Meine kleine Freundin
Formlos schief, weich,
nicht schön und reich,
irdisch lebendig,
sündigend ständig.
Witzig und klug,
klein, körperlich schwach,
strebsam und wach,
licht und bedacht.
Zufrieden gespannt,
schon oft durchgebrannt,
nie treu, doch ehrlich,
unersättlich begehrlich.
kleingedruckter Nachsatz: mich erstaunt ständig meine Zuneigung zu ihr und die große Freude, wenn ich sie seh', denn sonst fasziniert mich eher die große atmende lebendige Sinn-Kugelige. Für das Schreiben ist das anscheinend kein Widerspruch, einen Strich beschreiben ist dicht am Striche-Machen selbst dran. Schreiben des Schreibens mal wieder. Das entzaubert die Sache aber nicht. Sie, dieser dünne Hauch von Mensch, erscheint mir weiterhin als großes Wunder. Ich kann sie dämlich anlächeln, natürlich auch mit ihr reden. Aber ich darf ihr nicht das Gedicht zeigen. Sie sieht sich ja vielleicht gar nicht so gern so. Außerdem wird sie von allen geliebt und sie liebt auch unverbindlich zurück. Ich hab nicht das Recht auf Gedichte mit ihr. Ich schick sie heimlich auf meinen Gedichte-Strich in dem die Hälfte gelogen ist. In Wirklichkeit ist sie eine Heilige. Vielleicht.