Einsichten
eines Schattenautors
Muss der Spiegel für die freie Sicht auf
die Dinge, wie sie wirklich sind, zerbrochen werden? Nein. Aber der
Spiegel muss befreit werden von Verkleidungen, vom Staub der
Vergangenheit, der Zeit, Vergänglichkeit und ihren Masken im Schönen
und Wertvollen und Nützlichen und Sicheren. Diese Verkleidungen und
Schilde des Spiegels gegen die Sicht auf das letzte Wirkliche,
verhindern auch unseren Zutritt in eine andere Welt. Die schlimmsten
Panzerungen geschehen in den kleinen falschen Spiegeln, den realen
Abbildern des großen richtigen, die uns überall in unserer
vereinfachten Gegenwart und oberflächlichen Wirklichkeit begegnen
und entgegen gehalten werden. In diesen Spiegeln überprüfen wir nur
unser Dasein, einen Schein vor anderen und für andere. Sie sind die
wahren Seelendiebe. Diese kleinen Spiegelungen erscheinen uns auch
als Doppelgänger, die unsere Bewegung behindern und unsere Sinne
einnehmen. Jeder Doppelgänger ist, besser: gibt uns eine Chance auf
ein freie Sicht in die andere Wirklichkeit. In ihnen sind wir Fremde,
doppelt fremd in unserer eigenen Wirklichkeit und bleiben ihr so auf
Dauer verbunden. Diese Doppelgänger sind die offensichtlich und
gegenständlich gewordene Personifizierung der Lüge und des
Schwachsinns. Wenn wir ihre Macht nicht brechen, dann verbrennen wir
innerlich im Leid an ihnen, wir leiden an einer Schuld, die uns
eigentlich nichts angeht oder angehen sollte. Dieser Brand ist nicht
der Weltenbrand und seine Energie und ihre Macht ist nicht die Macht,
die alle Dinge zusammenhält. Ihre Macht zielt ausschließlich auf
meine Schwächung, lebt von mir wie ein Vampir, zerstört mich,
beraubt mich meiner Energien und macht mich blind taub und schwach,
verbrennt mich sinnlos. Es geht bei der Verblendung durch die kleinen
Spiegel auch nicht um ein Mitgefühl mit dem einem oder den andern,
sondern nur darum, dass man sich mitfühlen lässt durch einen andern
und dadurch seiner Selbst und Seele beraubt wird und dauerhaft
mitgenommen bleibt und ist. Man ist zwar außer sich, aber nur in
einem falschen andern, man ist einfach nur ein eitler Mensch, ein
seelenloser hohler anderer. Es nützt auch nichts, wenn man den
andern vernichtet, verleugnet und wegsperrt ins Vergessen. Man muss
sich selbst ändern, sonst tritt einfach wieder einer, ein neuer
Hohlkörper an die Stelle des alten. Doppel verdoppeln sich. Man muss
den Kräften in sich folgen. Dass einem dies einmal nach und nach
gelingt, erkennt man im Verschwinden der Doppelgänger und der
Hohlkörper um sich. Das gehört zu den Zeichen, den wahren Wundern
und Lichtern, die den rechten Weg erhellen. Unser Leid wird auf sie
zurückgeworfen. Die kleinen Spiegel sind zu zerschlagen: das sind
die Eitelkeiten des Besitzes, des oberflächlichen Verstandes und
Wissens, der Vermögen an sich. Das ist alles, was vor dem Spiegel
Ansehen genannt wird. Es ist das Dasein für eines anderen An-sehen.
Das Ansehen entäußert mich meiner selbst, macht mich zu den Augen
des andern. Ich schenke ihm also solange ich dem Irrweg folge, meine
Augen und werf ihm die restlichen Sinne noch hinterher. Die Sinne
gehen über auf einen Hohlkörper, gehören nicht mehr meinem Körper
und seinen Möglichkeiten. Entdeckt man den eigenen vollen Körper
wieder, folgt also der ihm innewohnenden Energie, dann verblassen die
falschen Begleiter. Man erkennt dann die Verführer der eigenen Seele
daran, dass sie vergehen, grau, fahl werden und Abstand zu einem
suchen. Sie fallen schon aus dem Bild, auch wenn man selber noch
nicht die Kraft hat, es zu gestalten. Selbst Abbilder von ihnen
werden grau und undeutlich. Sei du selbst, sieh wie mit den kleinen
Spiegeln auch die großen Panzer zerbrechen, die sich als Welt und
Wahrheit ausgeben, beobachte, wer sich in deiner Umgebung und unter
deinen Bekannten von dir entfernt oder einfach vergeht. Erkenne, wie
ein anderer großer Spiegel sich dir öffnet, einer der für alle
unzerstörbar ist und durch den man doch vielleicht hindurch treten
kann. Immer frage ich mich, ob diese dritte Transformationsstufe, die
wieder vor dem reinen Glas des großen Spiegels des Bewußtseins
liegt, je erreicht werden kann, ob sie von der Frau eher als vom Mann
erreicht wird. Was man erkennt bzw. jeder erkennen kann in einem mehr
oder weniger mühsamen Sich-Hinwinden, sollte aber auch allen
erreichbar sein. Diesen Ort, an dem die Herzmacht des Sein sich
befindet, an dem sich einem das, was schon immer war, neu darstellt
und nach allen Seiten neu entfaltet, erreicht man vielleicht nur
dann, wenn man zusätzlich das Glück geschenkt bekommt,
bedingungslos, also ohne ein Geben und Nehmen lieben zu dürfen.
Schon auf den Weg kann man sich wahrscheinlich ohne diese Liebe nicht
begeben.
Ergänzung:
Eine Trance in Fremd-Hypnose ist anscheinend sehr leicht auf Menschen
übertragbar, die vollkommen gefangen sind von den kleinen
Spiegelungen des Selbst. Die befreiende Wirkung liegt für diese
Menschen vielleicht in der Ausrichtung des Geistes hinaus über die
Illusion der Worte im sich spiegelnden Geschwätz aller hin auf eine
bewusste Begrifflichkeit und die Ausrichtung des Handelns weg von der
Illusion der Waren in einem sinnlosen Bedürfnishandel hin auf auf
den bewussten Umgang mit dem wirklichen Bedarf des Körpers und wäre
dann also eine Öffnung des Bewusstseins hin auf sich selbst und eine
Folge des Blicks hinaus durch den großen Spiegel auf die Welt, wie
sie sein könnte und sollte, wie sie wirklich ist, erfüllt von einem
großen Sinn und einer großen Seele, ansonsten aber ohne irgendeine
Grenze der Richtung und des Verlaufs. Heilung in der Hypnose käme
dann aus einer Traumreise, die zumindest bis ans Fenster geht, durch
das man hinausschauen kann auf eine frei Welt. Möglicherweise ist
der Erfolg einer hypnotischen Wunderheilung aber auch nur möglich,
wenn die Ahnung von persönlicher Freiheit und höherer Gewalt noch
zufällig eine Ergänzung findet durch die Erfahrung selbstloser
Hilfe und Liebe. Leider hat der Therapeut bzw. der Hypnotiseur auf
diese Zutat keinen Einfluss, sogar unbedingt zu verzichten. Sie
bleibt ein allgemeines Geheimnis. Jedenfalls sollte der Therapeut
nicht der Liebende sein, sonst ist sein Wirken leicht beschränkt.
Also
für die große Befreiung mus man bedingungslos lieben dürfen. Für
die kleine Befreiung im Alltag reicht wohl die Zutat der Liebe des
andern.
Ergänzung:
die Synästhesie kann man der beginnenden Trance zurechnen, auch dem
beginnenden Kontrollverlust beim richtigen Kuss mit der Wendung der
Sinne nach innen. Der Folgeschritt ist schon beschrieben.