Samstag, 15. Dezember 2012

Geheime Zugaben

Einsichten eines Schattenautors


Muss der Spiegel für die freie Sicht auf die Dinge, wie sie wirklich sind, zerbrochen werden? Nein. Aber der Spiegel muss befreit werden von Verkleidungen, vom Staub der Vergangenheit, der Zeit, Vergänglichkeit und ihren Masken im Schönen und Wertvollen und Nützlichen und Sicheren. Diese Verkleidungen und Schilde des Spiegels gegen die Sicht auf das letzte Wirkliche, verhindern auch unseren Zutritt in eine andere Welt. Die schlimmsten Panzerungen geschehen in den kleinen falschen Spiegeln, den realen Abbildern des großen richtigen, die uns überall in unserer vereinfachten Gegenwart und oberflächlichen Wirklichkeit begegnen und entgegen gehalten werden. In diesen Spiegeln überprüfen wir nur unser Dasein, einen Schein vor anderen und für andere. Sie sind die wahren Seelendiebe. Diese kleinen Spiegelungen erscheinen uns auch als Doppelgänger, die unsere Bewegung behindern und unsere Sinne einnehmen. Jeder Doppelgänger ist, besser: gibt uns eine Chance auf ein freie Sicht in die andere Wirklichkeit. In ihnen sind wir Fremde, doppelt fremd in unserer eigenen Wirklichkeit und bleiben ihr so auf Dauer verbunden. Diese Doppelgänger sind die offensichtlich und gegenständlich gewordene Personifizierung der Lüge und des Schwachsinns. Wenn wir ihre Macht nicht brechen, dann verbrennen wir innerlich im Leid an ihnen, wir leiden an einer Schuld, die uns eigentlich nichts angeht oder angehen sollte. Dieser Brand ist nicht der Weltenbrand und seine Energie und ihre Macht ist nicht die Macht, die alle Dinge zusammenhält. Ihre Macht zielt ausschließlich auf meine Schwächung, lebt von mir wie ein Vampir, zerstört mich, beraubt mich meiner Energien und macht mich blind taub und schwach, verbrennt mich sinnlos. Es geht bei der Verblendung durch die kleinen Spiegel auch nicht um ein Mitgefühl mit dem einem oder den andern, sondern nur darum, dass man sich mitfühlen lässt durch einen andern und dadurch seiner Selbst und Seele beraubt wird und dauerhaft mitgenommen bleibt und ist. Man ist zwar außer sich, aber nur in einem falschen andern, man ist einfach nur ein eitler Mensch, ein seelenloser hohler anderer. Es nützt auch nichts, wenn man den andern vernichtet, verleugnet und wegsperrt ins Vergessen. Man muss sich selbst ändern, sonst tritt einfach wieder einer, ein neuer Hohlkörper an die Stelle des alten. Doppel verdoppeln sich. Man muss den Kräften in sich folgen. Dass einem dies einmal nach und nach gelingt, erkennt man im Verschwinden der Doppelgänger und der Hohlkörper um sich. Das gehört zu den Zeichen, den wahren Wundern und Lichtern, die den rechten Weg erhellen. Unser Leid wird auf sie zurückgeworfen. Die kleinen Spiegel sind zu zerschlagen: das sind die Eitelkeiten des Besitzes, des oberflächlichen Verstandes und Wissens, der Vermögen an sich. Das ist alles, was vor dem Spiegel Ansehen genannt wird. Es ist das Dasein für eines anderen An-sehen. Das Ansehen entäußert mich meiner selbst, macht mich zu den Augen des andern. Ich schenke ihm also solange ich dem Irrweg folge, meine Augen und werf ihm die restlichen Sinne noch hinterher. Die Sinne gehen über auf einen Hohlkörper, gehören nicht mehr meinem Körper und seinen Möglichkeiten. Entdeckt man den eigenen vollen Körper wieder, folgt also der ihm innewohnenden Energie, dann verblassen die falschen Begleiter. Man erkennt dann die Verführer der eigenen Seele daran, dass sie vergehen, grau, fahl werden und Abstand zu einem suchen. Sie fallen schon aus dem Bild, auch wenn man selber noch nicht die Kraft hat, es zu gestalten. Selbst Abbilder von ihnen werden grau und undeutlich. Sei du selbst, sieh wie mit den kleinen Spiegeln auch die großen Panzer zerbrechen, die sich als Welt und Wahrheit ausgeben, beobachte, wer sich in deiner Umgebung und unter deinen Bekannten von dir entfernt oder einfach vergeht. Erkenne, wie ein anderer großer Spiegel sich dir öffnet, einer der für alle unzerstörbar ist und durch den man doch vielleicht hindurch treten kann. Immer frage ich mich, ob diese dritte Transformationsstufe, die wieder vor dem reinen Glas des großen Spiegels des Bewußtseins liegt, je erreicht werden kann, ob sie von der Frau eher als vom Mann erreicht wird. Was man erkennt bzw. jeder erkennen kann in einem mehr oder weniger mühsamen Sich-Hinwinden, sollte aber auch allen erreichbar sein. Diesen Ort, an dem die Herzmacht des Sein sich befindet, an dem sich einem das, was schon immer war, neu darstellt und nach allen Seiten neu entfaltet, erreicht man vielleicht nur dann, wenn man zusätzlich das Glück geschenkt bekommt, bedingungslos, also ohne ein Geben und Nehmen lieben zu dürfen. Schon auf den Weg kann man sich wahrscheinlich ohne diese Liebe nicht begeben.

Ergänzung: Eine Trance in Fremd-Hypnose ist anscheinend sehr leicht auf Menschen übertragbar, die vollkommen gefangen sind von den kleinen Spiegelungen des Selbst. Die befreiende Wirkung liegt für diese Menschen vielleicht in der Ausrichtung des Geistes hinaus über die Illusion der Worte im sich spiegelnden Geschwätz aller hin auf eine bewusste Begrifflichkeit und die Ausrichtung des Handelns weg von der Illusion der Waren in einem sinnlosen Bedürfnishandel hin auf auf den bewussten Umgang mit dem wirklichen Bedarf des Körpers und wäre dann also eine Öffnung des Bewusstseins hin auf sich selbst und eine Folge des Blicks hinaus durch den großen Spiegel auf die Welt, wie sie sein könnte und sollte, wie sie wirklich ist, erfüllt von einem großen Sinn und einer großen Seele, ansonsten aber ohne irgendeine Grenze der Richtung und des Verlaufs. Heilung in der Hypnose käme dann aus einer Traumreise, die zumindest bis ans Fenster geht, durch das man hinausschauen kann auf eine frei Welt. Möglicherweise ist der Erfolg einer hypnotischen Wunderheilung aber auch nur möglich, wenn die Ahnung von persönlicher Freiheit und höherer Gewalt noch zufällig eine Ergänzung findet durch die Erfahrung selbstloser Hilfe und Liebe. Leider hat der Therapeut bzw. der Hypnotiseur auf diese Zutat keinen Einfluss, sogar unbedingt zu verzichten. Sie bleibt ein allgemeines Geheimnis. Jedenfalls sollte der Therapeut nicht der Liebende sein, sonst ist sein Wirken leicht beschränkt.

Also für die große Befreiung mus man bedingungslos lieben dürfen. Für die kleine Befreiung im Alltag reicht wohl die Zutat der Liebe des andern.

Ergänzung: die Synästhesie kann man der beginnenden Trance zurechnen, auch dem beginnenden Kontrollverlust beim richtigen Kuss mit der Wendung der Sinne nach innen. Der Folgeschritt ist schon beschrieben.