Sonntag, 2. Dezember 2012

Gedankengefüge - Gedankenflüge

Die Geburt in der Trance

Jede intuitive Gedankenflug ist die Wiederholung des Geburtsvorgans, es ist eine Wiedergeburt, ein neuer Ein-Fall des Geistes ins Fleisch. Fleisch bist du und zu Fleisch wirst du wieder werden. Also wirst Du weg gestoßen mit den Worten 'Nimm mich'. Nam = begrüßen, sich verbeugen (Sanskrit) und entspricht dem 'mich' und Dam = zähmen, beherrschen, kontrollieren entspricht dem 'nimm'. Das lateinische Wort ego zerfällt auch in zwei Teile, die bedeuten e = Nam und go = Dam. Auch hier muss im Wortsinnablauf eine Drehung vorgenommen werden: wörtlich würde ich e-go umsprechen zu 'heraus aus dem Loch'. Wobei nun go das verlorene Loch, also das Selbst ist und e das Ich, die Sprache und der Schrei nach Hilfe, nach dem Andern an sich.

Jede Geburt ist, aus welchen Gründen auch immer, stets nur ein erneutes Bei-Dir-Sein. Sei es, dass Informationen über ein einfaches Ich-Sein und Selbst-Sein dem Menschen angeboren und einprogrammiert sind, sei es, dass etwas, wie eine Seele, die beides mit sich schleppt, bei der Geburt in uns eintritt. Ich tendiere zur Annahme einer genetisch fixierten Möglichkeit, die bei der Geburt angesprochen wird. Wobei die Festlegung in den Genen wiederum sehr rätselhaft ist.

Es bleibt aber den Menschen für immer erhalten, dass er in Bezug auf einen andern Menschen denkt 'ich bin aus dir'. Das ist der Grund der Liebe. Und wenn Liebe soweit geht, dass man des andern Scheiße frisst und Pisse säuft und sich in dessen Blut wälzt, so ist man damit der Wahrheit des Ganzen sehr nahe, also wieder bei der Geburt angelangt, bei der man von der Welt ja wirklich als erstes nichts als diese drei Grundstoffe kennenlernt. Diese Dinge werden dem Menschen nie mehr bewusst, sondern bleiben für immer verworfen und werden nur in Taten zwanghaft wiederholt.

Was ins Bewußtsein eindringen kann, ist auch nicht das Wissen um den Vorgang der Geburt, sondern in es dringt ein als Fremdkörper eine bereinigte und grundlegend veränderte Erfahrung. Das ist die oben im ersten Absatz geschriebene Umstellung der Begriffe und Bedeutungen. Nach der Geburt des Menschen, also dem Herausfallen ins beschissene Sein, passiert folgendes: das Kind macht den ersten Atemzug, die Nabelschnur wird durchschnitten, der Körper des Kindes wird mit Wasser gereinigt, das Kind wird bedeckt und dem Körper der Mutter neu übergeben. Der erste Atemzug ist auch das erste Erschrecken, und darum ist das OM auch nach innen geatmet zu sprechen (Tarthang Tulku sagt das ausdrücklich). Wenn das OM in die andere Richtung gesprochen wird, dann sind das bildlich gezeichnet die in die Fresse des Kindes gepressten Titten der Mutter. Das ausgesprochene OM ist falsch, es ist nur das bequeme sich Ergeben in einen müden Nachklang des wahren. Was erst körperlich war, wird durch die Reinigung begrifflich: das Unterbewusste bleibt zurück und ein erstes Bewußtsein taucht auf. Die absolut unnötige Beschneidung ist nur eine Wiederholung der Abnabelung, des Abreißens der ersten Verbindung zum Mutterkörper. Er wird der Reinigung beigeordnet als die Lüge der Lügen. Die Beschneidung bezweckt nur eines, einen Begriff über die Verdrängung zu stellen und deren absolute Wahrheit gewaltsam zu behaupten. Der Schwanz wird zur göttlichen Verbindung nach oben und aus unserer etwas anderer Sicht: zur für immer und gottverdammten abgerissenen Nabelschnur. Zurück zum einfach nur an sich entstellten und einfach gereinigten Körper. Der Mensch wird nach der großen Verzweiflung, die ins Vergessen fällt, so wie er herausgefallen ist aus einem andern, einem großen Verlangen übergeben, dem ewigen unbestimmten Verlangen nach DIR, der unbedingten großen Liebe. Wohingegen der blutig dem Mutterblut verhaftete Geschwanzpeingte im selben Moment zum potentiellen Vergewaltiger umprogrammiert wird: das ist der Zweck der Beschneidung. Aber zurück zum einfach und mit Liebe gereinigten Kinder-Körper: er wird genommen, bedeckt und der Mutter auf den Bauch gelegt und kann Nahrung aufnehmen: es ist die erste Kommunikation mit der Welt in einer Kommunion von Zwei. Die erste Entstellung war die der Geburt, die zweite Entstellung ist die der empfangenen Liebe und eines ersten Begehrens. Für die Psychoanalyse ist diese zweite Entstellung die Wahrheit und das Ziel der Regression. Das ist falsch. In den Träumen und Fehlleistungen, die analysiert werden, findet sich eine Wiederkehr der ersten Entstellung, die überhaupt nicht analysiert und gedeutet werden muss. Jeder Traum ist nur eine bildhafte simple Darstellung des Herausfallens in die Scheiße. Zurück zur Reinigung nach der Geburt also zur ersten Taufe. Es gibt Wörter, die nicht weiter auf irgendeinen Sinn zurückgeführt werden können, Urwörter des Unsinns, des einen Sinns der ersten Einheit mit dem mütterlichen Körper nach der Reinigung, Urbegriffe, e-go und Nam-Dam. Mani-Patme sind bereits die umgewandelten neuen Begriffe des Bewusstseins. Es ist ein Gegensinn dieser Urwörter im Körper/Gehirn festgeschrieben (bzw. einer zugeflogenen Seele geschuldet). Das Kind denkt nicht 'nimm mich', aber im Verlangen und der ersten Äußerung von Liebe und Hinwendung, die es empfindet, sind die beiden Worte schon verdichtet da und noch erahnbar ist der Gegensinn in einem 'nimm' als Selbst und einem 'mich' als schon agierenden ich.
Die Silben im und mi sind nicht zufällig Spiegelungen. Wie weit geht denn dann der Flug der Heiligkeit in der Trance? Ich meine, dass es tendenziell ein Sturz ist durch alle Ebenen bis in die absolute Scheiße und Erkenntnis Gottes darin. Das HUM ist daher nicht nur die höhere Wiederkehr der wunden Stelle am Bauch und das Saugen an der Mutterbrust und das Zurückschlagen der Zunge zum Gaumen, was den Yogi auch dorthin führen soll, sondern es ist auch die noch über jede Askese und jedes Bemühen um Vereinigung mit dem Göttlichen stehende Wiederkehr der Scheiße, der Pisse und des Bluts in einem absoluten physischen Nichts.


Nachsatz für Humorige: das alles bleibt an einem hängen, wenn man sich ein Nabel-Rohr schnitzen lässt: Warum denn stecken die Geschwanzpeinigten ihre Weibchen in einen Sack? Weil ihr Begehren gar nicht zum Weibchen will. Oder – damit es nicht von den kleinen Mädchen weg-gelenkt wird? Oder – weil ein alter Sack so gern zu einer jungen hübschen Frau passen möchte? Und - darum nimmt sie endlich auch noch ihren Sabber-Bart für ihn ab.