Samstag, 24. November 2012

Inter-pretationen


Das Problem bei der Traumdeutung und jeder Interpretation eines Textes oder von Teilen davon ist das, dass die Sache und die Teile der Sache, die man betrachtet, immer jedes für sich gleich in etwa das Ganze enthält, auch wenn von jedem Punkt aus das Ganze etwas anders beleuchtet erscheint und anders aussieht. Also verliert man, wenn man sehr lange an einer Sache herumdeutet, erst den Bezug zum Ausgangspunkt, was die Überlegungen und Erklärungen sinnlos macht, weil man im Übergang zur unreflektierten Wiederholung des Ganzen ist, oder man kommt irgendwann einfach auch nur wieder zurück zum Anfang und hat auch darum im Ergebnis nichts erreicht, zumindest keinen Zugewinn an Sinn, höchstens einen Umweg zum Unsinn. Es ist wie mit einer Bewegung durch den Großen Raum an sich. Der Weltraum hat keine Mitte, bzw. ist jeder Punkt seine Mitte, und keine Reise führt zum Rand oder zu irgendeiner Grenze und neuen Wirklichkeit, innen und außen. Was hat dann aber eine Interpretation eines Textes oder Deutung eines Traumes für einen Sinn? Geht das denn? Ja. Vielleicht. Jeder Teil des Ganzen als Mitte ist auch ein Loch des Sinns, das der Deutung oder Erfüllung bedarf. Wir haben nicht die eine Seele, weil sonst eine Leere in und um uns wäre, sondern die Seele ist selbst die Leere, die für sich Erfüllung verlangt. Die Seele ist unser Sprachselbst - z. B. Und der Text und Traum erfordert in jedem Detail doch eine Interpretation. Was zusätzlich und unfassbar bleibt ist die Kraft des Ganzen, die alles bewegt oder belebt, es ist sicher etwas ausschließlich Positives, die Kraft des Wunsches, des Begehrens. Das Begehren selbst ist nicht zu erklären, sondern nur mythisch zu umschreiben. Und jede Öffnung des Sinns kann zur Großen Mitte eines wunderbaren Verständnisses einer mythischen Umschreibung werden, im Zentrum die Seele als Bedürfnis nach Sinn und um sie und es eine mythische Struktur, die die Bilder des Traums und der Wirklichkeit und der Texte ordnet und neu ordnet und neue Bilder formt. Die Deutung hat Sinn, wenn Sie uns nicht zu weit von den großen Löchern des Sinns wegführt und sie und uns selbst zur Mitte unseres eigenen Sinns bringt. Man braucht ein Auge für die großen Löcher des Sinns. Jeder hat dieses  e i n e  Auge. Der springt einem dann schon hinein und entgegen. Zum Glück muss man Mythen nicht neu erfinden, Es gibt schon so viele und uralte, die dem Begehren über die Öffnungen des Sinns nachspüren. Immer sind viele richtige Deutungen möglich. Aber der Mensch, der sich selber deutet  und  f ü r  andere, hält schon mal einiges zurück, weil er spürt, dass sich das nur schwer durch den Filter der Erwartungen und Seelen und Löcher Anderer pressen lässt. Das gilt insbesondere, wenn man eine Selbstdeutung auch den Mitgliedern des anderen Geschlechts oder anderer begehrter Subjekte/Mit-Subjekte überlassen muss. Ansonsten stimmt es, dass wenigstens keine Deutung Vorrang hat, und jede die andere auch nur verdrängt, wenn sie sich nicht mit ihr verdichtet. Man sollte/muss auch eine Deutung jederzeit widerrufen und sich dafür entschuldigen können. Was ich hiermit tue, falls ich je etwas gedeutet hab. Ich bin nicht der Herr irgendjemandes Begehrens, noch nicht einmal der Meister meines eigenen.