Dienstag, 15. Mai 2012

Traum gegen Wirklichkeit

Die Wirklichkeit steht nur zufällig am Ende des Traums, des Schlafs. Sie ist nicht sein Gegenpart. Not, Hunger, Arbeit vermitteln uns diese Wirklichkeit, in der kein Platz für Traumwelten ist. Im Traum beendet beim Erwachen der Tod des geträumten Selbstbildes die physische Freiheit, das unvermittelte Dasein des Subjekts. Im Schmerz, der Wunde, dem Ekel, der Angst, dem realen Verlust eines Dings und Wertes, aber auch eines Vermögens der Seele und des Körpers setzt sich nur manchmal noch der Traum im wachen Menschen fort. Im Traum hat man etwas zu verlieren, in der Wirklichkeit, in der der Traum verloren und erloschen ist,  hat man aber auch sonst schon alles verloren. Im Traum der Nacht und des Tags wird einem etwas körperlich genommen, in Seele, Geist und ins Fleisch geschrieben, gezeichnet, geschnitten, in der Wirklichkeit aber muss man seine Schulden abarbeiten und sich durch Arbeit am Leben halten, den schwarzen Zeichen und der Schrift folgen, im Leben so grau und fad und so inhaltlos traurig. Im Traum ist man ein Anderer, in Wirklichkeit spielt man nur um den Einsatz des Andern, versucht man nur die erlittenen Verluste wie alle und jeder, wie einer und keiner wieder wettzumachen.