Wie kann die Vorstellung von etwas Großem und sehr
Mächtigem neben einem dazugestellten sehr Kleinen, strich- oder punktförmigen, eine Art
Trance, ein Gefühl der Schwere und der zunehmenden
Weite, Fülle des Köpers oder seiner Hülle, auslösen? Der Zustand Einstieg in einen Wach-Traum ist nicht Folge eines Traumas oder
einer Verletzung der Psyche oder des Körpers. Die Psychoanalyse ist
hier ganz entbehrlich. Es liegen dabei ja keine kleinen
neurotischen Körper-Symptome vor und auch keine allgemeine Schwächung
der Physis und des Geistes. Im Gegenteil, der Körper dazu ist außergewöhnlich gesund und geistig vollkommen normal, eingebunden und
untergetaucht im allgemeinen Kommunikationsnetz von Sprache, Arbeit, Leben, wie der aller anderen auch. Es gibt also keine
feststellbaren Behinderungen, die erklärt werden müssten.
Allenfalls besteht da diese leicht auffällige Innerlichkeit oder Schüchternheit, oder eher innere Empfindlichkeit, das
Leid am andern, die aber wohl Folge jener Möglichkeit der Ausdehnung des Körpers
und Geistes auf Alles und Jeden sein kann und eine Reaktion darauf, die einfach nur zurückhält und zurück zwingt in den Körper und auf ein Selbst hin,
weg von allen und allem. Man muss sich doch lediglich ein großes Objekt
neben einem kleinen, verschwindend winzigen vorstellen und schon versinken die Sinne im Körper und er selbst verwandelt sich in ein großes
Wahrnehmungsfeld, in gewisser Weise entsprechend einem Spiegel.
'Regression und Spiegelstadium' singen dazu die Analytiker. Blödsinn!
Denn es gibt bei keinerlei Anzeichen von Paraphrenie
(weder Verfolgungswahn, Persönlichkeitsverlust und -spaltung noch irgendwelche offensichtlich schizophrene Denk- und Wahrnehmungsstörungen) lediglich mit den Autisten
verbindet einen etwas und eins, nämlich Verständnis und Sympathie. Die Körperlichkeit der Erfahrung der Außenwelt in der Trance lässt nicht in eine Welt der hübschen Märchen und grausamen Monster eintauchen, sondern
erzeugt zum ungewöhnlichen Gefühl nur einen Zweifel an der
Richtigkeit und Zuverlässigkeit von Wahrnehmung und Raum, Zeit,
Kausalität. Man bleibt ja trotz dieses Heraus-Tretens aus sich bewusst
in Körper und Welt weiterhin gefangen. Die Wahrnehmung aller
Menschen erfolgt nach einer dazu gegebenen Vorstellung von der Rückseite des Spiegels her. Normalerweise
stehen dabei Ich und selbst auf einer Seite bei der Spiegelung. Die allgemeine Körperlichkeit
der Wahrnehmung in der Trance lässt nun dem Empfinden nach auf der
Rückseite des Spiegels ein erstarrtes Selbst zurück, ein Bild im Stein und entlässt
das Ich frei in die Welt davor - räumlich, zeitlich - für einen neuen Begriff von ihr. Das kluge
Tier als Vorstufe des Menschen steht immer nur v o r dem Spiegel
und erkennt sich in dem Sinn, als es sich mit dem Spiegelbild als
freundliche Einheit betrachtet. Tiere schauen sich daher nicht in die
Augen, wie wir: real sind sie nie e i n s . Hat einem schon jemals ein Tier
zugezwinkert? Allenfalls im Traum. Der Mensch macht dann einen Sprung hinter den Spiegel, er
erkennt sich daher auch nicht direkt im Spiegel, sondern sieht sich von dahinter, sieht also von der blinden Seite des Spiegels in der Realität davor. Das ist
Bewußtsein. Das Tier hat ein großes Selbst der Vielen. Dem Menschen aber
spaltet es sich hinter dem Spiegel auf in ein kleines selbst der vielen Kleinen und ein
großes freies Ich. Ich denkt er und zieht ein Sein hinter sich her:
ich denke also bin ich. Im Zustand der Trance gelingt
es meiner Meinung nach dem - meinem - Ich, meine ich, die Spaltung von ich und selbst
(bin) voranzutreiben und das kleine reale Selbst, das der Mensch in so viele Begriffe gepackt hat, noch stärker zu verkleinern bis zum kleinsten Knoten und zur Versteinerung, so dass nun das Ich es (Es) verlassen kann. Ich tritt
erneut ein die alte Wirklichkeit und erkennt, dass die nie eine war. Darum
führt auch diese Trance oder die Körperlichkeit der Wahrnehmung der
Dinge und der Welt zu absolut neuen Erfahrungen und ist nicht, wie es
dem Verstand lieber erscheint oder erschienen wäre, der im absolut nichtigen Bereich der Begriffe
hinter dem Spiegel zuhause ist, eine Flucht vor den Dingen und aus
der Welt. Der Mensch kann mit dem Verstand schon Raum und Zeit
durchschreiten, einfach geistig, im Begriff. Die Körperlichkeit der Wahrnehmung der
Welt in der Trance aber deutet meiner Meinung nach auch schon in der
schwachen Ausprägung, die sich mir zeigt, mit der Erkenntnis eines
ganz anderen Wesens der Dinge, also des Realen, und der Einsicht in
eine ganz andere und mehr bildhafte und allgegenwärtige
Wirk-lichkeit an, dass noch mehr möglich sein sollte, muss. Es ist
vorstellbar, dass reine Denkvorgänge und deren bildhafte Gestalt,
der von uns so genannten Realität nicht untergeordnet sind. Ich
meine auch solche Erfahrungen gemacht, aber immer verworfen zu haben mit dem Mitmenschen, die dabei Zuschauer waren. Dieses Schreiben momentan basiert auf einem Kontakt, der zwar vom anderen auf der anderen Seite draußen negiert wird, auf meiner Seite aber mir durch einen nie zu
erklärenden Energiegewinn und einen wunderbaren
Zufalls-Sternen-Regen unwiderlegbar offenbar ist. Der andere und ich sind uns für eine Begegnung im sogenannten Realen vielleicht einfach zu ähnlich, gleich und gleich stößt sich nur in der ganz neuen Welt nicht ab, die ja auch räumliche Nähe nicht braucht, sondern zieht sich dort unter bestimmten Bedingungen vielleicht sogar sofort an. Komisch, dass ich vor kurzem erst jemandem erklärt hab, dass nur noch das Gleiche mich anzieht. Er hat widersprochen und für die sogenannte Realität, die mir schon lange eine unsinnige ist, ja recht.