Die Selbstheilungskräfte der Frau sind
viel gewaltiger als sie selbst weiß und heute wissen soll. Die Frau
war in der Vorgeschichte, vor der Schrift und vor jenen festen und
stummen Zeichen, mit
denen unsere Geschichte begann, Gott und einzige Göttin und jede
einzelne war furchtbare Priesterin. Der Mann dazu nur eine wöllüstige
Erweiterung hinaus in die Welt, die Ihr dafür Nahrung und Natur
schenkte. Einzig ihr Kind machte sie selbst auch zu
Nahrungsspenderin. Die Frau hat nicht mit dem Mann Verkehr gehabt,
sondern mit der Mutter Erde, der sie Ihren Mann geopfert hat,
gelegentlich auch für immer. Der Mann hatte auch nur einen sehr
erdigen Zugang zum weiblichen Körper.
Hört, Männer, was die Mutter Erde
spricht.
'Schlimm, so schlimm, wir hör'n es
nicht.
Doch wissen wir auch ohn' Ihren
Unterricht,
nur der Verstand hilft hier,
gedreht vom Licht,
zum Himmelreich führt nur die
Hintertür.'
Und nun ahnen wir, wo der Himmel
hergekommen und wohin der Verstand gewandert ist, der allen auch oft
abhanden kommt. Die Frau war einfach schon immer heil. Es hat doch
alles gepasst. Der Mann hat sich doch gern geopfert. Wie kam's zur
Lüge, zum Sündenfall? Zur 'Wahrheit' als Begriff, was auch nichts
anderes als Scheiße ist?
War es der
Besitz, den eine große Not verlangte? Eine Not von außen
verwandelte die große Lust zu einer Not von innen und der Krieg
begann. Lebendig wurde der innere Zwang, die liebe Not, die einst das
Leben und den Tod unter ein großes Ganzes stellte, das Weib und
ihren fest verschlossnen Unterleib. Die Frau – nun die von heut' -
hat das nie wirklich verstanden und auch in die neue Welt nie
wirklich gut gepasst. Wieso hat sie sich bloß damit abgefunden, dass es für sie in einer plötzlich fremden Welt immer nur ums Überleben
ging.
Ganz nebenbei und im Vorübergeh'n
hat man(n) gestohlen ihr die Welt,
zerstückelt und verteilt und ihr verstellt.
Und wo sind meine Brüste hin? Wo sind sie geblieben?
Erfährt doch nun der Säugling an der Mutterbrust
schon gute wie auch böse Lust,
den lauten Schmerz, die stille Wonne,
jenseits dieser Zwillingssonne?
Die Höhle, in der der Mann sich lang verkrochen, ist aufgebrochen. Und immer bleibt er wund ab jetzt, der große Körper, der volle, der nur der weibliche sein kann, ist und bleibt verwund't.
Ganz nebenbei und im Vorübergeh'n
hat man(n) gestohlen ihr die Welt,
zerstückelt und verteilt und ihr verstellt.
Und wo sind meine Brüste hin? Wo sind sie geblieben?
Erfährt doch nun der Säugling an der Mutterbrust
schon gute wie auch böse Lust,
den lauten Schmerz, die stille Wonne,
jenseits dieser Zwillingssonne?
Die Höhle, in der der Mann sich lang verkrochen, ist aufgebrochen. Und immer bleibt er wund ab jetzt, der große Körper, der volle, der nur der weibliche sein kann, ist und bleibt verwund't.
Jenseits davon findet man noch den
kranken Rest des großen Körpers, der einst der Körper der Frau an
sich war und ihre große Gesundheit. Wie zerstört mann die
Gesundheit der Frau? Der Körper der Frau wird der minderwertigen
Lust des Mannes unterworfen. Das ist nun der Fluch der vorzeitlichen
Abwertung des Geschlechtsverkehrs, jedenfalls verstellt sie – die
Abwertung und erste Umwertung weg vom Tier - sich jetzt zum
grauenhaften Nachteil und zur Strafe für das weibliche Geschlecht.
Das, was er gar nicht will, der Mann, das wird zum Ziel erklärt,
erhöht zum reinen Begehren, und gleichzeitig als reales Objekt
versteckt, verboten, so wie das Paradies, das scheinbar nur verloren
ist. Es gab kein Paradies, jedenfalls nicht für den, der jetzt vom
simplen Mann und Werkzeug der Lust zum Herrn geworden war. Was steckt
den hinter dieser Lügengeschichte vom verlorenen Paradies? Seit der
Abwertung der Zweigeschlechtlichkeit konnte einer der Körper,
nämlich der Körper der Frau, der ja auch von Natur aus sich leicht
verschließen läßt, ganz werden und Hülle und als Ganzes zu einer
Öffnung und sich beliebig an jeder Stelle einem Sinn und den Sinnen
öffnen. Der Apfel ist ihr Symbol dieser Veränderung und Zeichen ihrer grenzenlosen Macht. Dieser Körper der Frau musste vom Mann
irgendwann bezwungen, niedergerungen werden. Der Sündenfall steckt
in drei Elementen: die Schlange, Zeichen des Verrats, der Neuerung
und des Willen zur Gewalt – die kleine Wunde am Apfel, der Biss: das was die
Frau und Ihren Körper nun ausmacht – der Baum der Lügen, das
große Buch der neuen Wahrheit, die alles überdecken soll in den
Schädeln der Menschen und notwendig die Mittel des Zwangs bestimmt.
Der Körper wird wie alles sonst auch in der Welt vom Mann
zerschlagen, zerstückelt und dann aus den Trümmern wieder
hergestellt, als Stückwerk, als seine Schöpfung, Lüge zum Bild
erstarrt. Und wenn sich jetzt die Frau in ihrem neuen Körper der
Lust, dem Sinn, der Welt öffnet, dann stößt sie auf ein Objekt,
das ein Teil von ihr ist und das sie bremst, ihr von sich selbst
Begriffe gibt, die erst der Mann erfunden hat. Und sie fühlt sich
schon immer krank, auch ohne es je vorher gewesen zu sein. Die Frau
ist falsch in dem Sinn, dass sie nicht passt, dass es für sie nicht
passt, was also geschehen war. Es wurde also nicht nur alles zu Ihrem
Nachteil verändert, sondern ihr auch noch die Schuld dafür
zugeschrieben. Zurück zur Frau. Was bleibt vom großen Körper? Sie
als sein Wunsch und für sie selbst nur mehr das Gewicht des
Fleisches. Und die erogenen Zonen waren damit erfunden. Als Ziel der
Lust der Frau sollen sie gelten und sind doch nur ein Panzer aus
groben Teilen, in den der Körper umgewandelt wurde oder die alte
Hülle nun überlagert. Die erogenen Zonen sind jedoch erstmal in
Wahrheit ausschließlich das Angriffsziel der Lust des Mannes. Die
Frau wird damit nur betrogen. Und endlich richtig krank gemacht,
jedes Ziel, das vielfach angegriffen wird, wird auch irgendwann
zerstört
und wenn es nicht mehr funktioniert
fremdstimuliert und -aktiviert,
dann wird’s zunächst geschlagen und
geschmiert,
dann ausgebrannt, geschnitten,
operiert.
Der Koitus selbst ist Nebenhandlung auf
dem Kriegsschauplatz der Lust und Körper. Der Mann selbst hat keine
erogenen Zonen, nicht einmal eine, sie sind für ihn nur Illusionen
auf dem Körper der Frauen. Er hat einen Sinnsucher, den großen
Dämon, der aus der Unterwelt ist und das Tor dorthin bewacht. Er war
das gern einst selber. Wenn die Frau sich einst befreit vom Mann,
dann erhält sie – vielleicht auch erst nach mehreren Generationen
– den großen Körper zurück. Und sie spürt dann vielleicht
wieder, dass aus Ihrem Körper Sinn austreten kann und dass er sich
an jeder Stelle und zu allem hin öffnen und der Welt Gewicht geben
kann. Er kann sich öffnen und wachsen und weiten und teilen, er kann
sich an jeder beliebigen Stelle auftun und die Welt mit Sinn und
Sinnlichkeit berühren. Die Krebserkrankung hat unter den Leiden der
Frau an ihren wunden Stellen eine Sonderstellung, mit ihm stößt sie
den Mann und seine Krankheit, den großen Dämon zurück. Krebs ist
das Zeichen und der Sinn, den sie nicht braucht. Das ist oft seine
Aussage. Sie braucht den Krebs nicht, eigentlich so wenig wie den
Mann. Krebsbehandlung ist – abgesehen davon, dass sie keine
Behandlung ist, sondern nur Strafe, Folter, Mittelalter – ein
Versuch den Mann los zu werden, das Männchen in seinen Zonen –
diese Zonen sind ja seine, Erfindung, Lüge - auf ihr. Mit der
Behandlung versucht der Mann als Arzt und – in seinem Sinn und zu
seinem Nutzen – Weiser mit geheimem Wissen eher den Krebs zu
retten, nicht die Frau. Der Krebs ist Dämon des Mannes, wie sein
Wolf der Nacht, sein Haustier. Wehe ihm. Es geht auch anders. Die
Frau hat von Natur auch Kraft und Fülle, sie muss sich nur noch mal
befreien. Kann Sie noch lernen und heilen Ihre Wunden wieder?
Natürlich, sie ist doch gesund. Der Mann ist krank. Der Mann kann
seine Männlichkeit nur ganz fallen lassen und nicht-sein. Wenn er
versucht der Frau ganz gleich zu sein in seinem Tun, dann fällt er
nur in seine alte Finsternis zurück und wird zum Wolf und Tier, das
noch den Tieren fremd ist und wird zum allerhässlichsten der
Menschen, und Unrat, der die Höhle der Geburt nicht mehr verlassen
kann und darf, er wird der Mörder jedes seiner Götter nur und jeden
Gottes. Und Nicht-Sein geht nicht allzu lange, es sei denn man hat
Geld und Muße und wird getragen von der ander'n Arbeit, dann kann man
schrein und schreiben und sein, jedoch nicht was man will, nur ohne
Willen. Die dritte der großen Transformationen gibt es daher nicht,
sie führt den Mann ins Nichts.
Das Nichts ist aber nicht die Lösung,
"das Ziel heißt Frau,
mit tausen Schritten, einem Sprung,
wir nehmen das nicht so genau."
Für die Männer heißt's zur
fröhlichen Wiedergeburt, zur geistigen Erstarrung in der erdachten
Wiederkehr des ewig gewünschten Gleichen und zur einzigen
Wiedergeburt, die nach dem Tod kommt, jedoch nicht seine ist.
Wieso erwarten die Frauen denn Hilfe
von einem anderen aus dem Geschlecht der ander'n, vom Arzt? Wo der
sie doch nur aus-nimmt, finanziell und in ihrer Arbeitskraft
einerseits als auch insofern körperlich als er ihr die Organe
herausnimmt? Sie lassen sich das vom ander'n aufgesetzte und
angedichtete Unglück einfach wegschneiden. Es kommt also die Lüge von
der romantischen Liebe, dem kleinen imaginären Glück zum großen
realen Unglück und den dazu passenden Hieben. Kann sich jeder ne Geschichte ausdenken.
Wieso auch hungern sich Frauen ihren
Körper weg? Eine Frau, die kein Gewicht hat oder hungert um zu
gefallen, die ist gefallen und längst hinüber – ins andere Lager.
Überlegt Euch gut in welches Lager ihr Euch stellt, es könnt zum
Krankenlager werden.
Erste Stufe der Verwandlung:
Gleichheit, Frau wird zum Mann, seelisch-geistig, verpuppt sich
Zweite Stufe der Verwandlung: Mann
verleibt sich Frau ein, sinnlich-physisch gleichsam als Parasiten
Dritte Stufe der Verwandlung: Frau
streift Hülle und Wirtskörper ab