Donnerstag, 22. November 2012

Fragen und Antworten von mir für mich

Was will ich eigentlich?
Was sollte ich von einem Leser wollen? Nichts. Er geht mich überhaupt nichts an. Ich suche im Netz nichts. Ich suche nur Datenspeicher – mehr ist mein Blog nicht für mich – für einen Gedanken ab und zu, der mir für mich nötig scheint.
Was bin ich?
Ich muss mich ja nicht fragen,  w e r  ich bin. Auf die Frage wer bin ich, kommt doch immer nur die gleiche Antwort: irgendeiner, mit irgendwelchen Eigenschaften, Gesicht mit Nase, Körper mit T-shirt, Jeans usw. usw. Ich bin also nur ein etwas: unter allem, was einen Menschen ausmacht, bin ich wie andere auch wieder: eine reine Oberfläche. Wer?: ist also das Kleid – brauch ich nicht – und was?: ist meine Seele. Ich brauch meine Seele, andere halt mehr Ihr Gewand und Kleid als Halt.
Was hätte ich gern?
Was braucht eine leere Seele oder was braucht der Spiegel. Bestimmt niemanden besonderen, der sich in ihm spiegelt. Diese simple Wirklichkeit ist ihm egal. Alles vor dem Spiegel ist simpel. Darum kann das menschliche Gehirn auch damit rechnen. Rechnen ist oberflächliches Abarbeiten der Wirklichkeit. Der Spiegel aber will einen Spiegel, das ist sein großes Sehnen, endloses und langes und weites Widerspiegeln.
Bin ich ein Autist?
Nein. Vielleicht. Ich hab das Gefühl, das ich mit ihnen kommunizieren kann. Ich kann ihnen das  i c h sein. Ich kann ihr selbst in mich hereinnehmen. Sie verstärken mein Gefühl der Körperlichkeit der Erfahrung der Welt.
Woran leide ich?
Leide ich, weil ich um Hilfe schrei'? Nein, ich leide - weniger intensiv als andere Menschen – weil ich Schreie hör und anderer Schreie spür' und eine Vorstellung des Leids bekomme und ein Abbild davon auf mir produzieren muss, jedenfalls kann, wenn ich will. Ich leide also willentlich und schrei' die Schreie anderer aus mir heraus, vergleichbar ist das aber eher einem Gesang als einem schmerzvollen Gebrüll.
Wo bin ich?
Ich bin nicht in der Tiefe von irgendwas. Ich bin oberflächlich. Ich bin Oberfläche. Das Netz ist für mich wie perfekt gemacht, geschneidert und angepasst. Oberfläche kleidet mich optimal, wie meine ärmliche Kleidung. Oberfläche, meine Oberfläche, kann man zerlegen, zerreißen, neu verknüpfen. Nie ändert sie sich wirklich.
Lebe ich?
Ich esse, trinke, schlafe. Das braucht mein Körper. Der Rest ist weniger wichtig, aber auch da.
Was ist Lebensenergie?
Keine Ahnung. Niemand weiß das.
Gott?
Gibt es. Wird von vielen deutlich gesehen. Von den Kranken, den Verletzten, den Geschwächten, den Beleidigten, den Versehrten, von all denen, denen er von Körper und Seele was genommen oder nie gegeben hat. Er selbst ist ihre Krankheit. Er ist – und das sagen doch deutlich seine Knechte stets – das große Übel dieser Welt. Unser Übel-Ich.
Der Schöpfer:
Im Verhältnis zu ihm ist Gott klein. Denn der Schöpfer ist Alles. Er ist sozusagen der große Maler, der dieses Bild, das wir und alles sind, gemalt hat. Es gibt natürlich eine Beziehung von Gott und Schöpfer. Gott ist ein Fremdkörper in der Welt des Schöpfers. Der Schöpfer ist vergleichbar mit einem Spieler, der in seiner Spielfigur (Avatar oder auch Packman) sich von Gott und seinen Gespenstern verfolgen lässt. Gott ist im Spiel, der Schöpfer draußen, beziehungsweise – eben der Schöpfer des Spiels.
Was ist der Mensch für den Gott?
Für Gott ist der Mensch nur ein dreckiges, primitives, widerliches Werkzeug. Und er ist Nahrung für ihn. Er liebt es, wenn sie sich vermehren und er frisst sie gern in Massen – auch seine willigsten Diener und vor alle sie. Ihre Euphorie macht sie anscheinend besonders schmackhaft.
Was ist der Mensch für den Schöpfer?
Der Mensch ist dem Schöpfer ein Versteck, durch das er huscht in der Welt. Dem Menschen vergleichbare Wesen sind auf das ganze Universum verteilt. Der Mensch ist nicht einzigartig – er kann nur nicht weit genug über die blaue Kugel hinausschauen. Mehr ist vom Schöpfer für mich nicht zu erkennen, als dieses Durchhuschen. Noch nicht mal einen Schatten zieht er nach sich.
Was ist der Sinn des Lebens?
Die Frage hab ich jetzt nur hingeschrieben, weil ich mal eine Pause brauch' und Lachen sehr entspannt? Diese Frage ist die absolute und die absolut lächerlichste. Jede beliebige Antwort ist eine Antwort darauf. Eine Frage ist halt manchmal eine Antwort auf – ein Fragezeichen.
Was ist das Leben?
Schon wieder die Frage. Das Leben ist. Die Schöpfung ist. Ich esse, also leb ich. Leben ist leider so wenig erklärbar, wie die Schöpfung.
Was ist die Seele?
Die Seele ist am ehesten unser Sprachselbst. Durch es und mit ihm tritt der Schöpfer in uns ein, ohne jede für uns begreifbare Dauer, zu kurz um es mit irgendeiner Uhr messen zu können. Er fällt mit uns als Körnchen nur durch eine Sanduhr. Es oder er oder was auch immer ist dann die unfassbare Kreativität. Alles, was beseelt ist im Universum, ist kreativ.
Was ist das Selbst?
Ein toter Stein vor dem Spiegel. Besitz. Reichtum. Macht. Schwachsinn halt. Das Selbst erkennt sich nicht im Spiegel, es staunt nicht über sich, es richtet bloß, und richtet sich zurecht. Jeder ist auch Stein, tot, und darf auch mal in sich versinken – und wird es irgendwann für immer tun. Übrigens: der Autist versinkt nicht im Spiegel, er schaut gar nicht rein, er ist ja Spiegel, das wär' ihm wohl etwas zu viel.
Gibt es ein Jenseits?
Ganz sicher. Aber nicht für uns. Wir sind nur Pinselstrich. Aber, da der Schöpfer uns berührt hat und wieder berührt, geht etwas, das auch uns zu gehören scheint, mit ihm und bleibt. Dass es und er bleibt, ist das Maximum, was wir vom Jenseits erkennen können. Der Körper vergeht, die Erinnerungen vergehen, das Gesicht vergeht, das zufällig Gute vergeht, das zufällig Schlechte vergeht. Nur er bleibt – wahrscheinlich.
Gibt es die Liebe?
Ja - hat auch schon einer gesagt, von dem keiner etwas weiß. Er hat es nämlich nicht aufgeschrieben. Die Liebe gibt es nur vielleicht. Zwei müssen es bedingungslos wollen und halten. Wo gibt’s denn sowas. Manchmal seh' ich die zwei. Es sind immer alte Menschen, die sich an der Hand halten. Ich hab dann den Verdacht, dass das zwei Autisten sind. Manchmal sind es auch zwei Kinder. Ich weiß es halt nicht. Muss hier ein großes Fragezeichen hinhängen.

Ich
möchte keinen verletzen
möchte niemandem etwas sagen
möchte keine, keine Antwort – alles ist Antwort


Natürlich möchte ich Antworten.

Ich bin kein Ungeheuer, weil es keine gibt – wenn man das oben als Gott beschriebene meidet. Nur jener Gott ist verantwortlich für das Gute und Böse. Und er wird umso schwächer und kleiner, je mehr man ihn ignoriert. Er muss also nur vergessen werden? Vielleicht. Mein Hoffen.

Ich in mir möchte: gelegentlich mal einen anderen Menschen mit den Fingerspitzen berühren dürfen, am liebsten einen Autisten. Ich bin ein Mann. Einen weiblichen Autisten, der auch noch ich und bin sagen kann, hab ich noch nicht kennengelernt. Andere Menschen berühr ich natürlich täglich. Ich kann auch normal reden.

Beinah hätt' ich was vergessen:
Es regnet manchmal Zufälle, sie fliegen durch Nacht und Raum und die Luft wie tausend Leuchtwürmchen, ein Lichtlein-Gestöber. Die kommen vom Schöpfer, 's sind gleichsam die Pinselspritzer, die 's beim Malen halt mal gibt. Im Bild, in dem wir nun mal sind, gibt es halt nicht wirklich Zeit und Raum. Wir verstehen es bloß nicht. Aber auf die Zeichen sollten wir schau'n. Es sind keine göttlichen Schwachsinns-Wunder. Es ist der einzige wahre Reichtum, den es für mich gibt, und er ist flüchtig und doch immer da. Es tut nur gut. ER ist nicht das blaue Wunder.

Zeichen kommen und gehen: sie sind immer da, wie zum Beispiel die Blumen, auf die wir jetzt schon zulaufen im nächsten Frühjahr. Sie warten schon. Sie warten auf Dich. Die schönsten von Ihnen sind dann Zeichen. Eins ist auch für mich. Aber eigentlich bedeutet es nichts.

Nochwas: Was wünsch ich mir?
Von den meisten Menschen nur eins:
ein freundliches
"war nett mit Dir,
aber jetzt geh, Adieu!"
Menschen strengen mich oft sehr an. Ich ermüde dann. Der Autist bricht sich Bahn.

Nochwas: natürlich gibt es noch mehr Wünsche. Die heb' ich mir auf für einen besonderen Feiertag, den ich mir vorher schenken muss, den ich erfinden muss. Und wofür ich immer dankbar bin: für Nachsicht und Hinweise auf Schreibfehler.