Sonntag, 24. Februar 2013

Der Wille zum Text

Der Wille zur Macht

ist eine Spiegelung und heißt andersherum gelesen: das Begehren zum Trieb. Wille ist Trieb, Begehren ist Macht. Wunsch-Trieb. Der Trieb ist die aus dem allgemeinen viehischen Fortpflanzungs-Getriebe extrahierte Energie, eine leider unsichtbare Kraft. Der Schein zum Betrug, wie der Geldschein zum Handel. Der Wille zur Macht für den einfachen Verstand beruht auf der irrtümlichen Annahme, dass der Körper einen Ur-Text darstellt. Das wäre dann ein vorgestelltes Ich, das etwas will. Zwei Dinge auf einer Ebene. Also hätte der Mensch sich seinen Körper selbst geschaffen. Text zu Text. Schein, Oberfläche und Text. Körper als objektive Äußerung seines Willens: der Wille zum Willen? Wille und Trieb sind Illusion, Täuschung und Selbsttäuschung der Sinne. Begehren und Macht sind imaginär, Spiel des Triebs auf der Bühne. Eine Lüge als Thema und Inhalt eines Spiels, eines Stücks, eines Textes. Beispiel: Intrigen- und Konkurrenzspiel: wer einen anderen Körper begehrt als mehr wert oder auch zurückweist als minderwertig, verkennt, dass der Körper, die Schönheit des Körpers, die Intelligenz, die Leistungsfähigkeit, keine in einer physischen Substanz begründete Eigenschaften sind, sondern imaginär. Die Sinnestäuschung besteht darin, dass der Text als solches nicht erkannt wird. Der Idiot sitzt gebannt vor der Glotze. Er vergleicht sich. Selbst die Einsicht noch, dass Eigenschaften vermittelt sind durch andere Menschen, ist illusionär, geht nicht zu den Sinnen. Sie sind ein jedem einzelnen für sich verständlicher allgemeiner Text, also wirklich sinnlos und wertlos an sich. Wie kommt es, dass der Mensch sich als Text verkennt? Er hat sich doch selbst geschrieben. Die Aufspaltung des tierischen Triebs (Tiere sind keine Texte) in ein Begehren und die Begierde hat den Schreibvorgang gestartet. Das Begehren ist der Wille zum Text, also der zum und im Text verfeinerte Trieb, die Begierde aber der sinnlose selbstsüchtige Trieb an sich, der ohne sein Begehren nicht ist. Die beiden, aus einer Spiegelung entstanden, spiegeln sich nochmal ineinander. Das Begehren hält sich nun doch tatsächlich für den Willen zum Geschlechtlichen, rechnet sich zum Überleben der Art als nötig und wesentlich hinzu, es begehrt sich im Schönen und scheinbar so Starken und die Begierde dazu erscheint sich als Trieb und somit als reiner Wille an sich und zieht sich zurück und will sich dem Schönen gern zwanghaft ergeben. Der Wille zum Text hat aber auch die anderen Texte erzeugt, nicht so sehr die anderen Körper, sondern die Warenwelt uuusw. Auch das erhält uns den Körper als scheinbaren Grund, verwehrt ihn uns. Und von vorn: Tier wird zum Wollen gemacht, Mensch aus Woll-Lust zur Macht. Man kann die Sache nicht weiter denken ins noch mehr Abstrakte, weg vom Körperlichen. Solche Übersetzungen gibt es nicht. Es gibt keine Neu-Fleisch-Werdung, keine Rück-Verwandlung des Toten in Fleisch und Blut, keine Verwandlung leerer Texte in Texte mit Hinter-Sinn, keine Erlösung williger dummer Opfer. Wer sich dem Sinn opfert, hat Alles verloren, Sein und Sinn, seine Sinne. Es gibt nur ein Wandern des Sinns und der Seelen durch alle Texte für eine Ewigkeit in heiliger Einfalt und zeitlich ziemlich kurzer Einbildung und also blödem kleinem Wahn und Gehirn. Der Körper stirbt und der tote Text bleibt. Kein Opfer dem Schwachsinn, dem Unsinn, dem Sinn, denn Körper ist Wille, Leben ist das, was er macht, und nur mit dem Subjekt im Traum und im zwanglosen sorglosen  Traum des Tags manchmal unbeschwert und im Traum eines Andern (des Dichters also und nicht eines Denkers im ergeben-gläubigen Stumpfsinn dümmster Deutung)  ist er reiner gehaltloser unsinniger lustvoller simpelster Wille zur Macht.