Samstag, 17. November 2012

Von den so erogenen Zonen

Die Selbstheilungskräfte der Frau sind viel gewaltiger als sie selbst weiß und heute wissen soll. Die Frau war in der Vorgeschichte, vor der Schrift und vor jenen festen und stummen Zeichen, mit denen unsere Geschichte begann, Gott und einzige Göttin und jede einzelne war furchtbare Priesterin. Der Mann dazu nur eine wöllüstige Erweiterung hinaus in die Welt, die Ihr dafür Nahrung und Natur schenkte. Einzig ihr Kind machte sie selbst auch zu Nahrungsspenderin. Die Frau hat nicht mit dem Mann Verkehr gehabt, sondern mit der Mutter Erde, der sie Ihren Mann geopfert hat, gelegentlich auch für immer. Der Mann hatte auch nur einen sehr erdigen Zugang zum weiblichen Körper.
Hört, Männer, was die Mutter Erde spricht.
'Schlimm, so schlimm, wir hör'n es nicht.
Doch wissen wir auch ohn' Ihren Unterricht,
nur der Verstand hilft hier,
gedreht vom Licht,
zum Himmelreich führt nur die Hintertür.'
Und nun ahnen wir, wo der Himmel hergekommen und wohin der Verstand gewandert ist, der allen auch oft abhanden kommt. Die Frau war einfach schon immer heil. Es hat doch alles gepasst. Der Mann hat sich doch gern geopfert. Wie kam's zur Lüge, zum Sündenfall? Zur 'Wahrheit' als Begriff, was auch nichts anderes als Scheiße ist?
War es der Besitz, den eine große Not verlangte? Eine Not von außen verwandelte die große Lust zu einer Not von innen und der Krieg begann. Lebendig wurde der innere Zwang, die liebe Not, die einst das Leben und den Tod unter ein großes Ganzes stellte, das Weib und ihren fest verschlossnen Unterleib. Die Frau – nun die von heut' - hat das nie wirklich verstanden und auch in die neue Welt nie wirklich gut gepasst. Wieso hat sie sich bloß damit abgefunden, dass es für sie in einer plötzlich fremden Welt immer nur ums Überleben ging.
Ganz nebenbei und im Vorübergeh'n
hat man(n) gestohlen ihr die Welt,
zerstückelt und verteilt und ihr verstellt.
Und wo sind meine Brüste hin? Wo sind sie geblieben?
Erfährt doch nun der Säugling an der Mutterbrust
schon gute wie auch böse Lust,
den lauten Schmerz, die stille Wonne,
jenseits dieser Zwillingssonne?
Die Höhle, in der der Mann sich lang verkrochen, ist aufgebrochen. Und immer bleibt er wund ab jetzt, der große Körper, der volle, der nur der weibliche sein kann, ist und bleibt verwund't.
Jenseits davon findet man noch den kranken Rest des großen Körpers, der einst der Körper der Frau an sich war und ihre große Gesundheit. Wie zerstört mann die Gesundheit der Frau? Der Körper der Frau wird der minderwertigen Lust des Mannes unterworfen. Das ist nun der Fluch der vorzeitlichen Abwertung des Geschlechtsverkehrs, jedenfalls verstellt sie – die Abwertung und erste Umwertung weg vom Tier - sich jetzt zum grauenhaften Nachteil und zur Strafe für das weibliche Geschlecht. Das, was er gar nicht will, der Mann, das wird zum Ziel erklärt, erhöht zum reinen Begehren, und gleichzeitig als reales Objekt versteckt, verboten, so wie das Paradies, das scheinbar nur verloren ist. Es gab kein Paradies, jedenfalls nicht für den, der jetzt vom simplen Mann und Werkzeug der Lust zum Herrn geworden war. Was steckt den hinter dieser Lügengeschichte vom verlorenen Paradies? Seit der Abwertung der Zweigeschlechtlichkeit konnte einer der Körper, nämlich der Körper der Frau, der ja auch von Natur aus sich leicht verschließen läßt, ganz werden und Hülle und als Ganzes zu einer Öffnung und sich beliebig an jeder Stelle einem Sinn und den Sinnen öffnen. Der Apfel ist ihr Symbol dieser Veränderung und Zeichen ihrer grenzenlosen Macht. Dieser Körper der Frau musste vom Mann irgendwann bezwungen, niedergerungen werden. Der Sündenfall steckt in drei Elementen: die Schlange, Zeichen des Verrats, der Neuerung und des Willen zur Gewalt – die kleine Wunde am Apfel, der Biss: das was die Frau und Ihren Körper nun ausmacht – der Baum der Lügen, das große Buch der neuen Wahrheit, die alles überdecken soll in den Schädeln der Menschen und notwendig die Mittel des Zwangs bestimmt. Der Körper wird wie alles sonst auch in der Welt vom Mann zerschlagen, zerstückelt und dann aus den Trümmern wieder hergestellt, als Stückwerk, als seine Schöpfung, Lüge zum Bild erstarrt. Und wenn sich jetzt die Frau in ihrem neuen Körper der Lust, dem Sinn, der Welt öffnet, dann stößt sie auf ein Objekt, das ein Teil von ihr ist und das sie bremst, ihr von sich selbst Begriffe gibt, die erst der Mann erfunden hat. Und sie fühlt sich schon immer krank, auch ohne es je vorher gewesen zu sein. Die Frau ist falsch in dem Sinn, dass sie nicht passt, dass es für sie nicht passt, was also geschehen war. Es wurde also nicht nur alles zu Ihrem Nachteil verändert, sondern ihr auch noch die Schuld dafür zugeschrieben. Zurück zur Frau. Was bleibt vom großen Körper? Sie als sein Wunsch und für sie selbst nur mehr das Gewicht des Fleisches. Und die erogenen Zonen waren damit erfunden. Als Ziel der Lust der Frau sollen sie gelten und sind doch nur ein Panzer aus groben Teilen, in den der Körper umgewandelt wurde oder die alte Hülle nun überlagert. Die erogenen Zonen sind jedoch erstmal in Wahrheit ausschließlich das Angriffsziel der Lust des Mannes. Die Frau wird damit nur betrogen. Und endlich richtig krank gemacht, jedes Ziel, das vielfach angegriffen wird, wird auch irgendwann zerstört
und wenn es nicht mehr funktioniert
fremdstimuliert und -aktiviert,
dann wird’s zunächst geschlagen und geschmiert,
dann ausgebrannt, geschnitten, operiert.
Der Koitus selbst ist Nebenhandlung auf dem Kriegsschauplatz der Lust und Körper. Der Mann selbst hat keine erogenen Zonen, nicht einmal eine, sie sind für ihn nur Illusionen auf dem Körper der Frauen. Er hat einen Sinnsucher, den großen Dämon, der aus der Unterwelt ist und das Tor dorthin bewacht. Er war das gern einst selber. Wenn die Frau sich einst befreit vom Mann, dann erhält sie – vielleicht auch erst nach mehreren Generationen – den großen Körper zurück. Und sie spürt dann vielleicht wieder, dass aus Ihrem Körper Sinn austreten kann und dass er sich an jeder Stelle und zu allem hin öffnen und der Welt Gewicht geben kann. Er kann sich öffnen und wachsen und weiten und teilen, er kann sich an jeder beliebigen Stelle auftun und die Welt mit Sinn und Sinnlichkeit berühren. Die Krebserkrankung hat unter den Leiden der Frau an ihren wunden Stellen eine Sonderstellung, mit ihm stößt sie den Mann und seine Krankheit, den großen Dämon zurück. Krebs ist das Zeichen und der Sinn, den sie nicht braucht. Das ist oft seine Aussage. Sie braucht den Krebs nicht, eigentlich so wenig wie den Mann. Krebsbehandlung ist – abgesehen davon, dass sie keine Behandlung ist, sondern nur Strafe, Folter, Mittelalter – ein Versuch den Mann los zu werden, das Männchen in seinen Zonen – diese Zonen sind ja seine, Erfindung, Lüge - auf ihr. Mit der Behandlung versucht der Mann als Arzt und – in seinem Sinn und zu seinem Nutzen – Weiser mit geheimem Wissen eher den Krebs zu retten, nicht die Frau. Der Krebs ist Dämon des Mannes, wie sein Wolf der Nacht, sein Haustier. Wehe ihm. Es geht auch anders. Die Frau hat von Natur auch Kraft und Fülle, sie muss sich nur noch mal befreien. Kann Sie noch lernen und heilen Ihre Wunden wieder? Natürlich, sie ist doch gesund. Der Mann ist krank. Der Mann kann seine Männlichkeit nur ganz fallen lassen und nicht-sein. Wenn er versucht der Frau ganz gleich zu sein in seinem Tun, dann fällt er nur in seine alte Finsternis zurück und wird zum Wolf und Tier, das noch den Tieren fremd ist und wird zum allerhässlichsten der Menschen, und Unrat, der die Höhle der Geburt nicht mehr verlassen kann und darf, er wird der Mörder jedes seiner Götter nur und jeden Gottes. Und Nicht-Sein geht nicht allzu lange, es sei denn man hat Geld und Muße und wird getragen von der ander'n Arbeit, dann kann man schrein und schreiben und sein, jedoch nicht was man will, nur ohne Willen. Die dritte der großen Transformationen gibt es daher nicht, sie führt den Mann ins Nichts.
Das Nichts ist aber nicht die Lösung,
"das Ziel heißt Frau,
mit tausen Schritten, einem Sprung,
wir nehmen das nicht so genau."
Für die Männer heißt's zur fröhlichen Wiedergeburt, zur geistigen Erstarrung in der erdachten Wiederkehr des ewig gewünschten Gleichen und zur einzigen Wiedergeburt, die nach dem Tod kommt, jedoch nicht seine ist.

Wieso erwarten die Frauen denn Hilfe von einem anderen aus dem Geschlecht der ander'n, vom Arzt? Wo der sie doch nur aus-nimmt, finanziell und in ihrer Arbeitskraft einerseits als auch insofern körperlich als er ihr die Organe herausnimmt? Sie lassen sich das vom ander'n aufgesetzte und angedichtete Unglück einfach wegschneiden. Es kommt also die Lüge von der romantischen Liebe, dem kleinen imaginären Glück zum großen realen Unglück und den dazu passenden Hieben. Kann sich jeder ne Geschichte ausdenken.

Wieso auch hungern sich Frauen ihren Körper weg? Eine Frau, die kein Gewicht hat oder hungert um zu gefallen, die ist gefallen und längst hinüber – ins andere Lager. Überlegt Euch gut in welches Lager ihr Euch stellt, es könnt zum Krankenlager werden.

Erste Stufe der Verwandlung: Gleichheit, Frau wird zum Mann, seelisch-geistig, verpuppt sich
Zweite Stufe der Verwandlung: Mann verleibt sich Frau ein, sinnlich-physisch gleichsam als Parasiten
Dritte Stufe der Verwandlung: Frau streift Hülle und Wirtskörper ab