Dienstag, 20. November 2012

Vom Tier zum Ungetier

Wie ich gerade beim Blick ins Eck zwischen einem Regal und der Wand in meinem Zimmerloch feststellen durfte, schlafe ich mit einer großen feingliedrigen Spinne in unmittelbarer Nähe meines Kopfes. Ich bin ein Bodenschläfer. Ich habe eine Spinnenphobie. Ich bin todmüde. Wovon lebt die Spinne, wo ist sie hergekommen? Was ist, wenn ich schlafe? Ich würde gerne von ihr träumen. Irgendwann schau ich wieder nach ihr. Hoffentlich spinnt sie dann noch.

Noch nie hab ich ein richtiges und märchenhaftes Monster getroffen und noch nie den Teufel selbst. Die einen such ich stets, den andern ruf ich immer wieder. Vermutlich hatten die schon immer Angst vor mir: Grund 1 fürs Wegbleiben. Oder Grund 2: ich bin ein Lügner und ich bin es selbst,

das Böse, Schlechte,
unendlich Ungerechte.
Der Wahrheit kommt Grund 2
recht nah. Wie dem auch sei:

es ist für mich einer, der Aliens und selbstbewusste Krokodile in unserer Welt – oder auch hinter ihr - sieht, ein Brüller, bzw. könnte ich da vielleicht auch mal ganz herzlich lachen, lachen. Aber ich bin ein Lachen-Sparer.

Also ich lach nicht.
Ich fordere nur Belege, Beweise
und nicht bloß den Bericht
und eine reine Gedankenreise
hin zu geträumten Orten
in Bildern, Worten.

Im ernst nun: der Mensch (beginnend im Mutterleib bis hin zur Pubertät) entwickelt sich in Stufen und Sprüngen, und jeder Wechsel auf eine neue Stufe nimmt in veränderter und schön verdrehter, verschobener Form etwas von der alten mit. Die Idee von der Wiedergeburt ist auch nur ein Nachklang dieser Entwicklung und Erfahrungen. Die Neu- und Wiedergeburt lese ich übrigens in den meisten übergroßen Büchern dazu als ziemlich unpersönlich, unbestimmt, undefinierbar und für die meisten somit sehr uninteressant. Aber ich glaub schon mal an irgendwelche Wiedergeburten. Der Glaube lässt sich auch erweitern. Doch nie zur Überzeugung hin. Das wär' nicht meins.

Die Seelen, die da wandern oder
sich nach dem Tod ein einzig's Mal erheben,
sind bleich und eine ist der andern
völlig gleich, nicht groß, nicht klein,
nicht hart, nicht weich noch
dürfen sie und müssen sie auch sein,
nur einfach - ohne alles - ohne Leben:
wie ein Loch im Loch.

Man sieht, ich bin mit dem Nachdenken dazu noch nicht fertig. Weiter: nun stammt die absolute, nicht kontrollierbare Triebhaftigkeit des Menschen (und die gibt es beim Tier nicht - man würde damit sogar den Krokodilen unrecht tun) in gewisser Weise aus der Zeit vor der Geburt, ist also irgendwie der Zeit des Aufenthalts im Mutterleib zuzurechnen. Die Schwangerschaft ist nicht nur ein paar Monate über die Geburt des Kindes hinaus verlängert in einen sehr unfertigen und schutzbedürftigen Leib hinein, sondern auch an sich und erweitert in die andere Richtung und die Reife der Sinne deutlich hineingezogen in den kleinen Leib und der Mutter großen Bauch und glatt gespannter nackter Körperkugelhaut. Da steckt noch mehr drin, zu dem ich hier und jetzt nichts sage. [Ganz bestimmt sind keine Krokodile drin, denn die gehören nicht zu unser'n Vorfahr'n] Irgendwie bleibt uns eine daraus sich ergebende absolute Geborgenheit und Zufriedenheit und Freiheit nach den weiteren Sprüngen im Leben als absolute Zwanghaftigkeit und unersättliches unkontrollierbares Verlangen erhalten.

Man unterscheide - vielleicht:

Ist der Mensch eine Frühgeburt, dann verstärkt sich das Verlangen, es erhöht sich selbst zur göttlichen Bestimmung und – er, der Mensch, betritt mal gern erhöht die Bühne der Gewissenlosigkeit, der Schamlosigkeit und Überheblichkeit im dazu passenden gewaltigen Gewand und - Verbrechen. Je schlimmer der Teufel, desto größer der Prunk, scheint mir. Naja, nicht jeder auf der Bühne ist ein Krimineller. Aber von vielen weiß man die Untaten des Größenwahns auch nicht. Die Kollegen in der Branche wissen 's oft.

Ist der Mensch eine Spätgeburt, und war also dem Leib der Mutter viel zu lang verbunden, so leidet er mal gern am Trieb, verkleinert und untersucht ihn

und erkennt ihn scheinbar irgendwie
und legt ihn ab in einer mehr oder auch weniger
hübschen und/oder widerlichen Prophetie.

Einschub und Ergänzung: hierhin zur Spätgeburt gehört auch jeder Analytiker, Gedankenleser, Autist, der Dichter, der Projektionsfläche nur ist, nichts eigenes besitzt und haben will, ganz Oberfläche sein muss, die sich ihm hilflos weitet, und der sich sehnt nach Sinn, nach Wünschen und Gedanken, die nie so ganz allein aus ihm selbst kommen können. Er hat die alte Hülle mitgenommen und hätte so gerne einen Kern. Er hätt' ihn auch unmenschlich gern. Er ist es oft nur selber und leidet d'ran. Er verliert sich ganz im Nichts und er hat dazu - Platz-Angst, Angst mit und ohne Platz und Angst vor 'm Platzen.

Das alles ist dem Bewusstsein wie so vieles, das der Mensch auf seinem Weg von einer ersten fremden Ejakulation zur eignen ersten zurücklässt und überwindet, verborgen, dunkel.

Und Frau? Wie immer:
"Wir nehmen das nicht so genau
Der Leib von Weib zu Weib ist eins
Er hat die Fehler nicht,
von denen man(n) hier spricht."

Oh wie so schön, dass Frau vom Mann dann doch noch eine Seele kriegt geschenkt, versteckt, an eine Rippe hingehängt zum Beispiel oder auch in Gestalt eines von ihm - dem Männchen - mit Nachsicht und in Gnade erlaubten,


von Liebe überschwemmten Kopfgefühls
als simpels Beiwerk männlichen Kalküls.
Und also ist mein Reden rätselhaft und dicht?
Was hilft so schwer den Dingen nur heraus ans Licht?
Und zieht es aus dem Dunkel?
Die Liebe ist es, Wissen leider nicht.

Und jetzt zu den Reps und Kopros oder Krokos. Der Prediger der Reps ist deutlich schwanger. Das ist gut sichtbar und - eine Metapher. Zum Frühgeborenen gehört nun mal gelegentlich die Fresssucht und diese setzt ein Zeichen, riesig und weich ist es und fett, ganz ohnegleichen. Schwanger mit einem Krokodil heißt nun, dass er zu diesem großen Zwang und stark geweitetem Verlangen mit bewusstem Willen, Tun (und natürlich falschem beschönigendem Begriff und Selbstverstand) steht, und es bedeutet, dass er gefährlich ist. Und er ist sehr gefährlich. Wie jeder Prediger mal seine blöden Schäfchen, die schwachen Kindchen, und jeden, der sich eine Blöße gibt, weil er 's so liebt,  mit sich ins Bettchen nimmt. Für manchen der Kleinen wird’s das Sterbebett, und nichts sonst an sich sonst ist ja unser Bett, ich meide es [unsere Kreuzschmerzen zeugen davon, dass man damit zur Hölle fahren kann, denkt hier der Bodenschläfer] Und jeder im Auditorium tut ja nichts anderes, als sich vor ihm – dem ach so Weisen - zu entblößen und entblöden. Und nur darum hat er sich auf die Bühne begöben. Er, der große Prediger, ist das einzige existierende reptiloide Wesen und er hat seine Opfer - hinter der Bühne. Ich hört' ihn kreißen.

Nochmal: der Prediger der Reps ist also deutlich schwanger. Das ist also nun mehr als nur eine Metapher. Der Mann hat einen deutlich sichtbar gewölbten Bauch. Und darin befindet sich entweder ein Mensch, den er mal eben vor dem Auftritt auf die Bühne hat verspeist, oder - und das ist meins - ein Krokodil. Und wenn 's ein Krokodil ist, dann hat er 's aber nicht gefressen,

sondern es hat den Hintereingang genommen und ist
gegen den Gang der Natur zu ihm gekommen.

Freilich gibt es noch viele andere Monster unter den Menschen. Es gibt so viele verschiedene Monsterwesen wie es gefährliche Menschen, genauer: Männer in diesem Sinne gibt. Im Mutterleib warten viele Geheimnisse - dieser Männer.

Noch was zu schon recht alten und jungen Krokodilen und zum DMT: nachdem es im Buch dazu an Rickschlüssen mangelt. Einer der Probanten wurde während seines Trips von schwulen Krokodilen vergewaltigt (steht so im Zauber-Buch über die Wunderdroge). Er war erschüttert  – und nicht nur er, der Meister auch - und fürderhin  - wurde er ausgeschlossen vom Projekt. Zurecht, denn der eine, der Prediger, brauchte nicht n o c h  einen Verrickten. Wär' ich ein Heger, würd ich mir Sorgen machen und würd' als Jäger mich kümmern – es wären meine Sachen - , bevor dem jungen Aufsehen-Erreger des Labors die Welt in Trümmern fällt. Gab es denn für den armen Jungen - Teufel - keinen Therapeuten? Sie haben ihn so einfach weggeschickt, und sind die Verantwortung bis heut nicht los. Wer weiß, vielleicht hat er euch eine Spur gelegt.

Nochmals zur Körperlichkeit, die so gewaltig sein kann: sie gehört wie die Mütterlichkeit zur Spätgeburt. Der Mensch erinnert sich natürlich selbst nicht dran, aber die Eltern: die Mutter an die Schmerzen der Geburt des Riesen und alle an die schnelle Reifung, zu schnell, zu klug war's für ein Kind und dann plötzlich verstummt, versagt. So geht’s gelegentlich, also sprach der Autist.

Noch mal zu den Frauen: es gibt die Opfer bei dem Spiel, die Kindlichen, die Brechsüchtigen, die gebrochen sein wollen und es gibt die Vollen, die Mütterlichen, die von Natur aus erdig sind, mit Erde behaftet, der Erde verhaftet. Die einen unterwerfen sich dem Krokodil im Manne, die andern unterschätzen es und ihn, wenn er und es sich fröhlich in ihren feuchten und erdreichen Suhlen wälzt.

Doch wehe wenn es fertig und befriedigt ist,
weil es dann hungrig seine Liebsten frisst.

Kurzfassung für die Berufs-Verwaltung des Ungeists: Entwicklungsverzögerung und -verlängerung und Spätgeburt und Frühgeburt, also vorzeitige Reifung der Sinne, Vorzeitigkeit der menschlichen Geburt.