gewesen (von Cronenberg im Spielrein-Film wohl richtig gesehen).


In Hand, Glas und Kröte stecken natürlich auch Schreiben, Veröffentlichen und Missgunst, also die Missgeburt der Tragödie aus dem Ungeist der Musik (ihre Rezeption).

Die Frau hat es sehr leicht genommen und es heraus gelacht. Hat es gut gemacht, braucht keine Deutung. Gute gesunde nicht-wahnhafte und natürliche und langweilige inhaltslose Reaktion. Oder doch eine Deutung, wenn 's gefällt: sie hat sich gern entblößt und zur Freude aller Beteiligten, vor allem aber zur eigenen (Sex unproblematisch, Handlungen beider für mich leicht sichtbar).



Schopenhauers Kröte darf man vergessen, spielte nie eine Rolle:

hat Nietzsche nie gefressen.


Letzte Szene: Nietzsche mit Deutern und Einsichten:

Eine bestimmte Deutung des Traums mit Bezug auf zwei der Beteiligten scheint mir noch wichtig. Die Kröte ist der Haupt-Sinn-Knoten des Traums. Kröten waren für Jung keine fassbaren Begriffe - sie sind in der Mythologie selten (nur die schwachen Dämonen einer Dichtkunst?) -, sondern real ein Problem und blinder Fleck in der Wahrnehmung, deshalb kann er nicht viel zum Traum von sich geben. Kleine Kröten, die selbst wiederum aus vielen Kröten bestehen, waren ja sein bevorzugtes Analyse-Beute-Tier (Analytiker sind vom eigenen Wahn verführte haltlose Vergewaltiger). Nietzsche aber müsste eine wichtige Kröte gekannt haben: Alberich (denkbare Assoziationreihe dazu: albern, lachende Frau, Buffo, bufonidae – bleibt Spekulation), und sein Kröten-Opfer. Die hässliche Kröte (Alberichs Verwandlung und R(h)einfall) ist für N. das Symbol, das für einen Dichter und Philosophen, für eine armen weisen Narren, aber auch für seine Unsterblichkeit im Werk steht. Die verschluckte Kröte hat ihn wie Alberich tatsächlich begleitet bei seiner Innenschau, bedeutete Verzicht auf Liebe, Geld und Ansehen, aber wurde für ihn auch zu überirdischer Eingebung und ungewollt zu zeitlosem Ruhm. Nochmals zum Menigiom als wahrscheinlicher Fehldiagnose: zur Innenschau gehört vielleicht notwendig die Pupillendifferenz mit Körper-Kopf-Schmerz und Wahn, also war da meiner Meinung nach nie eine Krankheit, auch kein Symptom einer Krankheit, sondern N. hatte durch die hellere rechte Pupille eine Nach-Innen-Sicht, Einsicht-In-Sich durch ein Loch ins Licht. Die verschluckte Kröte ist eine Verdichtung aus Wahn und Traum und schmerzhafter Wahrheit. Kröten fressen, bedeutet für mich das Unbewusste, die Schuld (linkes Auge) zum Licht und Verstand und Sinn hin zerren (rechtes Auge). Das rechte Auge wird irgendwann auch mal blind, also Licht im Licht. Vielleicht legt mir jetzt manch einer den Finger ans Dritte Auge.



Nachsatz: nach einem Traum wird mir klar, dass Oberflächlichkeit und Schwachsinn in diesem Sinn kein Argument gegen einen Heiler sind. Ein Mythen-Heiler muss seinen Opfern nicht in die Tiefe folgen, er kann sie herausholen. Er kocht ihnen als magischer Topf-Heiler mit der gesamten Symbolik-Vielfalt, die er im Kessel hat, eine dick-grobe Sinn-Brocken-Suppe. Es darf nur eines nie in den Topf: die fette Gift-Kröte, die muss er selber schlucken. Soll jeder für sich beurteilen, ob das dem o.g. Heiler gelungen ist. Nietzsche ist das Gift nicht bekommen, keiner hat ihm davon etwas ab-genommen. Kein Verständnis gab es, nur Häme, also Kröten. Ist die Kröte nicht heute noch Wappentier der Schweiz?



Nochwas zum Topf-Heiler: Archetypen sind – ich bin grad auch bei Jungs Wandlungen/Thema: Schizophrenie – keine Bilder, sondern Szenen in Bildern. Ich glaube, dass Jung sich in die (seine) Deutungen nicht persönlich hineinverwebt hat, leider, er war halt kein Leider, er hat den Bildern immer geglaubt. Aber Bilder lügen. Er hat sich jedoch gelegentlich gern in die realen Leben seiner Patientinnen hineingelebt, also sich eingemischt zu deren Freud und Leid. Freut Euch ihr Patienten/innen, der Arzt ist euch ins Bett gelegt: Freud im Geiste und Jung real. Wer hat das gesungen?