Was will ich eigentlich?
Was sollte ich von einem Leser wollen? Nichts. Er geht mich überhaupt nichts an. Ich suche im Netz nichts.
Ich suche nur Datenspeicher – mehr ist mein Blog nicht für mich –
für einen Gedanken ab und zu, der mir für mich nötig scheint.
Was bin ich?
Ich muss mich ja nicht fragen, w e r ich bin. Auf die Frage wer bin ich, kommt doch immer nur die gleiche
Antwort: irgendeiner, mit irgendwelchen Eigenschaften, Gesicht mit
Nase, Körper mit T-shirt, Jeans usw. usw. Ich bin also nur ein etwas: unter
allem, was einen Menschen ausmacht, bin ich wie andere auch wieder:
eine reine Oberfläche. Wer?: ist also das Kleid – brauch ich nicht
– und was?: ist meine Seele. Ich brauch meine Seele, andere halt mehr Ihr
Gewand und Kleid als Halt.
Was hätte ich gern?
Was braucht eine leere Seele oder was
braucht der Spiegel. Bestimmt niemanden besonderen, der sich in ihm spiegelt.
Diese simple Wirklichkeit ist ihm egal. Alles vor dem Spiegel ist
simpel. Darum kann das menschliche Gehirn auch damit rechnen. Rechnen
ist oberflächliches Abarbeiten der Wirklichkeit. Der Spiegel aber
will einen Spiegel, das ist sein großes Sehnen, endloses und langes und weites Widerspiegeln.
Bin ich ein Autist?
Nein. Vielleicht. Ich hab das Gefühl, das
ich mit ihnen kommunizieren kann. Ich kann ihnen das i c h sein. Ich kann
ihr selbst in mich hereinnehmen. Sie verstärken mein Gefühl der
Körperlichkeit der Erfahrung der Welt.
Woran leide ich?
Leide ich, weil ich um Hilfe schrei'?
Nein, ich leide - weniger intensiv als andere Menschen – weil ich Schreie hör und anderer Schreie spür' und eine Vorstellung des Leids bekomme und ein
Abbild davon auf mir produzieren muss, jedenfalls kann, wenn ich
will. Ich leide also willentlich und schrei' die Schreie anderer aus
mir heraus, vergleichbar ist das aber eher einem Gesang als einem
schmerzvollen Gebrüll.
Wo bin ich?
Ich bin nicht in der Tiefe von
irgendwas. Ich bin oberflächlich. Ich bin Oberfläche. Das Netz ist
für mich wie perfekt gemacht, geschneidert und angepasst. Oberfläche
kleidet mich optimal, wie meine ärmliche Kleidung. Oberfläche, meine Oberfläche, kann man zerlegen, zerreißen, neu
verknüpfen. Nie ändert sie sich wirklich.
Lebe ich?
Ich esse, trinke, schlafe. Das braucht
mein Körper. Der Rest ist weniger wichtig, aber auch da.
Was ist
Lebensenergie?
Keine Ahnung. Niemand weiß das.
Gott?
Gibt es. Wird von vielen deutlich
gesehen. Von den Kranken, den Verletzten, den Geschwächten, den
Beleidigten, den Versehrten, von all denen, denen er von Körper und
Seele was genommen oder nie gegeben hat. Er selbst ist ihre Krankheit. Er ist – und
das sagen doch deutlich seine Knechte stets – das große Übel
dieser Welt. Unser Übel-Ich.
Der Schöpfer:
Im Verhältnis zu ihm ist Gott klein.
Denn der Schöpfer ist Alles. Er ist sozusagen der große Maler, der
dieses Bild, das wir und alles sind, gemalt hat. Es gibt natürlich
eine Beziehung von Gott und Schöpfer. Gott ist ein Fremdkörper in
der Welt des Schöpfers. Der Schöpfer ist vergleichbar mit einem
Spieler, der in seiner Spielfigur (Avatar oder auch Packman) sich von Gott
und seinen Gespenstern verfolgen lässt. Gott ist im Spiel, der
Schöpfer draußen, beziehungsweise – eben der Schöpfer des
Spiels.
Was ist der Mensch für den Gott?
Für Gott ist der Mensch nur ein
dreckiges, primitives, widerliches Werkzeug. Und er ist Nahrung für ihn. Er liebt es, wenn
sie sich vermehren und er frisst sie gern in Massen – auch seine
willigsten Diener und vor alle sie. Ihre Euphorie macht sie anscheinend besonders
schmackhaft.
Was ist der Mensch für den Schöpfer?
Der Mensch ist dem Schöpfer ein
Versteck, durch das er huscht in der Welt. Dem Menschen vergleichbare Wesen sind
auf das ganze Universum verteilt. Der Mensch ist nicht einzigartig –
er kann nur nicht weit genug über die blaue Kugel hinausschauen.
Mehr ist vom Schöpfer für mich nicht zu erkennen, als dieses
Durchhuschen. Noch nicht mal einen Schatten zieht er nach sich.
Was ist der Sinn des Lebens?
Die Frage hab ich jetzt nur
hingeschrieben, weil ich mal eine Pause brauch' und Lachen sehr
entspannt? Diese Frage ist die absolute und die absolut
lächerlichste. Jede beliebige Antwort ist eine Antwort darauf. Eine
Frage ist halt manchmal eine Antwort auf – ein Fragezeichen.
Was ist das Leben?
Schon wieder die Frage. Das Leben ist.
Die Schöpfung ist. Ich esse, also leb ich. Leben ist leider so wenig
erklärbar, wie die Schöpfung.
Was ist die Seele?
Die Seele ist am ehesten unser Sprachselbst. Durch
es und mit ihm tritt der Schöpfer in uns ein, ohne jede für uns
begreifbare Dauer, zu kurz um es mit irgendeiner Uhr messen zu
können. Er fällt mit uns als Körnchen nur durch eine Sanduhr. Es oder er oder was auch immer ist dann die unfassbare
Kreativität. Alles, was beseelt ist im Universum, ist kreativ.
Was ist das Selbst?
Ein toter Stein vor dem Spiegel.
Besitz. Reichtum. Macht. Schwachsinn halt. Das Selbst erkennt sich
nicht im Spiegel, es staunt nicht über sich, es richtet bloß, und
richtet sich zurecht. Jeder ist auch Stein, tot, und darf auch mal in
sich versinken – und wird es irgendwann für immer tun. Übrigens: der Autist versinkt nicht im Spiegel, er schaut gar nicht rein, er ist ja Spiegel, das wär' ihm wohl etwas zu viel.
Gibt es ein Jenseits?
Ganz sicher. Aber nicht für uns. Wir
sind nur Pinselstrich. Aber, da der Schöpfer uns berührt hat und wieder berührt, geht etwas, das auch uns zu gehören scheint, mit ihm und
bleibt. Dass es und er bleibt, ist das Maximum, was wir vom Jenseits
erkennen können. Der Körper vergeht, die Erinnerungen vergehen, das
Gesicht vergeht, das zufällig Gute vergeht, das zufällig Schlechte vergeht. Nur er
bleibt – wahrscheinlich.
Gibt es die Liebe?
Ja - hat auch schon einer gesagt, von
dem keiner etwas weiß. Er hat es nämlich nicht aufgeschrieben. Die
Liebe gibt es nur vielleicht. Zwei müssen es bedingungslos wollen
und halten. Wo gibt’s denn sowas. Manchmal seh' ich die zwei. Es sind
immer alte Menschen, die sich an der Hand halten. Ich hab dann den
Verdacht, dass das zwei Autisten sind. Manchmal sind es auch zwei
Kinder. Ich weiß es halt nicht. Muss hier ein großes Fragezeichen
hinhängen.
Ich
möchte keinen verletzen
möchte niemandem etwas sagen
möchte keine, keine Antwort – alles
ist Antwort
Natürlich möchte ich Antworten.
Ich bin kein Ungeheuer, weil es keine
gibt – wenn man das oben als Gott beschriebene meidet. Nur jener
Gott ist verantwortlich für das Gute und Böse. Und er wird umso
schwächer und kleiner, je mehr man ihn ignoriert. Er muss also nur
vergessen werden? Vielleicht. Mein Hoffen.
Ich in mir möchte: gelegentlich mal einen
anderen Menschen mit den Fingerspitzen berühren dürfen, am liebsten
einen Autisten. Ich bin ein Mann. Einen weiblichen Autisten, der auch
noch ich und bin sagen kann, hab ich noch nicht kennengelernt. Andere Menschen berühr ich natürlich täglich. Ich kann auch normal reden.
Beinah hätt' ich was vergessen:
Es regnet manchmal Zufälle, sie fliegen durch Nacht und Raum und die Luft wie tausend
Leuchtwürmchen, ein Lichtlein-Gestöber. Die kommen vom Schöpfer, 's sind gleichsam die
Pinselspritzer, die 's beim Malen halt mal gibt. Im Bild, in dem wir
nun mal sind, gibt es halt nicht wirklich Zeit und Raum. Wir
verstehen es bloß nicht. Aber auf die Zeichen sollten wir schau'n. Es
sind keine göttlichen Schwachsinns-Wunder. Es ist der einzige wahre Reichtum, den
es für mich gibt, und er ist flüchtig und doch immer da. Es tut nur
gut. ER ist nicht das blaue Wunder.
Zeichen kommen und gehen: sie sind immer da, wie zum Beispiel die Blumen, auf die wir jetzt schon zulaufen im nächsten Frühjahr. Sie warten schon. Sie warten auf Dich. Die schönsten von Ihnen sind dann Zeichen. Eins ist auch für mich. Aber eigentlich bedeutet es nichts.
Nochwas: Was wünsch ich mir?
Von den meisten Menschen nur eins:
ein freundliches
"war nett mit Dir,
aber jetzt geh, Adieu!"
Menschen strengen mich oft sehr an. Ich ermüde dann. Der Autist bricht sich Bahn.
Nochwas: natürlich gibt es noch mehr Wünsche. Die heb' ich mir auf für einen besonderen Feiertag, den ich mir vorher schenken muss, den ich erfinden muss. Und wofür ich immer dankbar bin: für Nachsicht und Hinweise auf Schreibfehler.