Das
Problem bei der Traumdeutung und jeder Interpretation eines Textes
oder von Teilen davon ist das, dass die Sache und die Teile der
Sache, die man betrachtet, immer jedes für sich gleich in etwa das
Ganze enthält, auch wenn von jedem Punkt aus das Ganze etwas anders
beleuchtet erscheint und anders aussieht. Also verliert man, wenn man
sehr lange an einer Sache herumdeutet, erst den Bezug zum
Ausgangspunkt, was die Überlegungen und Erklärungen sinnlos macht,
weil man im Übergang zur unreflektierten Wiederholung des Ganzen
ist, oder man kommt irgendwann einfach auch nur wieder zurück zum
Anfang und hat auch darum im Ergebnis nichts erreicht, zumindest
keinen Zugewinn an Sinn, höchstens einen Umweg zum Unsinn. Es ist
wie mit einer Bewegung durch den Großen Raum an sich. Der Weltraum
hat keine Mitte, bzw. ist jeder Punkt seine Mitte, und keine Reise
führt zum Rand oder zu irgendeiner Grenze und neuen Wirklichkeit, innen und außen. Was
hat dann aber eine Interpretation eines Textes oder Deutung eines
Traumes für einen Sinn? Geht das denn? Ja. Vielleicht. Jeder Teil
des Ganzen als Mitte ist auch ein Loch des Sinns, das der Deutung
oder Erfüllung bedarf. Wir haben nicht die eine Seele, weil sonst eine
Leere in und um uns wäre, sondern die Seele ist selbst die Leere,
die für sich Erfüllung verlangt. Die Seele ist unser Sprachselbst - z. B. Und
der Text und Traum erfordert in jedem Detail doch eine
Interpretation. Was zusätzlich und unfassbar bleibt ist die Kraft des Ganzen, die alles bewegt
oder belebt, es ist sicher etwas ausschließlich Positives, die Kraft des
Wunsches, des Begehrens. Das Begehren selbst ist nicht zu
erklären, sondern nur mythisch zu umschreiben. Und jede Öffnung des
Sinns kann zur Großen Mitte eines wunderbaren Verständnisses einer
mythischen Umschreibung werden, im Zentrum die Seele als Bedürfnis
nach Sinn und um sie und es eine mythische Struktur, die die Bilder
des Traums und der Wirklichkeit und der Texte ordnet und neu ordnet und neue Bilder
formt. Die Deutung hat Sinn, wenn Sie uns nicht zu weit von den
großen Löchern des Sinns wegführt und sie und uns selbst zur Mitte
unseres eigenen Sinns bringt. Man braucht ein Auge für die großen
Löcher des Sinns. Jeder hat dieses e i n e Auge. Der springt einem dann schon hinein und entgegen. Zum Glück
muss man Mythen nicht neu erfinden, Es gibt schon so viele und
uralte, die dem Begehren über die Öffnungen des Sinns nachspüren. Immer sind viele richtige
Deutungen möglich. Aber der Mensch, der sich selber deutet und f ü r andere, hält schon mal einiges zurück, weil er spürt, dass sich
das nur schwer durch den Filter der Erwartungen und Seelen und Löcher Anderer pressen
lässt. Das gilt insbesondere, wenn man eine Selbstdeutung auch den
Mitgliedern des anderen Geschlechts oder anderer begehrter Subjekte/Mit-Subjekte überlassen muss. Ansonsten stimmt es, dass wenigstens keine Deutung Vorrang
hat, und jede die andere auch nur verdrängt, wenn sie sich nicht mit ihr verdichtet. Man sollte/muss auch
eine Deutung jederzeit widerrufen und sich dafür entschuldigen
können. Was ich hiermit tue, falls ich je etwas gedeutet hab. Ich
bin nicht der Herr irgendjemandes Begehrens, noch nicht einmal der
Meister meines eigenen.