Vor
fast 35 Jahren weggeschickt nach heute. Vom ruhenden Parasiten im
Körper einer Familie zum ruhenden Parasiten des Körpers unseres
Staates und den Weg der Arbeit dazwischen widerlegt und übersprungen.
Aus einer sich grenzenlos weitenden Körperlichkeit in eine weitere,
Raum im Raum braucht keine Zeit. Der Schmerz beweist nicht, dass ich
wirklich bin und nicht geträumt. Die Arbeit ist kein Grund für
Zeit, Zukunft und Vergänglichkeit. Das Bewusstsein steht machtlos
zwischen Träumen und Wachen. Es gibt auch nicht mehr als eine Welt,
die jedoch als Kaleidoskop. Es ist sehr seltsam, dass Zeitgetrommel mich erst vor kurzem wieder aufgeweckt und meiner Seele das bisher größte Loch im Körper und Körpersinn gerissen hat. Der
Text sollte nur wirken und gespürt werden, die Entfaltung der
Gedanken erfolgte ausgehend vom einen Körper, hin zur
allesumfassenden Hülle. Im Kum Nye hab ich vor kurzem auch zufällig die
mir vielleicht angeborene Fähigkeit oder diesen Geburtsfehler als
erlernbare Technik endeckt. Es ist aber für alle wahrscheinlich auch ein sehr konkreter Geburtsfehler des Menschen. Wirklich leicht lernbar. Geschrieben
in der ersten der unvollkommenen Transformationen, die jedoch hier im
Kern schon deutlich überschritten wird, und einen Prozess
einleitete, der dann auch noch bis vor kurzem dauern sollte. In ihm wird der Körper gleich neben den Kopf gestellt. Der Text
gehört der Vergangenheit und kann bis zur Vollendung der zweiten
Transformation, die jetzt massiv eingesetzt hat, hier stehen bleiben.
Also beginnt jetzt irgendwo ein Tanz und keiner - oder nur einer - wird Zuschauer sein. Und die Struktur wird sich nochmals wandeln und nur einem werde ich berichten, zu einer Zeit, die er selbst noch nicht weiß. Für mich ist dieser Mensch schon gegenwärtig. Er selbst lebt noch im Traum eines andern. Einem Menschen in Mittelalter der Jugend hatte sich einmal die Welt vor langer Zeit neu dargestellt. Es ist auch eine Art Pakt eines Anderen mit sich selbst.
Der war physisch noch nicht zur Wirklichkeit gereift, kein Mann, kein
Mensch, ein hässliches Etwas, ein stolperndes Geh'n. Der Körper hat sich den Verstand angeeignet, ihn sich einverleibt und folgendermaßen unvollkommen verdaut: Für kommende Schritte halte ich den Platz neben mir frei für Dich, der Du einzig bist für mich.
Text
1/5
- Das Große und das Kleine
Ein
Mittler von Mensch zu Mensch in allgemein gesellschaftlicher
Bedeutung beansprucht Sinn ausschließlich für sich, schafft
Menschen ohne Sinn, ohne unmittelbar den gesellschaftlichen
Verhältnissen entspringenden Wert, macht alle gleich: unsere Arbeit
und der erarbeitete Gegenstand. Der gegenständliche Sinn, u. a. im
Schreiben, entzieht mir meinen Wert, was erkannt wird in der
vermeintlich verkehrten Wertungsweise des andern: man reibt sich
aneinander in unverbindlichem Intrigenspiel. Die Seele wird weit, wo
der Mensch haltlos, sein Sein sinnentleert ist, der Mitmensch wird
zum Parasiten, Pharisäer. Schreiben, Abstraktion, Analyse,
Dialektik, Warenproduktion veräußert jeden Wert, den man sich nur
wieder aneignet, indem man ihn dem andern abspricht, einfach durch
Konkurrenz, reflektiert durch Umwertung der Werte, Sprechen als
Widerspruch. So sind alle Werte im allgemeinen Mittler allein dem
Mitmenschen geschuldet. Endlich wird noch der Mensch selbst zum
Mittelglied gleichzeitig mit der Aufhebung jeden Sinns überhaupt.
Schon die Umwertung ist nichts als Symptom des Verlusts aller Werte.
Das Ziel der Bewegung heißt allgemeine Verwirrung, Anarchie, sei's
die Anarchie der andern, sei's die eigene Göttlichkeit. Es ergeben
sich drei wesentliche Merkmale, Eigenschaften, Bewegungen für die beschriebene Situation: 1.
die Aneignung fremder Arbeit Produkt im Intrigen- und Konkurrenzspiel
(äußerer Gegensatz) treibt 2. Selbstbewusstsein und Bewusstsein
auseinander, zerlegt das Bewusstsein in sinnlose Fragmente
(Weltuntergang) und findet 3. Halt allein noch im Selbstbewusstsein
(der Erlöser). Solange dem Bewusstsein die Gesellschaft eine Grenze
setzt, heißt der Verfall Ahnung jenseitiger Verhältnisse,
Frömmigkeit, Sinnfrage, Hoffnung, Menschlichkeit, Utopie usw.
Schließlich geht das Bewusstsein auseinander um endlos in seinen
Trümmern das Selbstbewusstsein widerzuspiegeln und mit sich zu einer
neuen Ordnung zusammenzufassen, zu einer grundlosen neuen Einheit und
himmlischen Gemeinde. Klein ist der abstrakte Unterschied, groß das
allgemeine Mittlertum.
2/5
- Selbstbewusstsein und Selbst
Zuerst
scheint das moderne Selbstbewusstsein Halt, von dem aus sich die Welt
der Vernunft mehr und mehr entfaltet. Vor dem Hintergrund einer ganz
entfalteten Welt zeigt es sich aber nur mehr als das Moment der
Entfaltung selbst, bloßer Ausdruck der Spaltung und das
selbstbewusste Subjekt droht im objektiven Gegensatz der Dinge zu
verschwinden. Während der archaische Wilde die Welt in einer Reihe mehr oder
weniger großer Einheiten hat, denen er gleichgestellt ist und die
unversöhnlich immer neu aneinander Scheitern, zerlegt sich dem
Menschen heute die Welt in Objekte unterschiedlichen Werts, die sich
nicht berühren und zwischen denen unser unbestimmtes Subjekt der
Differenz erscheint. Dem selbstbewussten Denken ist jetzt der
Gegenstand nicht mehr erst zu erarbeiten, sondern schon vorgegeben im
Schriftbild, das die Gedanken fixiert hat, oder in der Ware, in der
sich Arbeit vergegenständlicht. Damit ist der Zusammenhang der Dinge
für sich nicht mehr gegeben. Die Wertedifferenz ist nur ein fremdes,
gleichgültiges Unterscheidungsprinzip. Die Beziehung Herr/Knecht
zeigt offen dies Prinzip in der Repräsentation. Unsichtbar wird es
mit dem Aufkommen der Warenproduktion. Jedes Stück Wirklichkeit
beansprucht endlich noch die Unterscheidung allein für sich, hat
dann Wert oder Selbstwert. Wert ist stets ohne Gegenstand und
verschlingt alles oder alles ineinander. Der Körper des Menschen im
Anfang ist rein zufällig als Maß der Dinge gesetzt, Welt wie Körper
beliebig zerstückelt. Heute ist der Körper aus dem einfachen
Gegensatz heraus, die stückweise Bewegung der Prädikation, die
Menschen und Gemeinschaften gegeneinander hervortreibt, weicht dem
Gegensatz Bewegung/Ruhe der Pädikation. Bewegung ist objektiver
Gegensatz oder Wert der Dinge, Ruhe ist allesumfassende Hülle, e i n
Körper, Sinn ohne Inhalt, Sinnüberschuss, überflüssige Deutung,
Überfluss in Person, der Meister vom Himmel gefallen, die Sinne
selbst, Freiheit und Chaos.
Im
Selbstbewusstsein ist das Selbst des Menschen fixiert und unbestimmt
der Welt gegenübergetreten. Anfänglich ist das Selbst Bestandteil
jeder Erfahrung: Im Begreifen bewegt sich der Mensch mit. Die
Erarbeitung der Natur scheint dem archaischen Wilden die Arbeit nicht zu
entfremden, da die Entfremdung, das gesellschaftliche Sein des
Menschen, die dem andern geschuldete Arbeit, an jedem einzelnen
Objekt selbst erscheint und mit der Vernichtung des Objekts oder dem
Scheitern des archaischen Subjekts vollständig wieder verschwindet,
womit das Spiel neu beginnt. Es gibt Einschnitte in diese Bewegung,
homogene in sich geschlossene Bereiche gemeinsamer Arbeit, einfach
abstrakte Einheiten ohne wirkliche Funktion für die Gestaltung der
Welt, im Nachhinein unverbindlich gestellte Fragen: Mythos, Ritus,
Sprechen, Denken, große Mittler mit nur subjektiver Bedeutung, erste
Veräußerungen von Zwang. In der beseelten Welt sind Zwingendes und
Gezwungenes , äußerer und innerer Zwang noch beieinander. Alle
Objekte bleiben eigenständige Ganze, die der Begriff der Dinge als
unmittelbare Antwort auf den inneren Zwang auseinandertreibt.
3/5
- Innerer und äußerer Zwang
Höhere
Kultur beginnt mit der Veräußerlichung des Zwangs. Es ändert sich
die Form der Bewegung des Denkens und Handelns und die Gestalt der
Welt. Individuum und Gemeinschaft treten ganz auseinander, damit
verschwindet das beide zersetzende Moment, der innere Zwang und der
Kampf auf Leben und Tod. Die gemeinsame Arbeit, abstrakt
gesellschaftliche Funktion des Menschen, anfänglich unwirksame und
unbestimmte, wirklich freie Äußerung, beherrscht nun den Menschen.
Hier war der der Mensch anfänglich frei ohne das Bewusstsein der Freiheit. Die
bewusste Freiheit, Freiheit des Willens und Selbstbewusstseins, ist
nichts als der äußere Zwang selbst, eigentlich Willenslähmung. In
sie ist der Zwang des Menschen einmal übergegangen, das Selbst sublimiert und
verdrängt. Das archaische Subjekt lebt ausschließlich von der
Vergangenheit und schaut zugleich nur in die Zukunft. Das ist
Animismus, Not der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Objekt,
der Mensch bewegt vom restlos zerstörten Objekt zum neuen.
Kultureller Fortschritt kommt mit der Überlagerung archaischer
Gemeinwesen. Der Gegensatz wird objektiv zunächst am Menschen selbst
durch hierarchischen Gesellschaftsaufbau. Damit ist das Subjekt
freigesetzt zum einen als Herr zum andern dem überordnenden Bau
gegenüber überhaupt. Seine Ungebundenheit nach der Zertrümmerung
der archaischen Vergangenheit macht den Menschen jetzt zum Erfinder
der Vergangenheit, des vergangenen menschlichen Wesens, der
versklavten Vergangenheit, verlorenen Menschlichkeit, Abkunft,
Genealogie der Herrschaft, Gewalt, des vergangenen, ewig gewesenen
Zwangs, unseres Zwingens, unserer Macht. Er zwingt die Zukunft zur
Gegenwart im eigenen Begehren, in der Selbstverwirklichung durch
Eroberung, Wettstreit, im grenzenlosen Vertrauen auf die Zukunft, den
künftigen Sieg, im Leugnen der Zukunft als Not des versklavten
Tiers. Die überordnende Kultur zeigt zuerst unsere Kunst, die Kunst
der Repräsentation, aller Wandel niedergezwungen zur Fülle, Dauer,
zur Kluft der Gegenwart: Kunst als Prädikat, verwirklichte Freiheit
des Subjekts, Denken und Reden in Sätzen. (Einschub - später
Satzzeichen Sein, 1 vs. 0 )
Vollkommen
veräußert den Zwang dann die warenproduzierende Gesellschaft. Motor
allen Handelns ist nun das unbestimmte Begehren allein. Besitz
entwertet bloß, begehrt wird stets ein anderer Wert, der wahre: als
Zustand fassbar im allgemeinen Gegenwert der Dinge, im Geld ('nur
mehr auf 's Geld ist Verlass'). Zur Notwendigkeit wendet sich die
anfängliche Not. Die Vergangenheit geht unter, wo Arbeit
unvermeidlich wird, heißt jetzt z. B. Geschichte, wesentlich
unerledigte Pflicht, die mich vorantreibt. Zukunft ist die Not in
ihrer neuen Gestalt, der Ware, vergegenständlichter vergangener
Arbeit, des Konsumzwangs. Gegenwärtig ist die Gleichheit von Zukunft
und Vergangenheit, der Fluss stets anderer Arbeit Produkt, der
Ehrgeiz, der Konsum. Menschenmassen, Warenströme, dauernd bewegtes
Denken und Handeln haben ihren objektiven Ausdruck in Gewissen und
Kredit, unbestimmtem Glauben, Gegenwart der dem andern geschuldeten
Arbeit. Das Verhältnis Ursache/Wirkung, Wesen des objektiven
Gegensatzes, ist real, also richtig erfasst und zugleich imaginäre
Verkehrung, eine Verdrehung des Wahrnehmungsvorgangs.
4/5
- Ordnung und Körper
Das
überordnende Prinzip heißt zuletzt Verwaltung, hat sich damit
verselbständigt. Die moderne Verwaltung ist allein Grund Ihrer
selbst, absolute Ordnung, sie vergesellschaftet die Gesellschaft,
wenn Gesellschaft ordnendes Handeln ist. Der Mensch gesetzt neben die
Ordnung, fragt nun nach dem Grund seiner selbst. Das ist Verdichtung
gesellschaftlichen Seins im einzelnen Menschen, Selbstbewusstsein.
Arbeit und Konsum öffnen den Menschen neu: um den individuellen
Körper entsteht eine Welt als Körper. Die Dinge reiben sich nicht
mehr unmittelbar aneinander, sondern in einem ihnen ganz äußerlichen
Gegensatz, der sich aufzulösen strebt in einem alles umfassenden
allgemeinen Körper oder solange noch meinen Körper, wie ich bei
Verstand bin. Dies kann sich z. B. in folgender Behauptung äußern:
die Dinge reiben sich aneinander ( Intrige, Theateraffekt, Lüge),
einzige Ausnahme ist meine herrliche und überhebliche Wenigkeit und maßlose
Bescheidenheit. Alles hält sich für den Mittelpunkt der Welt,
glaubt die Wahrheit gepachtet - zu haben: die Wahrheit des
Spiegelfechters, es gibt keine sonst. Hin ist der allgemeine Urheber
der Dinge, der wilde archaische Gegensatz, der Urvater. Geblieben ist der
objektive Gegensatz, mein imaginärer Widersacher und endlich mein
Sieg in einfacher Oberflächlichkeit der Welt oder auch gewaltiger körperlicher
Erfahrung der Dinge, solange die Sinne noch beisammen sind. Die
Körperlichkeit belebt den abstrakt toten Gegenstand neu, nur lässt
ihn die Wiederauferstehung ganz unbestimmt, ohne Unterschied zu mir
und anderen Objekten. Die Organe der Wahrnehmung streben nun
auseinander und Ihre Leistungen durcheinander. Alles zerfließt. Die Organe spiegeln einzeln sich in
sich, bilden große Räume des Wahrnehmungsvermögens, die das noch
bestehende Subjekt der Wahrnehmung umfassen: z. B. ist ein Ohr im
Ohr, dem alles räumlich widerhallt oder man nährt sich vom
Hunger, verzehrt sich selbst. Alles Vorstufen der
Vollkommenheit oder allgemeinen Verwirrung, eigentliche Umwege der
Vollendung, Vollendung ist Umweg, zum Himmelreich führt nur die
Hintertür.
5/5
- Körper, Risse, Reste
Wahrgenommen
wird, was auch vernichtet wird, das macht das Gedächtnis. Subjekt
und Objekt bewegen sich auseinander, die Bewegung ist ihr Mangel, der
verschwindet in der einfachen Vernichtung des Objekts. Das Gedächtnis
ist ein Spiegel, weil der Mensch gleich neben dem Objekt steht, es
ist reine Vergegenständlichung des Mangels. Die Vernichtung fixiert
die Trennung und erzeugt Zeichen. Der Mangel als Gegenstand ist
einzelner Begriff als großes Zeichensystem (kollektive Phantasie).
Dieser Spaltung von Subjekt und Objekt entspricht eine Spaltung des
Körpers, physisches Ungenügen, innerer Zwang. Sie ist zugleich
Spaltung in Körper und Geist, Geist aber hier noch nur
Randerscheinung, das Zeichensystem selbst. Alle Objekte haben den
Mangel der Vergangenheit, vernichtet werden sie nachträglich, die
Not wird so nie überwunden, die Vernichtung bleibt stets künftig.
Anders: die Vernichtung verbannt das Objekt in die Vergangenheit,
bleibt als Mangel bestehen, Mangel als Zukunft. Der Tod ist darum
unbekannt, er wird immer erst.
Ist
aber alles nur mehr im Begriff, so ist der Mangel fixiert, Gegenwart,
äußerlich, Geist, die Spaltung besiegelt. Es zerreißt der
Zusammenhang der Dinge, im äußeren Gegensatz geht das Subjekt
unter, gebiert sich selbst, Werden als Dauerzustand, der Tod
verworfen gewollt ( Todestrieb = ewiges Leben = Jenseits). Der äußere
Gegensatz: Geist ist die Aufhebung des inneren: Körper,
Geisteskrankheit Auflösung des Körpers.
Arbeit,
ein anderes Wort für menschliches Sein, ist beim Menschen erst Spaltung des
Körpers sowie das willenlos freie wilde Denken, die selbständige
Entfaltung des Wissens, der Differenz Natur/Kultur. Der Mensch
anfänglich arbeitet nicht, insofern er ja die Notwendigkeit der Arbeit
verkörpert, sich selbst mit der Welt erarbeitet. Die Beschriftung
des Körpers, das Leid, ist bewusster Ausdruck der Arbeit. Physischer
Zwang, körperliche Arbeit, materielle Not, Sklaverei, sind Reste
archaischen Menschseins. Das Schreiben erlaubt es im Nachhinein,
Buchform, über Tantiemen den Faktor Arbeit ganz zu vernachlässigen
oder unbestimmt als Selbstwert großzuschreiben, was Idealismus
heißt. Übrigens: Idealismus und Idealismus ist einerlei:
Begriffsverdopplungen, -spiegelungen, scheinbare Sinnvermehrung sind
Spiel äußerer Gewalt, ebenso sinnvoll wie sinnlos, endlich ein
Sinn, Unsinn, unsere neue Einheit der Sinne. Den Grund für die
Unterscheidung äußerer/innerer Zwang bedingen Reste des inneren,
die unter der Maske des äußeren erscheinen. Rest ist ein
verdrängter äußerer, vormals verdichteter innerer Zustand.
Verdichtung im Traum oder Sprechen des wilden Subjekts heißt: alle Elemente
sind von den gleichen Momenten geprägt. Diese Momente sind für den archaischen Wilden Ausdruck der Verbundenheit mit der Welt. Es sind
Stoffwechselprodukte des Körpers und der Gesellschaft. Sie werden
bei der Interpretation eines Textes nur negativ, als fehlend
nachgewiesen. Sie sind heute entweder überhaupt nicht mehr oder als
Reste ohne wirkliche gesellschaftliche Funktion vorhanden. Reste sind
gesellschaftliche Funktionen als leere Begriffe: Individualität,
Familie, Sitte, das Leben u. a. Man nimmt die Produkte menschlichen
Seins als Ursachen und erzeugt sich selbst in einem phantastischen
Inzest. Die Gründe sind real, nur keine Gründe, sondern
nachträglich den Dingen untergeschoben. Auf sie baut der äußere
Gegensatz im Urteil, das für sich ohne Halt ist. Der Körper des
Menschen hat von Natur aus symbolischen Charakter. Die symbolische
Beziehung zum Objekt heißt Projektion, Zeichensetzung, reine
Nervensache. So bindet der grundsätzliche Mangel unseres Körpers an
die Außenwelt. Sinnliche Wahrnehmung ist innerer Sinn, Vorstellung
äußerer (auch Vernunft, Verstand u. dgl.). Die Ordnung der Dinge
und die Ordnung des Körpers decken sich um den Preis des
zerfallenden Körpers und des Zerfalls Körper/Welt. Das ist unsere
Autorität, gleiches Recht aller, Belebung des Wahrgenommenen,
Systembildung, binäre Opposition, Ödipus' Scheitern auf der Bühne.
Begreifen ist immer phantastisch, aber im Begriff wird die Phantasie
endlich dauernd fixiert. Begriffe liefern äußere Knoten, imaginäre
Risse, das ist Phantasie, Aufhebung des Wahrnehmungsvorgangs,
Vertauschung Wahrnehmung/Wahrgenommenes (obwohl - oder weil -
zugleich richtig erfasst in ihrer Beziehung zueinander). Verzögert
wird der Fortschritt durch Produktion von Resten von Menschlichkeit:
Vergehen, die aus der Gemeinschaft ausstoßen, teilweise
Wiederherstellung des Körpers, Fehlleistung, stets quasi-realer
Vatermord, statt imaginärem im Urteil gegen den Täter.