Sonntag, 4. November 2012

Aufgewacht

Abwägen


Muss ich endlich das, was ich mühsam
mir vom Leben zu nehmen hab', zulassen?
Soll ich jetzt das, was mich gewaltsam
packt, nur den Leib nackt mir lässt, anfassen?
Kann ich wieder diese Last und Prüfung, ertragen
vielleicht mich treten lassen und müde schlagen?
Will ich traurig und träge ins Tageslicht gehen
zu einem Bußgewand dafür jetzt aufstehn?


Entscheiden


Steh auf, leg die Haut ab, zieh Kleidung an.

Du stehst eine Schritt knapp vorm alten Mann.
Sehr gut erhalten bist du bestimmt nicht.
Trag hin zum Spiegel das müde Gesicht.
So jung wie tot wär' es ohne die Spur
der Schmerzen, die im Licht des Tages nur
dein Vorwärts-Sterben sichtbar machen, dich
zeichnen mit manch einer Falte Strich.


Erbrechen


Wahrheitsgeflüster der Nachtgespenster

wehrt doch dem Tag im aufleuchtenden Fenster.
Liderbeschwert, gekrümmt, noch von Sinnen,
bedrängt schon von der Wirkung der Dinge,
verrenkt, ungelenk beim stolpernden Gehn
hinaus zu der Andern Schreien und Flehn,
erbrichtst du dich und wirst nüchtern, wach,
bist sinnlos nützlich und willenlos schwach.