Mittwoch, 28. November 2012

PADME - LEBEN - SINN

OM
MANI/PADME
HUM
muss verkehrt he-r-UM
gelesen werden, Herr UM
Auf den Tafeln des Herrn
stand nur das Alphabet
genauer nur: OM zeugt HUM
daraus wird nun:
HUM kommt aus OM
OM hat beides
O den Klang
M den Verschluss
Gott lügt uns an:
"UM war mein Name
UM der Anfang
UM war mein Sinn"
wahr doch ist darin:
UM war der Buchstabe
der Buchstaben
und heißt nicht
'Hört!', sondern
'Schaut!' Gottes Wort
OM wurde eingeatmet
UM wieder ausgespien
OM war das 'hört'
HUM war nur 'schaut'
'schaut auf die Zeichen'
'Seht':
Aus Gottes Mund - fallen wie Klänge
nur Körner vom Himmel als Manna und
Gottes Stimme kann Mann/UM essen
Aus Gottes Taschen fallen die Löcher
die ersten Zeichen der Großen Schrift
Sinn daraus macht um-gemünzter
Klang-Sinn:

„Om ist der Laut
Hum der Schlag, dam
Om damaru
Hum: Stock und Hand
nur dazu
Mani bin ich
OM -- Padme bist Du -- HUM
Padme das Blatt
Ich Strich und Ruh'
Ich toter Stein
HUM
ohne die Liebe dazu
OM
OM nimm mich auf
UM tritt lebendig
aus ihr heraus
Padme - Erglühn
Mani - bin Dein
Schmetterlings-Blumen-Verblüh'n"

OM
OM ist so, wie es erklingen muss, ein ganz leicht allgemein und überall jedem Menschen verständlicher Laut. Er ist nicht Inhalt eines geheimnisvollen Geschwafels. Er wird auf keinen Fall wie die ersten zwei Buchstaben von Oma oder von 'O mein Gott'  ausgesprochen. Dann wäre es für die meisten, wahrscheinlich für alle Menschen ja nur eine beliebige und sinnlose Buchstabenkombination. Das ist es nicht. Es wird  g a r  nicht ausgesprochen. Es ist nicht Sprache, nicht besondere Sprache. Es muss nicht übersetzt werden. Es ist nicht laut. Es ist ein besonderer Laut. Es ist ein ungewöhnlich menschlicher Laut. Es ist der Laut des Erschreckens, eines plötzlichen wortlosen Staunens gegenüber einem ganz ohne Vorzeichen, wie unerwartet aus dem Nichts vor die Sinne hingestellten hingefallenen unheimlichen Wesen, das mit seiner eigenen bewussten Wahrnehmung meiner voraus zu sein scheint und dadurch mein Bewußtsein auch kurz vereinnahmen kann. Es überrascht mich. Ich überlass mich ihm. Ich bin dieses andere Bewusstsein. Es, das OM, wird nicht herausgehustet. Es nimmt die Luft nach innen mit. Der Ton tritt gegen den Luftstrom an. Es signalisiert Sprachlosigkeit, es ist, wenn es absichtlich und konzentriert angewendet wird, der Rückzug aus dem Sprachraum, und damit der Rückzug aus dem bewussten Sein des Ich, wird bewusstes Anders-Sein und das Loslassen der alltäglichen Wirklichkeit. Es verschließt auch mit dem M am Ende die Lippen, das Sprachorgan selbst. Es ist das überraschte Subjekt, das vom Andern aus, der man im Schrecken wird, überwunden werden kann, es ist der Beginn der Selbstüberwindung. Es bereitet vor auf eine neue innere Kraft. Es ist ein großer Sinn- und Sinne-Knoten.

Diesen Knoten aufnehmen und lösen, die Sinne dabei zusammenhalten und in Einem neu ausrichten kann nur jemand in einem Zustand absoluten Gelöst- und Glücklich-Seins, in bedingungsloser Hingabe, selbstloser Liebe, die nicht auf Lohn aus ist und auf Erfüllung im Materiellen und zu materiellen Dingen hingerichtet, die nicht und Nichts fordert, sondern nur gibt, nicht verifizierbar, bewiesen sein muss, eine wunderbare Illusion, der vertraut wird, ein Traum, der jede Wirklichkeit überholt, dies ist das
MANI-PADME
ein Gefühl von Hülle, und von Kern zugleich, das Sandkorn auf einer Daumenkuppe, hingehalten dem Zeigefinger, der schwebende Stein vor der Hand, die Erde, die Sonne, der Mond, eine Körperlichkeit, die jenseits jeden Sinneseindrucks ist. MANI ist eine Kraft, die diese Bewegung aufnimmt und verstärkt, die das OM hält und zu sich hinzieht. Es ist der Verweis auf die Sinne selbst, jenseits des von ihnen, den Sinnen sonst nur so einfach Wahrgenommenen. Mit dem OM begann die Versenkung des Ich. MANI war dann ein Punkt, in der Bewegung ein dünner Strich, der nach einem Rückzug der Sinne in OM aus der Welt, sie nach innen umwendet und vereint zu einem einzigen Sinn, dem neuen Sinn der Körpers, zu einem einzigen Objekt unbestimmbarer Größe, das in einem und außer einem sein kann und das Bewußtsein ganz ein- und aufnehmen kann: Padme, die Hülle, es ist der eine letzte Sinn und die gemeinsame Kraft aller Sinne. Es ist Stillstand der Zeit, absolut leere Hülle im Raum. Padme, mein Herz, mein Sein und mein Sinn.

Hum ist zweierlei: es ist Aufgabe des Bewusstseins, aber auch fassbarer Begriff des Selbsts im Sein. Es ist Verlust der Selbstkontrolle wie Befreiung der Seele vom Zwang des Sinns, tiefe Trance, unbewusster Trauergesang, Vergehen des Ich, aber auch Opfer des Selbst, es ist die Hingabe des Geistes ans Nichts, der Untergang von Wort und Sinn, aber auch das Erscheinen des Geists in der Welt. Hum ist ein altes Wort für Schrift.
HUM ist der Stein, auf dem die Runen ruh'n.
HUM is das Zeichen der Stille im Nun.
HUM