Donnerstag, 20. Dezember 2012

Krebsgeschwüre

Krebs ist denen, die ihre Krankheiten so lieben, das absolutes Highlight im Leben, ihr Heil-Land.

Diese Geschichte wird zelebriert wie ein Gottesdienst. Eine Niederschrift von Leid auf einen Körper, der das nicht braucht. Das zur Krankheit. Zum Götterdienst: der Heiland im Heil-Land war wahrscheinlich auch bloß ein Mensch, der sich selbst befreit und erlöst hat. Das war seine zufällige ganz persönliche Offenbarung. Die viel später darüber- und niedergeschriebene Offenbarung aber, ist das Gegenteil davon. Sie ist eine Niederschrift von Leid, darin liegt Tod auf Lüge und Verrat, Strafe und Folter auf Hinrichtung. Für diese Verallgemeinerung und Religion kann sich jeder selber Worte ausdenken. Ich brauche keine Religion und für das Bild und die Lüge der obigen reicht mir ein anderes Bild und Wort: Krebsgeschwür.

[Nervenkrankheit wäre ein weiteres Wort dafür. Hammirschon]

Die Behandlung besteht aus Feuer und Gift und Messer und Seelentrost, also aus Schmerzen und einem sinnlosen Verlangen, also einer konkreten grob-körperlichen Handlung und der höchsten sublimen Kunst des bezahlten und hohlen Predigens und schulmedizinischen Heilens.

Die Werkzeuge und Methoden der Behandlung:

Das Messer: eine Wunde mit einem Messer geschlossen und einer noch größeren Wunde darüber - die Operation - Öffnung über Öffnung - und das Ende kommt schnell.

Das Feuer: ein Brand wird mit Feuer gelöscht, mit Strahlen, heißem Licht, manchmal auch nur Fieberhitze - brennendes Fleisch zu brennendem Fleisch - Asche zu Asche - Staub zu Staub - Blödsinn zu Blödsinn - und das Ende kommt schneller.

Das Gift: Drogen wie Gülle, widerlichstes oder teuerstes Giftgebräu, eingetrichtert - führt den gesunden Körper und Geist hin zu seinen Dämonen in den Schatten - Essig, Pisse, Wasserfolter und schließlich Chemo - der Preis der Chemie verrät doch, für wen die Therapie gut ist - der Therapeut fragt sich bloß, wieviel saugend Gift hält er aus, der Geld-Spender - und das Ende ist da.

Der Seelentrost: für die große Lüge, also die Seele, also ein entleertes Selbst und leeres Begehren, wird einem der Körper genommen, bzw. wird er von anderen weggeschmissen - was ist das für ein Handel! Man lässt im Beichtstuhl die Hosen oder das Höschen runter, geht ins Krankenhaus und reißt sich den Körper auf und offeriert seine Innereien und bekommt dafür - einen Hinweis, Verweis auf eine Vorstellung von Liebe und Geborgenheit als Gespenst der Vergangenheit, Liebe, wie sie draußen vor der Kirche, vor dem Krankenhaus hätte sein sollen. Im Krankenhaus sind die Gespenster: die Sterbenden, die Patienten und die Ärzte als Repräsentanten einer durchsichtigen durchschaubaren substanzlosen scheinbar menschlichen Zuwendung - ergebt euch also auch noch mit Seele und Geist - wer das verlor, was ihr verlort, macht wohl nirgends mehr halt.

Die Behandlung von Krebs ist absolut gleich im Bild mit der der Inquisition und Hexen-/Hexerverbrennung des sogenannten späten Mittelalters, eigentlich der beginnenden Neuzeit.

Ist die große leere unbestimmte dämliche Schein-Liebe und der Seelentrost im Krankenhaus heute all die Schmerzen und Wunden, die Auszehrung und Ausbeutung wert? Wieso treten die Menschen heute zur peinlichen Befragung und Folter und Verbrennung freiwillig selber an? Den Menschen, die zum Arzt gehen, wünsche ich eine Gute Reise ins Nichts.

Gern seid ihr reif geworden und reif war eure Nahrung und reif ist euer Fleisch und abgehangen habt ihr lange und seid ihr und faul - und wer hat euch die Würmer dazu ins Fleisch gesetzt? Ihr hab Euch Leben gespart und wer erntet das Jetzt? Wer nimmt euch die Kohlen und heizt euch ein damit? Spart euch das Lachen, ein anderer wird es verbrauchen.

Krebs für Mann und Frau ist verschieden. Für die Frau ist das Geschwür oft der Mann und die Bindung an ihn. Für den Mann ist es die von ihm selbst gewollte Strafe für die Abwendung von sich hin zur Menschlichkeit. Gib ihr nach und sei stark? – das geht nicht. Für den Mann bleibt halt die Therapie oft ein unerträglich schmerzhafter Aufzeichnungsvorgang. Krebs ist also ein Objekt, das zwischen Mann und Frau hin- und hergeschoben wird. Meist hat es nur einer im Paar.

Hier der Ausblick aus dem teuren Krankenzimmer (den Blick vom Kirchturm spar ich mir, der Turm ist zum Auf-Fliegen für seine Bewohner, die Gebimmel-Tauben und für alter Krähen Schrein) :

Keiner muss die todbringenden Gift-Kugeln schlucken, diese Geilheits-Euronen. Man findet andere lebendige rund-kugelige Körper der Lust und Wollust auf und zwischen den Sandkörnern an den Stränden der Welt. Ich würde sie am Strand suchen und sie dort dann bei mir liegen lassen. Auch die anderen Strahlen dort würde ich finden, die von der Sonne kommen. Statt des Messers Heil stell ich mich dem scharfen Wind und einer schneidigen Kälte des Wassers. Glück heilt. Zorn heilt auch. Hass zerfrisst einen nicht, hasst die richtigen, hasst eure Ärzte des Körpers und der Seele. Denkt an sie, wenn ihr euer Geld für euch selbst ausgebt. Dann - vergesst sie. Ich würde lieber noch am Strand sterben, als im Krankenhaus leben. Und hin zur roten Sonne, Morgen- oder Abendsonne, gleichviel, die vielleicht alle und alles heilt, zum Körper der Frau, zum Realen, zum zonenfreien Eros, zum wirklichen weiblichen Wollust-Körper, der selbst das Heil ist. Dieses Gestirn braucht keinen Astrologen und Priester, der es an seiner Stange über den Himmel schiebt. Dieser Körper braucht keinen Arzt als den Onkel Doktor einer unmündigen Kindheit. So einen Gefährten braucht niemand. Er, der falsche Gefährte, sie das große Gefährt. Bitte raus aus dem Sonnen-Wagen, der schon immer weiblich war. Um 's für den Mann, den ordinären Gefährten verständlich zu sagen mit einem Bild zu seinem Gefährt am Boden: er greift nach der Schaltvorrichtung, wo doch die Frau eine Automatik hat. Er zahlt, er bezahlt und verkauft sie, und sie bezahlt mit der Gesundheit. Sie kann fliegen, wenn die Richtung stimmt. Sie könnte dann schon auch mal einen mitnehmen, der sich überraschen und dazu verführen ließe, wenn es ihn nicht zu sehr mitnimmt. Therapie wie im Flug. Nur wenn beide sich lassen und sich so voneinander in Liebe lösen, gibt es Hoffnung auf ein erneutes wunderbares Zu- und Nebeneinander - und ein Ineinander-Ruhen? Bin ich ratlos? In gewisser Weise schon, aber nicht so, wie ihr meint.