Samstag, 10. November 2012

Etwas zu Geburt Fortpflanzung Tod

Der wunde Körper

Der wunde Körper, der Körper, der aus der Wunde kommt, durch den Schmerz, mit Schmerzen. Etwas Fremdes berührt die noch leere Hülle und Oberfläche, zerschneidet, durchbohrt sie, dringt in sie ein. Das Fremde, der Fremde ist stärker als der Schmerz, die Mühen des Lebens, die Arbeit, er macht ihn irgendwie erträglich, er bleibt, während das Leid, die Not kommt und geht. Er verwandelt den Körper, macht ihn unempfindlich, hart, entstellt ihn durch Narben, gerbt ihm die Haut, und schreibt seine Pflichten darauf, seine, beider Schuld. Niemals wird er sich selbst ernähren und fortpflanzen, sondern immer nur einen Fremden in sich erzeugen, erhalten und austragen und nur nebenbei erhält er damit sich und die Art.

Der Mensch ist eine Spätgeburt und die Fortpflanzung hat bei ihm auch überhaupt keinen Sinn und dient auch nicht der Erhaltung irgendeiner Art und schon gar nicht einer äußerlichen Eigenschaft eines bestimmten Subjekts. Der schöne Mensch ist wahrscheinlich nicht nur ein durchschnittliches Gebilde aus allen Menschen, sondern aus allen mögliche Tieren. Der Mensch ist das zufällige Un-Tier.


Man kann die Analyse und das, was man wahrnimmt und untersucht in bestimmten Fällen nur verdichtet widergeben, um es zu fassen: hier das Herausfallen in die Welt. Es verdrehen sich - wie oben bei der Geburt - Kopf und Körper gegeneinander. Man dreht sich heraus mit dem, was man zu wissen glaubt, aus dem, was man fühlt. Das wäre also ein Weg zum wunden Tier Mensch. Im Tod wird der Mensch erst wieder Tier, die Seele ist nichts als das verlorene Tier - im Mythos der Dämon. Ansonsten hat der Mensch an sich nichts mit dem Tier mehr gemein. Jeder oberflächliche Vergleich ist viehisch dumm.