Montag, 26. November 2012

23-skidoo


Ich hab noch nie im Leben einen Lottoschein ausgefüllt oder mir ein Los gekauft. Jedoch hab ich in der vergangenen Woche - mich hat ohne Zweifel der Teufel geritten, als ich mal grad sehr müde und gedankenlos war und von was weiß ich denn so sehr entgeistert - jemandem ein paar Zahlenreihen mitgegeben, für einen Tip beim Samstagslotto. Ich hab es schon Samstag mittag bereut und mir gedacht: eigentlich wünsch' ich mir auf gar keinen Fall einen Gewinn. Ich unterwerfe mich mit der Hoffnung darauf doch schon blind dieser Scheinrealität der Waren um mich. Ich schmeiß' doch damit jedes echte mir gehörende Gefühl, jede Intuition, jeden Spaß am Widerstreit der Dinge auf den Misthaufen der seelenlosen geldwerten Warenwelt. Ich wär mit einem großen Gewinn doch gleich sowas von wirklich, dass mich der Schlag treffen würde. Ich bin nicht real, ich bin nicht Realist, bin zu sehr Träumer, als dass ein echter Gewinne für mich was wär'. Ich hab noch richtige Träume. Gewonnene Träume und käufliche Träume sind verlorene, das sind keine Träume, das ist die harte tote verrottete faule Realität. Da wird der Körper und sein Kopf zugeschüttet mit Staub und Stein und anschließend gewaschen mit Jauche. Wenn man das Glück der Liebe im Spiel oder sonstwie kaufen könnte und müsste, wären 99,99 % der Menschen auf der Erde für immer ohne Liebe. Und der Rest hätte eine für die Vitrine. Auf der Suche nach dem materiellen Glück, dem Glück im Spiel, verliert man sofort jedes bisschen kreativen Anflug auf Ideen, deckt sich zu mit einem Mantel erdachter wohliger Bequemlichkeit und Dummheit und ist immer im freien faulen Fall ins Nichts. Gott und den Teufel freut's, sie spielen sich gerne Spieler zu. Aus den Märchen weiß man, dass auch Weiterschenken bei einem falschen Glück nicht hilft. Alles steuert auf das Verderben hin. Nichts kann es aufhalten. Ich hab am Samstag aber Glück gehabt. Naja, es war ein kleines Glück bei hoher Wahrscheinlichkeit des Eintreffens. Nur eine einzige Zahl war richtig: die 23. Soviel Glück kann man sich gerade noch gönnen. '23-skidoo'. Ich nehm' das jetzt als Zeichen, hat mir die Zukunft geschickt. Von der Sache nehm' ich so schnell es geht nun Abstand für immer. Zur Hölle mit jedem Glücksspiel und mit allen, die daran verdienen und allen anderen, die fast jedes mal und ohne Ende und oft alles im Leben verlieren.


Nachtrag: es ist doch klar, dass der Teufel seinen schlimmsten Feinden auf Erden unter den Menschen oftmals die größten Gewinne beschert. Man muss daher Gewinne - vor allem die großen - gegen das Böse und seine Absichten wieder ausgießen, ganz weit und gleichmäßig: dann wird es zu einem Niederschlag für den Teufel und Gott im negativen sowie zu einem im positiven Sinn für Menschen, und er fällt wie Regen auf einen möglicherweise fruchtbaren Teil der Welt.