Vermessen - ein Mythos?
Der einfache Beischlaf endet nun also in einer simpel sättigenden Reflexreaktion, mit reduzierter Lust- und Befriedigungsintensität. Ach, du schöner Traum! Das steht teilweise nun so im Aufsatz von Brody/Krüger 'Post-orgasmic prolactin increase ...' - Download kostenlos bei Allesevolution.wordpress.com -. Die Messergebnisse werden m. E. nicht gut gedeutet und die Ergebnisse so vom - meist männlichen - Ungeist und Pöbel an zahlreichen Stellen im www gern aufgegriffen. Die Deutung hat jedoch einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn man das Umfeld zum Menschen rechnet, das Labor also oder die Klinik und den Beobachter oder vergleichbare Settings. Das mit der reduzierten Intensität steht natürlich nicht im Aufsatz, denn das würde das Machtspiel der Männchen bloßlegen oder entwerten und den Interpreten nach draußen führen. Draußen in der natürlichen und sozialen Wirklichkeit läuft etwas - oder alles? - aber ganz anders. Welche Rolle spielt der Beischlaf, also der Koitus mit Prolaktinschuss beim Sex tatsächlich? Eine allgemein geringe. Hat man nicht doch ein wenig genauer noch hingeschaut in der Klinik und hat man auch die Untersuchungen nicht doch fortgesetzt, PG gemessen? Zurück zum klinisch sauberen Beischlaf: er ist symbolisch befriedigend, nicht aber real und physisch. Bei der realen nicht-koitalen Befriedigung bleibt ein symbolischer Mangel bestehen. Die reale Befriedigung ist notwendig mit einer Stressreaktion verbunden, die sie egalisieren muss. Es wird dabei der Unterschied von Innen und Außen vollkommen aufgehoben. Äußerste äußere Spannung ist identisch mit der auf äußerste Befriedigung zielenden inneren. Beides hat die gleiche Wirkung. Körper und Umwelt sind gänzlich angeglichen. Von innen und außen her kann die gleiche Wirkung erzielt werden. Beides trifft sich in einer ganz anderen Art von Schuss. Im Zusammenspiel mit dem symbolischen Mangel, einer auf das Begehren gerichteten Schuld, erfolgt nach der Aktion dann die Auslöschung einer das Begehren tragenden Vorstellung und die Vernichtung des Lust fordernden Objekts oder des Selbsts oder des Anderen, also eines geforderten Subjekts. Das ist nicht die faule Ruhe nach dem Beischlaf in Labor. Die Anspannung bleibt bestehen, was sich nicht nur im Prolaktin-Mangel ausdrückt. Der simple Koitus hingegen bedeutet und bewirkt real wenig, er bleibt nur mit einem realen Mangel belastet, der mehr oder weniger stark ausgeprägt ist, er bringt im doppelten Wortsinn ein Versagen der Lust, zum einen fehlt ihm die Intensität, zum anderen ist er durch Regeln eingeschränkt, sozial abgeschwächte Befriedigung, und ausschließlich praktiziert, taugt er nur für Narziss auf der Bühne, für alle schmarotzenden Nichtstuer, politischen Führer, Vertreter und Manager und sonstige Schwächlinge. Der Beischlaf bleibt also harmlos, die nicht-koitale Befriedigung aber ist gewaltig und wirklich. Das eine passt zur Ernte, das Andere zur Arbeit (in unserer sozialen Wirklichkeit gibt es aber eine ganz grauenhafte andere Verteilung der Dinge). Für das weibliche Geschlecht ist der Unterschied weniger leicht wahrnehmbar, da bei ihm der Koitus sättigend zum Schein auch ohne Befriedigung erfolgen kann. Jeder Mann aber spürt und begreift ihn sofort beim ersten Geschlechtsakt. In unserer Gesellschaft gilt an der Oberfläche, im sichtbaren Bereich öffentlichen Handelns nur die symbolische Befriedigung, Koitus und Konsum, als normal und wertvoll und diese Art schwindliger flachgeistiger Schwäche auch als absolut schutzbedürftig und erstrebenswert, und sie wird notwendig oft maßlos überbewertet und oft entsprechend bezahlt bzw. muss gut bezahlt werden. Die reale Befriedigung (noch) im Verborgenen überwiegt aber doch. Übrigens: die symbolische Schuld hat auch eine natürliche Verbindung und Verwandtschaft zu realen Schulden, und eine große Not bringt daher eher nicht Geduld und Verzicht, sondern Hunger, Hass und Tod.
Ich arbeite noch an dem Mythos bzw. er arbeitet in mir, und ich glaube, dass der Mensch ein Rätsel ist, das man zwar nicht lösen kann, dem aber jeder nachgehen kann und dem niemand sich ergeben muss und auf das niemand sich als solches berufen darf zur Rechtfertigung unmenschlicher Handlungen. Wie oben beschrieben kommt es in einem Fall zu einem Gefühl von Schuld - ob die Herleitung und Begründung richtig ist, weiß ich nicht bestimmt, wohl aber, dass die Gefühle da sind - und die Schuld ist da und wird kompensiert mit Gewalt gegen das ursprüngliche Objekt der Begierde oder auch gegen beliebig andere. Physisch entspricht dem ein bestimmter Prostaglandin-Typ. Einfach mal nachfühlen und nachlesen. Aber der Mensch hat einen Willen und Verstand und kann auch mal einfach Gewalt gegen Not und Zwang abarbeiten. Gewalt beim Sex hat also nichts mit einem starken Trieb zu tun, das ist eine bequeme Lüge. Die Gewalt kommt wohl aus dem oben beschriebenen symbolischen Mangel. Die sexuelle Aktion vor der Gewaltaktion war damit immer schon ein Akt der Selbstbefriedigung vor der Tat.