Montag, 24. Juni 2013

Vom wirklichen Paradies in die imaginäre Hölle


Wahrhaft menschliche (vorrangig männliche) Lust und Wollust ist ein Ringen mit Not und ein Wille zum Sein in diesem äußeren Zwang und ist somit auch Stressreaktion, dies jedoch nur vergangen als Bild in besonderem Speicher für Mittel des Lebens. Ein vergangenes Bild der Not ist es, gespeichert im Gedächtnis des Bauchs, die Erinnerung an einen großen Verlust, der treibt. Hungersnot. Der Trieb kommt nicht aus sich selbst: es ist das Bild der Vertreibung aus tierischem Paradies, das am anderen fremden Körper zum Trieb wird, Trieb vertreibt Wahrheit und anderes Geschlecht, Not in die Vergessenheit zurück: Hunger macht Lust, anders kann Mensch (Mann vor allem) die Geschichte nicht treffen, das Wahre nicht greifen. Für den Körper ist diese Wollust der Wille zur Leere als reinem Sein und Verlangen nach Hülle und Heilung dem Zerfall des Körpers und der Wirklichkeit. Es war anfänglich der not-wendige Verzicht des Körpers auf Fortpflanzung (Wende der Not), dieses war nur gelegentliches und zufälliges sattes Weib-Sein, Weib sättigend sich in sich und mit Schönheit und Kindlichkeit Kind bauchfüllend erzeugend, beide Geschlechter mal in armer Umarmung und Seltenheit satt, die Schönheit der sich dem Weibchen spiegelnd sich ergebenden kind-weibischen Männlichkeit war darum todgeweiht, gesättigt hilflos und lustlos wehrlos gern göttliches Opfer und wollüstiger menschlicher Gewalt gegen Not nach dem (scheinbar körperlich und geistig tatsächlich so harmlosen) viehischen Akt der Begattung. Ohne Übergang hat eine Urhorde der Gleichen und hässlichen triebbeherrschten Männchen aus gegebenem nötigen Anlass den einen viehischen Führer im Tierreich simpel ersetzt, abgewählt und nicht über Wunden sich einen abgequält! Darum ist die männliche Lust an sich Not zeugend und deckend oder aber ungern auch mal ermüdend und leer und sättigend und der des duldenden Weibchens gleich. Die Befriedigung beim Koitus ist auch für den Mann passiv weibisch. Mit dem Patriarchat wird das durch Scheinkämpfe verdeckt: Gerangel so blutig wie lächerlich und geistlos, als wollte einer der Dummen wirklich die ärmliche Lust der Liebe gegen die wahren Triebe, im Grunde schlägt mann sich die Schädel ein zur Vermeidung des Koitus normalis mit dessen daraus folgender gefährlicher lähmender Fülle des Bauchs. Beischlaf ist nur ein Bauchfüller, Sinn gelehrter Dämlichkeit. Da helfen alle männlichen Lügen sich selbst nicht. Irrtümlichkeit. Die Vergewaltigung im Rudel ist archaisch und zielt masturbatorisch dreifach auf den eigenen Arsch: für den Mann der wirkliche paradiesische Zustand, dann unbewusstes bildhaftes Wissen des Wahren, und letztlich geschichtlich richtig. Das kulturelle Erringen des Mannes. Übrigens: darum hat uns der Wolf im Mann bei Freud betrogen belogen: ihm war nicht gelegen am Koitus a tergo: der Wolf saß nicht nur im Traum auf seinem Baum.

Der 'höhere' Mensch ist verwirklicht in Scheinbarkeit Bild und in Zeichen die Not der Stress und der Wille zum Tod. Der 'Übermensch' noch darüber ist unmögliche Lösung dazu, immer unsichtbar, unfassbar wie ein gespiegeltes Bild, ewige Wiederkehr eines Alten Gleichen, der Geist als Grund eines fiktiven Dings, Abstraktionen gefangen im Text, Weisheit im Buch, Hülle des Körpers in hohler Körperlichkeit, Flugkörper, Schatten einer Idee. Die tolle Begierde ist nicht mehr: der Mensch bewegt sich nur hin und her zwischen Koitieren und Schriftstellerei, leerem Wollen, zwischen Nichts und Bildung von Text mit dem Traum eines Bildes vom Bild. Die gelehrte Ipsation ist also nicht die wirkliche. Im Widerspruch gefangen und in der blöden Einsicht ist auch nur der männliche Körper. Die Einsicht ist die, dass alles nur Körper ist, weiblicher Leib: das männlich abstrakte Wissen zerfällt in sich und zerreißt, vergeht in Körperlichkeit, die Frau ist Körper und Wissen, Leib, sie teilt und verteilt sich und bleibt, was sie war, und ist nie allein, ist nun nur endlich geworden für eines Leibes begrenzte Zeit. Jeder begreift doch nur sich, der Mann sich vereinzelt und die Frau sich als übergreifendes leibliches gemeinsames weibliches Sein. Mann erkennt im körperlichen Verfall den Untergang seiner von ihm erfundenen erzwungenen verlogenen Welt. Frau verkennt sich und die Welt als weiblich und rund und dauerschwanger und die Einsicht, dass Mann auch sein muss für eine leibliche Mitteilung, kommt ihr erst im Vergehen der Fruchtbarkeit: es fehlten doch Kind und das Kind ihr im Mann: im Tod ist sie auch nicht mehr mehr als seine leere Idee. Ich denkt und ihr ist das egal.



Lesehilfe

- paradiesisch: Urhorde, Verzicht auf Koitus, Gleichheit im Arsch vs. Koitus mit Bauchfüller macht schwanger und satt, der Bauchfüller wird nachher auch gefressen

- im Wandel der Zeichen zum Patriarchat: der Koitus wird verdeckt nur errungen spielerisch vermieden im Handeln mit Frauen – triebhaft befriedigt nun Mann sich an sich und er schlägt seine Gegner

- in allgemeiner Zeichenhaftigkeit schließlich zersetzt sich zumindest dem Mann deutlich der Trieb mit der Möglichkeit eines Rückfalls in wirkliche Vorstellung seines Gleichen. Weib war ist und bleibt Leib, Mann ist ihr eine sich wandelnde Sorge. Sorge (ver)hindert Kind.