Samstag, 14. Juli 2012

Traum u n d Wirklichkeit

Übrigens ist der Traum nicht unvermittelte Wirklichkeit. Und sieht bei dem, was wir für ein Gefühl und eine unmittelbare Wahrnehmung des Realen halten, nicht ein Anderer durch unsere Augen und all unsere Sinne? Ist das Reale weg, wenn wir träumen und träumen wir fort, wenn wir sterben? Hängt wie der Traum im Hirn, alles andere der Welt auch nur in einem großen Gespinst über und neben uns? Ist das Gehirn nur eine Aufzeichnungsmaschine, der Traum ein Nachklang des Realen und das Reale das abschließende und unfassbare Ende? Wenn Qualitäten im Gehirn nur ein Ergebnis der Lokalisation der Aufzeichnung, also des Speicherorts und seiner zufälligen Lage an sich sind, dann könnten auch alle Besonderheiten unseres Realen sich auf jenseitige Speichertöpfe verteilen. Ohne diese Speichertöpfe und Farbtöpfe der Schöpfung ist das Reale dann nicht möglich, es wird nur durch sie zur bildhaften Gestalt. Die Realität entsteht genauso wie der Traum. Der Traum kann sich selbst verändern und in die Wirklichkeit vordringen. Zwischen den  Stufen und Ebenen gibt es also ein Wechselspiel. Und das Reale wird sich auch ändern durch Eingriffe in seine Grundlagen und gewaltige Reaktionen darauf. Wie ein Traum den Körper erfassen muss, um sich zu ändern und um mehr als nur ruhendes Bild und ein kurzes Aufleuchten im nächtlichen Dunkel zu sein, so musste die Welt, um mehr als nur Blitz und Punkt zu bleiben, zurückwirken aus das, was es erzeugte und weiter erzeugt. Darum braucht der Zauberer ein Medium, das empfänglich ist für den Blick des Andern durch die Seele, den Geist und das Gehirn. Und er schaut durch es und mit ihm die Zuschauer und Gläubigen und Zweifler und so geschieht ein Zeichen und Wunder, weder messbar noch beweisbar noch widerlegbar, wenn einer so zu vielen sagt, ich bin. An dem Punkt wacht auch der Träumer auf und der Traum geht durch die Wirklichkeit hindurch. Was halten nun denn die Menschlein jetzt für ein Wunder? Sich selbst doch und glauben an die Begegnung mit etwas gleichartig denkendem Fremden. Erhofft es und fürchtet es. Denn es ist da.

Nachtrag: selbst wenn man die Entstehung eines Bildes im Kopf wie ein Nach- oder Vorzeichnen sieht, eine Bewegung kreuz und quer durch das Hirn, durch tausend Orte und Qualitäten, als einen Prozess, der irgendwie den äußern Bildern des Realen Bilder im Innern zuordnet, dann bleibt immer noch die Rätselhaftigkeit des Bildes an sich. Das sind die Fixpunkte des Spinnen-Rätsel-Netzes, die einfach nicht fassbar sind. Da sind Löcher im Realen. Und der sogenannte Sinn des Seins dazu ist wie der Hammer, mit dem man auf den Kopf haut, um zu beweisen, dass es Bilder drinnen nicht gibt.