Freitag, 19. April 2013

Mitleid

Ein Leid ist die große Gefahr des Träumers am Tag, das Mitleid, das zu ihm kommt, der Schmerz in der ewigen gleichen Wi(e)derkehr der unglücklichen Zeichen, der Riss, den die Macht der wirklichen und lebendigen Imagination raus aus dem Kopf aufgetan hat, durch den Blick unter das bunte und falsche und vielschichtige schicke Kleid des Sinns, die Einsicht durch die gläserne Haut des ganzen Körpers, die Sichtbarkeit des inneren Leibs bis auf die Knochen, durch einen Zusammenschluss der Sinne, ihr Bündnis und ihren Aufstand gegen den Geist, der Begriff zum Sprechen gegen das Wort und den Satz, die hohle Körperlichkeit, der unmögliche Tausch von Begierde und Wunsch mit der leeren Wollust im Körper des Andern. Widerliches ekeliges Würgen einer immer unvollkommenen Schriftleiblichkeit? Hilflose ausweglose Gelehrsamkeit? So viele Aspekte eines Leids. Unendlich schwer ist der Sturz zurück in der Zeit in die tausend Gründe der Dinge, ins Unendliche entfalteter Sinnmöglichkeiten, ins Unsinnige entfaltete Sinnlichkeit. Widerlicher Widerstand: Auferstehung aus Halbschürigkeit. Schmerz ist des anderen Sinnsucht, die sich dir ins Herz bohrt. So schwer sind einem die Sinne, das Auge, das alle Blicke einfangen muss, der Augenblick, den eine ganze Welt der sehnsüchtigen Blicke überfällt. Alles ist Rücksicht dem Menschen seit geraumer Zeit, schwer ist die Einsicht, dass alles gewendet sich hat zum Mitleid zurück in die Wirklichkeit wunder schmerzender Körper für alle Ewigkeit. Was für eine seltsame Lust, die schreibt, vorgibt gar Wollust zu sein und nur Traumbild ist und also schriftlich auf uns herabfällt mit Leid.