Donnerstag, 20. Dezember 2012

Raum im Traum

Der geteilte Raum

Vergangenheit ist ein Raum neben uns. Es ist der Raum, der uns fehlt, der Raum um uns, der uns umhüllt, einengt, uns Platz nimmt. Zeit ist der verlorene Raum, die zunehmende, unerträgliche Enge, die uns in der Gegenwart hautnah umschließt. Die Zukunft ist die Suche nach Raum und die Flucht, der Ausbruch daraus. Die Traumzeit vereint wieder Zukunft und Vergangenheit, daher gibt es im Traum auch kein Selbst, das aus dem Traumbild heraus- und ihm gegenübertreten könnte. Das Selbst ist das unerreichbare Schloss im Traum, sein Haupt-Sinn-Kern, der oft bei der Erinnerung an den Traum fehlt und ihn noch rätselhafter erscheinen lässt, als er es eh schon ist. Im Nachhinein scheint der Traum - vorausgesetzt, er wird nicht als sinn- und wertlos verdrängt - (auch) eine Lösung für ein unbekanntes Rätsel zu sein, dem die zugehörige Frage noch abgeht. In der Tat aber ist er (vor allem) nur das Bild des Fragens, der Suche, des Selbst. Im Traum zerstört die Frage nach Sinn, die Suche nach der Lösung eines Problems das Bild und der Träumer erwacht und die Mauern seines Gefängnisses stürzen über ihm ein und die Last seines Körpers fällt auf ihn.