Krebs
ist denen, die ihre Krankheiten so lieben, das absolutes Highlight im
Leben, ihr Heil-Land.
Diese Geschichte wird zelebriert wie ein Gottesdienst. Eine Niederschrift
von Leid auf einen Körper, der das nicht braucht. Das zur Krankheit. Zum Götterdienst: der Heiland im Heil-Land war
wahrscheinlich auch bloß ein Mensch, der sich selbst befreit und erlöst
hat. Das war seine zufällige ganz persönliche Offenbarung. Die viel später darüber-
und niedergeschriebene Offenbarung aber, ist das Gegenteil davon. Sie
ist eine Niederschrift von Leid, darin liegt Tod auf Lüge und
Verrat, Strafe und Folter auf Hinrichtung. Für diese Verallgemeinerung und Religion kann
sich jeder selber Worte ausdenken. Ich brauche keine Religion und für
das Bild und die Lüge der obigen reicht mir ein anderes Bild und
Wort: Krebsgeschwür.
[Nervenkrankheit
wäre ein weiteres Wort dafür. Hammirschon]
Die
Behandlung besteht aus Feuer und Gift und Messer und Seelentrost,
also aus Schmerzen und einem sinnlosen Verlangen, also einer
konkreten grob-körperlichen Handlung und der höchsten sublimen
Kunst des bezahlten und hohlen Predigens und schulmedizinischen Heilens.
Die
Werkzeuge und Methoden der Behandlung:
Das
Messer: eine Wunde mit einem Messer geschlossen und einer noch
größeren Wunde darüber - die Operation - Öffnung über Öffnung -
und das Ende kommt schnell.
Das
Feuer: ein Brand wird mit Feuer gelöscht, mit Strahlen, heißem
Licht, manchmal auch nur Fieberhitze - brennendes Fleisch zu
brennendem Fleisch - Asche zu Asche - Staub zu Staub - Blödsinn zu
Blödsinn - und das Ende kommt schneller.
Das
Gift: Drogen wie Gülle, widerlichstes oder teuerstes Giftgebräu,
eingetrichtert - führt den gesunden Körper und Geist hin zu seinen
Dämonen in den Schatten - Essig, Pisse, Wasserfolter und schließlich
Chemo - der Preis der Chemie verrät doch, für wen die Therapie gut
ist - der Therapeut fragt sich bloß, wieviel saugend Gift hält er
aus, der Geld-Spender - und das Ende ist da.
Der
Seelentrost: für die große Lüge, also die Seele, also ein
entleertes Selbst und leeres Begehren, wird einem der Körper
genommen, bzw. wird er von anderen weggeschmissen - was ist das für
ein Handel! Man lässt im Beichtstuhl die Hosen oder das Höschen
runter, geht ins Krankenhaus und reißt sich den Körper auf und
offeriert seine Innereien und bekommt dafür - einen Hinweis, Verweis
auf eine Vorstellung von Liebe und Geborgenheit als Gespenst der
Vergangenheit, Liebe, wie sie draußen vor der Kirche, vor dem
Krankenhaus hätte sein sollen. Im Krankenhaus sind die Gespenster:
die Sterbenden, die Patienten und die Ärzte als Repräsentanten
einer durchsichtigen durchschaubaren substanzlosen scheinbar
menschlichen Zuwendung - ergebt euch also auch noch mit Seele und
Geist - wer das verlor, was ihr verlort, macht wohl nirgends mehr
halt.
Die
Behandlung von Krebs ist absolut gleich im Bild mit der der
Inquisition und Hexen-/Hexerverbrennung des sogenannten späten
Mittelalters, eigentlich der beginnenden Neuzeit.
Ist
die große leere unbestimmte dämliche Schein-Liebe und der
Seelentrost im Krankenhaus heute all die Schmerzen und Wunden, die
Auszehrung und Ausbeutung wert? Wieso treten die Menschen heute zur
peinlichen Befragung und Folter und Verbrennung freiwillig selber an?
Den Menschen, die zum Arzt gehen, wünsche ich eine Gute Reise ins
Nichts.
Gern
seid ihr reif geworden und reif war eure Nahrung und reif ist euer
Fleisch und abgehangen habt ihr lange und seid ihr und faul - und wer
hat euch die Würmer dazu ins Fleisch gesetzt? Ihr hab Euch Leben
gespart und wer erntet das Jetzt? Wer nimmt euch die Kohlen und heizt
euch ein damit? Spart euch das Lachen, ein anderer wird es
verbrauchen.
Krebs
für Mann und Frau ist verschieden. Für die Frau ist das Geschwür
oft der Mann und die Bindung an ihn. Für den Mann ist es die von ihm
selbst gewollte Strafe für die Abwendung von sich hin zur
Menschlichkeit. Gib ihr nach und sei stark? – das geht nicht. Für
den Mann bleibt halt die Therapie oft ein unerträglich schmerzhafter
Aufzeichnungsvorgang. Krebs ist also ein Objekt, das zwischen Mann
und Frau hin- und hergeschoben wird. Meist hat es nur einer im Paar.
Hier
der Ausblick aus dem teuren Krankenzimmer (den Blick vom Kirchturm
spar ich mir, der Turm ist zum Auf-Fliegen für seine Bewohner, die
Gebimmel-Tauben und für alter Krähen Schrein) :
Keiner
muss die todbringenden Gift-Kugeln schlucken, diese
Geilheits-Euronen. Man findet andere lebendige rund-kugelige Körper
der Lust und Wollust auf und zwischen den Sandkörnern an den Stränden
der Welt. Ich würde sie am Strand suchen und sie dort dann bei mir
liegen lassen. Auch die anderen Strahlen dort würde ich finden, die
von der Sonne kommen. Statt des Messers Heil stell ich mich dem
scharfen Wind und einer schneidigen Kälte des Wassers. Glück heilt.
Zorn heilt auch. Hass zerfrisst einen nicht, hasst die richtigen,
hasst eure Ärzte des Körpers und der Seele. Denkt an sie, wenn ihr
euer Geld für euch selbst ausgebt. Dann - vergesst sie. Ich würde
lieber noch am Strand sterben, als im Krankenhaus leben. Und hin zur
roten Sonne, Morgen- oder Abendsonne, gleichviel, die vielleicht alle
und alles heilt, zum Körper der Frau, zum Realen, zum zonenfreien
Eros, zum wirklichen weiblichen Wollust-Körper, der selbst das Heil
ist. Dieses Gestirn braucht keinen Astrologen und Priester, der es an
seiner Stange über den Himmel schiebt. Dieser Körper braucht keinen
Arzt als den Onkel Doktor einer unmündigen Kindheit. So einen
Gefährten braucht niemand. Er, der falsche Gefährte, sie das große
Gefährt. Bitte raus aus dem Sonnen-Wagen, der schon immer weiblich
war. Um 's für den Mann, den ordinären Gefährten verständlich zu
sagen mit einem Bild zu seinem Gefährt am Boden: er greift nach der
Schaltvorrichtung, wo doch die Frau eine Automatik hat. Er zahlt, er
bezahlt und verkauft sie, und sie bezahlt mit der Gesundheit. Sie
kann fliegen, wenn die Richtung stimmt. Sie könnte dann schon auch
mal einen mitnehmen, der sich überraschen und dazu verführen ließe,
wenn es ihn nicht zu sehr mitnimmt. Therapie wie im Flug. Nur wenn
beide sich lassen und sich so voneinander in Liebe lösen, gibt es
Hoffnung auf ein erneutes wunderbares Zu- und Nebeneinander - und ein Ineinander-Ruhen? Bin ich ratlos? In gewisser Weise schon, aber nicht
so, wie ihr meint.