Montag, 12. November 2012

Botschaft aus der Vergangenheit


Vor fast 35 Jahren weggeschickt nach heute. Vom ruhenden Parasiten im Körper einer Familie zum ruhenden Parasiten des Körpers unseres Staates und den Weg der Arbeit dazwischen widerlegt und übersprungen. Aus einer sich grenzenlos weitenden Körperlichkeit in eine weitere, Raum im Raum braucht keine Zeit. Der Schmerz beweist nicht, dass ich wirklich bin und nicht geträumt. Die Arbeit ist kein Grund für Zeit, Zukunft und Vergänglichkeit. Das Bewusstsein steht machtlos zwischen Träumen und Wachen. Es gibt auch nicht mehr als eine Welt, die jedoch als Kaleidoskop. Es ist sehr seltsam, dass Zeitgetrommel mich erst vor kurzem wieder aufgeweckt und meiner Seele das bisher größte Loch im Körper und Körpersinn gerissen hat. Der Text sollte nur wirken und gespürt werden, die Entfaltung der Gedanken erfolgte ausgehend vom einen Körper, hin zur allesumfassenden Hülle. Im Kum Nye hab ich vor kurzem auch zufällig die mir vielleicht angeborene Fähigkeit oder diesen Geburtsfehler als erlernbare Technik endeckt. Es ist aber für alle wahrscheinlich auch ein sehr konkreter Geburtsfehler des Menschen. Wirklich leicht lernbar. Geschrieben in der ersten der unvollkommenen Transformationen, die jedoch hier im Kern schon deutlich überschritten wird, und einen Prozess einleitete, der dann auch noch bis vor kurzem dauern sollte. In ihm wird der Körper gleich neben den Kopf gestellt. Der Text gehört der Vergangenheit und kann bis zur Vollendung der zweiten Transformation, die jetzt massiv eingesetzt hat, hier stehen bleiben. Also beginnt jetzt irgendwo ein Tanz und keiner - oder nur einer - wird Zuschauer sein. Und die Struktur wird sich nochmals wandeln und nur einem werde ich berichten, zu einer Zeit, die er selbst noch nicht weiß. Für mich ist dieser Mensch schon gegenwärtig. Er selbst lebt noch im Traum eines andern. Einem Menschen in Mittelalter der Jugend hatte sich einmal die Welt vor langer Zeit neu dargestellt. Es ist auch eine Art Pakt eines Anderen mit sich selbst. Der war physisch noch nicht zur Wirklichkeit gereift, kein Mann, kein Mensch, ein hässliches Etwas, ein stolperndes Geh'n. Der Körper hat sich den Verstand angeeignet, ihn sich einverleibt und folgendermaßen unvollkommen verdaut: Für kommende Schritte halte ich den Platz neben mir frei für Dich, der Du einzig bist für mich.

Text

1/5 - Das Große und das Kleine


Ein Mittler von Mensch zu Mensch in allgemein gesellschaftlicher Bedeutung beansprucht Sinn ausschließlich für sich, schafft Menschen ohne Sinn, ohne unmittelbar den gesellschaftlichen Verhältnissen entspringenden Wert, macht alle gleich: unsere Arbeit und der erarbeitete Gegenstand. Der gegenständliche Sinn, u. a. im Schreiben, entzieht mir meinen Wert, was erkannt wird in der vermeintlich verkehrten Wertungsweise des andern: man reibt sich aneinander in unverbindlichem Intrigenspiel. Die Seele wird weit, wo der Mensch haltlos, sein Sein sinnentleert ist, der Mitmensch wird zum Parasiten, Pharisäer. Schreiben, Abstraktion, Analyse, Dialektik, Warenproduktion veräußert jeden Wert, den man sich nur wieder aneignet, indem man ihn dem andern abspricht, einfach durch Konkurrenz, reflektiert durch Umwertung der Werte, Sprechen als Widerspruch. So sind alle Werte im allgemeinen Mittler allein dem Mitmenschen geschuldet. Endlich wird noch der Mensch selbst zum Mittelglied gleichzeitig mit der Aufhebung jeden Sinns überhaupt. Schon die Umwertung ist nichts als Symptom des Verlusts aller Werte. Das Ziel der Bewegung heißt allgemeine Verwirrung, Anarchie, sei's die Anarchie der andern, sei's die eigene Göttlichkeit. Es ergeben sich drei wesentliche Merkmale, Eigenschaften, Bewegungen für die beschriebene Situation: 1. die Aneignung fremder Arbeit Produkt im Intrigen- und Konkurrenzspiel (äußerer Gegensatz) treibt 2. Selbstbewusstsein und Bewusstsein auseinander, zerlegt das Bewusstsein in sinnlose Fragmente (Weltuntergang) und findet 3. Halt allein noch im Selbstbewusstsein (der Erlöser). Solange dem Bewusstsein die Gesellschaft eine Grenze setzt, heißt der Verfall Ahnung jenseitiger Verhältnisse, Frömmigkeit, Sinnfrage, Hoffnung, Menschlichkeit, Utopie usw. Schließlich geht das Bewusstsein auseinander um endlos in seinen Trümmern das Selbstbewusstsein widerzuspiegeln und mit sich zu einer neuen Ordnung zusammenzufassen, zu einer grundlosen neuen Einheit und himmlischen Gemeinde. Klein ist der abstrakte Unterschied, groß das allgemeine Mittlertum.


2/5 - Selbstbewusstsein und Selbst


Zuerst scheint das moderne Selbstbewusstsein Halt, von dem aus sich die Welt der Vernunft mehr und mehr entfaltet. Vor dem Hintergrund einer ganz entfalteten Welt zeigt es sich aber nur mehr als das Moment der Entfaltung selbst, bloßer Ausdruck der Spaltung und das selbstbewusste Subjekt droht im objektiven Gegensatz der Dinge zu verschwinden. Während der archaische Wilde die Welt in einer Reihe mehr oder weniger großer Einheiten hat, denen er gleichgestellt ist und die unversöhnlich immer neu aneinander Scheitern, zerlegt sich dem Menschen heute die Welt in Objekte unterschiedlichen Werts, die sich nicht berühren und zwischen denen unser unbestimmtes Subjekt der Differenz erscheint. Dem selbstbewussten Denken ist jetzt der Gegenstand nicht mehr erst zu erarbeiten, sondern schon vorgegeben im Schriftbild, das die Gedanken fixiert hat, oder in der Ware, in der sich Arbeit vergegenständlicht. Damit ist der Zusammenhang der Dinge für sich nicht mehr gegeben. Die Wertedifferenz ist nur ein fremdes, gleichgültiges Unterscheidungsprinzip. Die Beziehung Herr/Knecht zeigt offen dies Prinzip in der Repräsentation. Unsichtbar wird es mit dem Aufkommen der Warenproduktion. Jedes Stück Wirklichkeit beansprucht endlich noch die Unterscheidung allein für sich, hat dann Wert oder Selbstwert. Wert ist stets ohne Gegenstand und verschlingt alles oder alles ineinander. Der Körper des Menschen im Anfang ist rein zufällig als Maß der Dinge gesetzt, Welt wie Körper beliebig zerstückelt. Heute ist der Körper aus dem einfachen Gegensatz heraus, die stückweise Bewegung der Prädikation, die Menschen und Gemeinschaften gegeneinander hervortreibt, weicht dem Gegensatz Bewegung/Ruhe der Pädikation. Bewegung ist objektiver Gegensatz oder Wert der Dinge, Ruhe ist allesumfassende Hülle, e i n Körper, Sinn ohne Inhalt, Sinnüberschuss, überflüssige Deutung, Überfluss in Person, der Meister vom Himmel gefallen, die Sinne selbst, Freiheit und Chaos.
Im Selbstbewusstsein ist das Selbst des Menschen fixiert und unbestimmt der Welt gegenübergetreten. Anfänglich ist das Selbst Bestandteil jeder Erfahrung: Im Begreifen bewegt sich der Mensch mit. Die Erarbeitung der Natur scheint dem archaischen Wilden die Arbeit nicht zu entfremden, da die Entfremdung, das gesellschaftliche Sein des Menschen, die dem andern geschuldete Arbeit, an jedem einzelnen Objekt selbst erscheint und mit der Vernichtung des Objekts oder dem Scheitern des archaischen Subjekts vollständig wieder verschwindet, womit das Spiel neu beginnt. Es gibt Einschnitte in diese Bewegung, homogene in sich geschlossene Bereiche gemeinsamer Arbeit, einfach abstrakte Einheiten ohne wirkliche Funktion für die Gestaltung der Welt, im Nachhinein unverbindlich gestellte Fragen: Mythos, Ritus, Sprechen, Denken, große Mittler mit nur subjektiver Bedeutung, erste Veräußerungen von Zwang. In der beseelten Welt sind Zwingendes und Gezwungenes , äußerer und innerer Zwang noch beieinander. Alle Objekte bleiben eigenständige Ganze, die der Begriff der Dinge als unmittelbare Antwort auf den inneren Zwang auseinandertreibt.


3/5 - Innerer und äußerer Zwang


Höhere Kultur beginnt mit der Veräußerlichung des Zwangs. Es ändert sich die Form der Bewegung des Denkens und Handelns und die Gestalt der Welt. Individuum und Gemeinschaft treten ganz auseinander, damit verschwindet das beide zersetzende Moment, der innere Zwang und der Kampf auf Leben und Tod. Die gemeinsame Arbeit, abstrakt gesellschaftliche Funktion des Menschen, anfänglich unwirksame und unbestimmte, wirklich freie Äußerung, beherrscht nun den Menschen. Hier war der der Mensch anfänglich frei ohne das Bewusstsein der Freiheit. Die bewusste Freiheit, Freiheit des Willens und Selbstbewusstseins, ist nichts als der äußere Zwang selbst, eigentlich Willenslähmung. In sie ist der Zwang des Menschen einmal übergegangen, das Selbst sublimiert und verdrängt. Das archaische Subjekt lebt ausschließlich von der Vergangenheit und schaut zugleich nur in die Zukunft. Das ist Animismus, Not der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Objekt, der Mensch bewegt vom restlos zerstörten Objekt zum neuen. Kultureller Fortschritt kommt mit der Überlagerung archaischer Gemeinwesen. Der Gegensatz wird objektiv zunächst am Menschen selbst durch hierarchischen Gesellschaftsaufbau. Damit ist das Subjekt freigesetzt zum einen als Herr zum andern dem überordnenden Bau gegenüber überhaupt. Seine Ungebundenheit nach der Zertrümmerung der archaischen Vergangenheit macht den Menschen jetzt zum Erfinder der Vergangenheit, des vergangenen menschlichen Wesens, der versklavten Vergangenheit, verlorenen Menschlichkeit, Abkunft, Genealogie der Herrschaft, Gewalt, des vergangenen, ewig gewesenen Zwangs, unseres Zwingens, unserer Macht. Er zwingt die Zukunft zur Gegenwart im eigenen Begehren, in der Selbstverwirklichung durch Eroberung, Wettstreit, im grenzenlosen Vertrauen auf die Zukunft, den künftigen Sieg, im Leugnen der Zukunft als Not des versklavten Tiers. Die überordnende Kultur zeigt zuerst unsere Kunst, die Kunst der Repräsentation, aller Wandel niedergezwungen zur Fülle, Dauer, zur Kluft der Gegenwart: Kunst als Prädikat, verwirklichte Freiheit des Subjekts, Denken und Reden in Sätzen. (Einschub - später Satzzeichen Sein, 1 vs. 0 )
Vollkommen veräußert den Zwang dann die warenproduzierende Gesellschaft. Motor allen Handelns ist nun das unbestimmte Begehren allein. Besitz entwertet bloß, begehrt wird stets ein anderer Wert, der wahre: als Zustand fassbar im allgemeinen Gegenwert der Dinge, im Geld ('nur mehr auf 's Geld ist Verlass'). Zur Notwendigkeit wendet sich die anfängliche Not. Die Vergangenheit geht unter, wo Arbeit unvermeidlich wird, heißt jetzt z. B. Geschichte, wesentlich unerledigte Pflicht, die mich vorantreibt. Zukunft ist die Not in ihrer neuen Gestalt, der Ware, vergegenständlichter vergangener Arbeit, des Konsumzwangs. Gegenwärtig ist die Gleichheit von Zukunft und Vergangenheit, der Fluss stets anderer Arbeit Produkt, der Ehrgeiz, der Konsum. Menschenmassen, Warenströme, dauernd bewegtes Denken und Handeln haben ihren objektiven Ausdruck in Gewissen und Kredit, unbestimmtem Glauben, Gegenwart der dem andern geschuldeten Arbeit. Das Verhältnis Ursache/Wirkung, Wesen des objektiven Gegensatzes, ist real, also richtig erfasst und zugleich imaginäre Verkehrung, eine Verdrehung des Wahrnehmungsvorgangs.


4/5 - Ordnung und Körper


Das überordnende Prinzip heißt zuletzt Verwaltung, hat sich damit verselbständigt. Die moderne Verwaltung ist allein Grund Ihrer selbst, absolute Ordnung, sie vergesellschaftet die Gesellschaft, wenn Gesellschaft ordnendes Handeln ist. Der Mensch gesetzt neben die Ordnung, fragt nun nach dem Grund seiner selbst. Das ist Verdichtung gesellschaftlichen Seins im einzelnen Menschen, Selbstbewusstsein. Arbeit und Konsum öffnen den Menschen neu: um den individuellen Körper entsteht eine Welt als Körper. Die Dinge reiben sich nicht mehr unmittelbar aneinander, sondern in einem ihnen ganz äußerlichen Gegensatz, der sich aufzulösen strebt in einem alles umfassenden allgemeinen Körper oder solange noch meinen Körper, wie ich bei Verstand bin. Dies kann sich z. B. in folgender Behauptung äußern: die Dinge reiben sich aneinander ( Intrige, Theateraffekt, Lüge), einzige Ausnahme ist meine herrliche und überhebliche Wenigkeit und maßlose Bescheidenheit. Alles hält sich für den Mittelpunkt der Welt, glaubt die Wahrheit gepachtet - zu haben: die Wahrheit des Spiegelfechters, es gibt keine sonst. Hin ist der allgemeine Urheber der Dinge, der wilde archaische Gegensatz, der Urvater. Geblieben ist der objektive Gegensatz, mein imaginärer Widersacher und endlich mein Sieg in einfacher Oberflächlichkeit der Welt oder auch gewaltiger körperlicher Erfahrung der Dinge, solange die Sinne noch beisammen sind. Die Körperlichkeit belebt den abstrakt toten Gegenstand neu, nur lässt ihn die Wiederauferstehung ganz unbestimmt, ohne Unterschied zu mir und anderen Objekten. Die Organe der Wahrnehmung streben nun auseinander und Ihre Leistungen durcheinander. Alles zerfließt. Die Organe spiegeln einzeln sich in sich, bilden große Räume des Wahrnehmungsvermögens, die das noch bestehende Subjekt der Wahrnehmung umfassen: z. B. ist ein Ohr im Ohr, dem alles räumlich widerhallt oder man nährt sich vom Hunger, verzehrt sich selbst. Alles Vorstufen der Vollkommenheit oder allgemeinen Verwirrung, eigentliche Umwege der Vollendung, Vollendung ist Umweg, zum Himmelreich führt nur die Hintertür.


5/5 - Körper, Risse, Reste


Wahrgenommen wird, was auch vernichtet wird, das macht das Gedächtnis. Subjekt und Objekt bewegen sich auseinander, die Bewegung ist ihr Mangel, der verschwindet in der einfachen Vernichtung des Objekts. Das Gedächtnis ist ein Spiegel, weil der Mensch gleich neben dem Objekt steht, es ist reine Vergegenständlichung des Mangels. Die Vernichtung fixiert die Trennung und erzeugt Zeichen. Der Mangel als Gegenstand ist einzelner Begriff als großes Zeichensystem (kollektive Phantasie). Dieser Spaltung von Subjekt und Objekt entspricht eine Spaltung des Körpers, physisches Ungenügen, innerer Zwang. Sie ist zugleich Spaltung in Körper und Geist, Geist aber hier noch nur Randerscheinung, das Zeichensystem selbst. Alle Objekte haben den Mangel der Vergangenheit, vernichtet werden sie nachträglich, die Not wird so nie überwunden, die Vernichtung bleibt stets künftig. Anders: die Vernichtung verbannt das Objekt in die Vergangenheit, bleibt als Mangel bestehen, Mangel als Zukunft. Der Tod ist darum unbekannt, er wird immer erst.
Ist aber alles nur mehr im Begriff, so ist der Mangel fixiert, Gegenwart, äußerlich, Geist, die Spaltung besiegelt. Es zerreißt der Zusammenhang der Dinge, im äußeren Gegensatz geht das Subjekt unter, gebiert sich selbst, Werden als Dauerzustand, der Tod verworfen gewollt ( Todestrieb = ewiges Leben = Jenseits). Der äußere Gegensatz: Geist ist die Aufhebung des inneren: Körper, Geisteskrankheit Auflösung des Körpers.
Arbeit, ein anderes Wort für menschliches Sein, ist beim Menschen erst Spaltung des Körpers sowie das willenlos freie wilde Denken, die selbständige Entfaltung des Wissens, der Differenz Natur/Kultur. Der Mensch anfänglich arbeitet nicht, insofern er ja die Notwendigkeit der Arbeit verkörpert, sich selbst mit der Welt erarbeitet. Die Beschriftung des Körpers, das Leid, ist bewusster Ausdruck der Arbeit. Physischer Zwang, körperliche Arbeit, materielle Not, Sklaverei, sind Reste archaischen Menschseins. Das Schreiben erlaubt es im Nachhinein, Buchform, über Tantiemen den Faktor Arbeit ganz zu vernachlässigen oder unbestimmt als Selbstwert großzuschreiben, was Idealismus heißt. Übrigens: Idealismus und Idealismus ist einerlei: Begriffsverdopplungen, -spiegelungen, scheinbare Sinnvermehrung sind Spiel äußerer Gewalt, ebenso sinnvoll wie sinnlos, endlich ein Sinn, Unsinn, unsere neue Einheit der Sinne. Den Grund für die Unterscheidung äußerer/innerer Zwang bedingen Reste des inneren, die unter der Maske des äußeren erscheinen. Rest ist ein verdrängter äußerer, vormals verdichteter innerer Zustand. Verdichtung im Traum oder Sprechen des wilden Subjekts heißt: alle Elemente sind von den gleichen Momenten geprägt. Diese Momente sind für den archaischen Wilden Ausdruck der Verbundenheit mit der Welt. Es sind Stoffwechselprodukte des Körpers und der Gesellschaft. Sie werden bei der Interpretation eines Textes nur negativ, als fehlend nachgewiesen. Sie sind heute entweder überhaupt nicht mehr oder als Reste ohne wirkliche gesellschaftliche Funktion vorhanden. Reste sind gesellschaftliche Funktionen als leere Begriffe: Individualität, Familie, Sitte, das Leben u. a. Man nimmt die Produkte menschlichen Seins als Ursachen und erzeugt sich selbst in einem phantastischen Inzest. Die Gründe sind real, nur keine Gründe, sondern nachträglich den Dingen untergeschoben. Auf sie baut der äußere Gegensatz im Urteil, das für sich ohne Halt ist. Der Körper des Menschen hat von Natur aus symbolischen Charakter. Die symbolische Beziehung zum Objekt heißt Projektion, Zeichensetzung, reine Nervensache. So bindet der grundsätzliche Mangel unseres Körpers an die Außenwelt. Sinnliche Wahrnehmung ist innerer Sinn, Vorstellung äußerer (auch Vernunft, Verstand u. dgl.). Die Ordnung der Dinge und die Ordnung des Körpers decken sich um den Preis des zerfallenden Körpers und des Zerfalls Körper/Welt. Das ist unsere Autorität, gleiches Recht aller, Belebung des Wahrgenommenen, Systembildung, binäre Opposition, Ödipus' Scheitern auf der Bühne. Begreifen ist immer phantastisch, aber im Begriff wird die Phantasie endlich dauernd fixiert. Begriffe liefern äußere Knoten, imaginäre Risse, das ist Phantasie, Aufhebung des Wahrnehmungsvorgangs, Vertauschung Wahrnehmung/Wahrgenommenes (obwohl - oder weil - zugleich richtig erfasst in ihrer Beziehung zueinander). Verzögert wird der Fortschritt durch Produktion von Resten von Menschlichkeit: Vergehen, die aus der Gemeinschaft ausstoßen, teilweise Wiederherstellung des Körpers, Fehlleistung, stets quasi-realer Vatermord, statt imaginärem im Urteil gegen den Täter.