Sonntag, 25. November 2012

Körperlichkeit

Wie kann die Vorstellung von etwas Großem und sehr Mächtigem neben einem dazugestellten sehr Kleinen, strich- oder punktförmigen, eine Art Trance, ein Gefühl der Schwere und der zunehmenden Weite, Fülle des Köpers oder seiner Hülle, auslösen? Der Zustand Einstieg in einen Wach-Traum ist nicht Folge eines Traumas oder einer Verletzung der Psyche oder des Körpers. Die Psychoanalyse ist hier ganz entbehrlich. Es liegen dabei ja keine kleinen neurotischen Körper-Symptome vor und auch keine allgemeine Schwächung der Physis und des Geistes. Im Gegenteil, der Körper dazu ist außergewöhnlich gesund und geistig vollkommen normal, eingebunden und untergetaucht im allgemeinen Kommunikationsnetz von Sprache, Arbeit, Leben, wie der aller anderen auch. Es gibt also keine feststellbaren Behinderungen, die erklärt werden müssten. Allenfalls besteht da diese leicht auffällige Innerlichkeit oder Schüchternheit, oder eher innere Empfindlichkeit, das Leid am andern, die aber wohl Folge jener Möglichkeit der Ausdehnung des Körpers und Geistes auf Alles und Jeden sein kann und eine Reaktion darauf, die einfach nur zurückhält und zurück zwingt in den Körper und auf ein Selbst hin, weg von allen und allem. Man muss sich doch lediglich ein großes Objekt neben einem kleinen, verschwindend winzigen vorstellen und schon versinken die Sinne im Körper und er selbst verwandelt sich in ein großes Wahrnehmungsfeld, in gewisser Weise entsprechend einem Spiegel. 'Regression und Spiegelstadium' singen dazu die Analytiker. Blödsinn! Denn es gibt bei keinerlei Anzeichen von Paraphrenie (weder Verfolgungswahn, Persönlichkeitsverlust und -spaltung noch irgendwelche offensichtlich schizophrene Denk- und Wahrnehmungsstörungen) lediglich mit den Autisten verbindet einen etwas und eins, nämlich Verständnis und Sympathie. Die Körperlichkeit der Erfahrung der Außenwelt in der Trance lässt nicht in eine Welt der hübschen Märchen und grausamen Monster eintauchen, sondern erzeugt zum ungewöhnlichen Gefühl nur einen Zweifel an der Richtigkeit und Zuverlässigkeit von Wahrnehmung und Raum, Zeit, Kausalität. Man bleibt ja trotz dieses Heraus-Tretens aus sich bewusst in Körper und Welt weiterhin gefangen. Die Wahrnehmung aller Menschen erfolgt nach einer dazu gegebenen Vorstellung von der Rückseite des Spiegels her. Normalerweise stehen dabei Ich und selbst auf einer Seite bei der Spiegelung. Die allgemeine Körperlichkeit der Wahrnehmung in der Trance lässt nun dem Empfinden nach auf der Rückseite des Spiegels ein erstarrtes Selbst zurück, ein Bild im Stein und entlässt das Ich frei in die Welt davor - räumlich, zeitlich - für einen neuen Begriff von ihr. Das kluge Tier als Vorstufe des Menschen steht immer nur v o r dem Spiegel und erkennt sich in dem Sinn, als es sich mit dem Spiegelbild als freundliche Einheit betrachtet. Tiere schauen sich daher nicht in die Augen, wie wir: real sind sie nie  e i n s . Hat einem schon jemals ein Tier zugezwinkert? Allenfalls im Traum. Der Mensch macht dann einen Sprung hinter den Spiegel, er erkennt sich daher auch nicht direkt im Spiegel, sondern sieht sich von dahinter, sieht also von der blinden Seite des Spiegels in der Realität davor. Das ist Bewußtsein. Das Tier hat ein großes Selbst der Vielen. Dem Menschen aber spaltet es sich hinter dem Spiegel auf in ein kleines selbst der vielen Kleinen und ein großes freies Ich. Ich denkt er und zieht ein Sein hinter sich her: ich denke also bin ich. Im Zustand der Trance gelingt es meiner Meinung nach dem - meinem - Ich, meine ich, die Spaltung von ich und selbst (bin) voranzutreiben und das kleine reale Selbst, das der Mensch in so viele Begriffe gepackt hat, noch stärker zu verkleinern bis zum kleinsten Knoten und zur Versteinerung, so dass nun das Ich es (Es) verlassen kann. Ich tritt erneut ein die alte Wirklichkeit und erkennt, dass die nie eine war. Darum führt auch diese Trance oder die Körperlichkeit der Wahrnehmung der Dinge und der Welt zu absolut neuen Erfahrungen und ist nicht, wie es dem Verstand lieber erscheint oder erschienen wäre, der im absolut nichtigen Bereich der Begriffe hinter dem Spiegel zuhause ist, eine Flucht vor den Dingen und aus der Welt. Der Mensch kann mit dem Verstand schon Raum und Zeit durchschreiten, einfach geistig, im Begriff. Die Körperlichkeit der Wahrnehmung der Welt in der Trance aber deutet meiner Meinung nach auch schon in der schwachen Ausprägung, die sich mir zeigt, mit der Erkenntnis eines ganz anderen Wesens der Dinge, also des Realen, und der Einsicht in eine ganz andere und mehr bildhafte und allgegenwärtige Wirk-lichkeit an, dass noch mehr möglich sein sollte, muss. Es ist vorstellbar, dass reine Denkvorgänge und deren bildhafte Gestalt, der von uns so genannten Realität nicht untergeordnet sind. Ich meine auch solche Erfahrungen gemacht, aber immer verworfen zu haben mit dem Mitmenschen, die dabei Zuschauer waren. Dieses Schreiben momentan basiert auf einem Kontakt, der zwar vom anderen auf der anderen Seite draußen negiert wird, auf meiner Seite aber mir durch einen nie zu erklärenden Energiegewinn und einen wunderbaren Zufalls-Sternen-Regen unwiderlegbar offenbar ist. Der andere und ich sind uns für eine Begegnung im sogenannten Realen vielleicht einfach zu ähnlich, gleich und gleich stößt sich nur in der ganz neuen Welt nicht ab, die ja auch räumliche Nähe nicht braucht, sondern zieht sich dort unter bestimmten Bedingungen vielleicht sogar sofort an. Komisch, dass ich vor kurzem erst jemandem erklärt hab, dass nur noch das Gleiche mich anzieht. Er hat widersprochen und für die sogenannte Realität, die mir schon lange eine unsinnige ist, ja recht.


Fortsetzung folgt vielleicht