Mittwoch, 6. Februar 2013

Oneiroides Erwachen


tat twam asi

Das
bist Du und ich
bin nicht mehr
Das

Wer die oneiroide Erlebnisform kennt, dem ändert sie die Welt, der ordnet sich nicht den Zeichen, dem Wissen unter, der formt es unablässig mit seinem Tun außer sich, er ist Text, Bühne des Erlebens selbst, er inszeniert sich und seine Ideen, er ist Ding, Bild und Sprachzeichen im Stück, er ist Autor und webt seine Mitspieler in sein Drehbuch ein, er ist Hypnotiseur ohne Bewusstsein, er ist allen ein großer Spiegel, Schreiber, leidet an sich, erkennt sich und sieht sich als verkehrt vor der Welt, wehrt sich gegen sich und ist doch nur ein Spiegel, der Wahres ist, sieht und es widergibt, für andere unsichtbar, aber wirksam, Gespenst und Traum, Sprache und leeres, freie verfügbares Bewusstsein und Selbst bis – er einem anderen Spiegel begegnet und endlich in sich ruht und sein darf, und er in ihm spricht: ich bin das. Das bin nicht ich, das bist schon Du. Schreber hätte vielleicht ein großes Gedicht verfasst, hätte er Zugang zum Frauenflügel seiner Anstalt gehabt. Er wäre Autor und Kopf geworden einer Dichtung aus 13 Körper-Teilen und drei Flügelelementen links für ihn selbst und drei rechts dazu für eine nah bei sich und sicher verwahrte verirrte Geliebte: Wissen, Inszenierung und Drehbuch/Roman, Drama, oneiroides Erleben und Vorstellung/Inhalt, Deutung, Selbsterkenntnis und Spiegelung des Autors im eigenen Wahn sodann er und sie als Autor und Muse mit Stück und Roman, er und sie auf der Bühne im Spiel, Erleben und Traum, er und sie in einem Stück, verschmolzen, vereint fast zum neuen Geschlecht aus beider Geist, nur wenig noch Halt in sich, ein Körper des Selbst und der Liebe und schwebendes Sein (Schmetterlings-Blumen-Verblüh'n – mani/bin dein – padme/Erglüh'n).
Was wollen wir? Analysieren, Deuten, Intuition und Traum und eine veränderte Wahrnehmung des Wirklichen als Erkenntnis. Ein wenig Arbeit und viel Spaß und Begeisterung, Begegnungen im Reich des Wahnens und der Illusion und des Träumens, etwas Wissen als Ergebnis, viel Eingebung und große schöpferische Kraft. Wir erkennen, wir öffnen uns, wir sind Spiegel. Wir verdichten uns, wir verlaufen und wir verzeihen uns: wir lassen uns mitnehmen. Wir reden, wir schreiben und wir sind einfach nur stumm: gleichviel. Wir nehmen, wir geben, wir bekommen: wir werten nicht. Du bist, was du dir nimmst, du dir geben lässt und wie du genommen. Ein Spiegel, der einen Spiegel trifft, muss sich überwinden, seine Furcht, sein vergebliches Fliehen, Sich-Wenden, seine Suche und Sucht, sein Erschrecken vor sich. Er muss fühlen, muss sein, endlich Körper, Gefühl und sich, Selbst und Körper Gefühl immer Körper Gefühl. Des Menschen Denken und Handeln soll sich verkehren, verwandeln. Träume werden am Tag schon geträumt, was uns als Gewicht des Körpers erscheint, ist das Gewicht der Zeichen, ihr so schwerer wie leerer Sinn, solange wir ihn nicht ganz als Eins wie Wachen und Schlafen, wie Tag und Nacht gleich zu uns und uns nehmen wollen und können. Das Ergebnis gemeinsamer leichter Deutungsarbeit könnte werden, dass wir oneiroides Erleben der Wirklichkeit erfahren und erlernen. Träumen am Tag ist erlernbar und Träumen des nachts ist dann Eintauchen in körperloses Sein: Flugtraum. Tagtraum zu zwei'n könnte Flug(t)raum-Körperlichkeit sein: das bist Du - und ich bin nicht mehr das.