Freitag, 25. Oktober 2013

Wenn der Pfeil in edle Teile ...

... des Lazerten-Leibchens dringt.

Wer ist der hässlichste Mensch? Um diesen Titel könnten sich Richard und Cosima streiten.

Wie kommt der Zwerg auf die Palme? In einiger, einigender Lächerlichkeit. 

Ist Nietzsche erledigt? Den verlorenen Zufall und aufgelösten Willen haben uns die Physiker wieder bewiesen oder wieder geschenkt, einen neuen Glauben gegen den alten Unglauben. Gott ist doch egal: wir sind tolerant und halten ihn für eine erträgliche Nebensächlichkeit. Er verträgt sich hervorragend mit dem Geist unserer schmarotzenden Überheblichkeit.

Nietzsche hat noch nicht angefangen. Die Wende ist noch nicht angedacht. N. war kein Philosoph, Schriftsteller Gelehrter sondern für jede Art Deuter und Zeiger war er ein Lügner, eine Art dicke grüne Schlange: ein alter am Einspruch immer noch leidender Lazerten-Leib.

Es gibt keinen Mörder Gottes, sowenig es einen Gott gibt. Allerdings gibt es für beides die Einbildung, die Schriftlichkeit, Geist, Männlichkeit und auch die reine und unbestimmte geistige Möglichkeit lauterste Unfassbarkeit.

Der Geist ist weiß und schwarz ist sein Leib, die Umnachtung.

Wenn man nicht zwischen einem wirklichen getriebenen Leib [der Wollust] unterscheidet und einem zum müden Schein [im Koitus], kann man den Sinn leiblicher Texte nicht fassen.

Die Verdopplung von Leib und Hirn in der Schriftlichkeit in Körper und Geist erzeugt das besondere menschliche falsche widernatürliche Sein. Jede Deutung ist eine Perle vor und für die Sau: Geist verursacht dem Leib Ekel an sich und ist Leid. Leib ist vom Andern gewendet zum Leid in sich. Das Leid äußert sich und wird Geist. Geist ist verkehrtes leibliches Leid, sinnlose Traurigkeit, äußert sich durch Arbeit und verwandelt sich in ein KLeid. Das Kleid ist verlogenes schamhaftes körperliches Sein. Leibliche Wirklichkeit wird zur KörperWare. Gebt also dem Mann ein hübsches Kleid und die Schande dem unschuldig freien Weib.

Hässlichkeit gibt es ebensowenig wie einen Gott. Laut einfältiger göttlicher Wissenschaft ist für Hässlichkeit und Schönheit zugleich Asymmetrie und Symmetrie verantwortlich. Tugend und Untugend sind nur durch ihren Standort bestimmt: hier Tugend – dort Untugend.

Die leibliche Hässlichkeit ist eine körperliche Verschiebung Verdrängung und macht dem Körper echte Spannung und wirklichen Schmerz.

Die eingebildete Hässlichkeit des Geistes ist eine Verwerfung der leiblichen Verschiebung, also Arbeit gerichtet gegen die Not und den Antrieb des Schmerzes: sie ist körperlicher Widerspruch und verursacht: Scham.

Der Schmerz ist wirklich, die Scham ist Wahn.

Gott wurde also aus Scham und wurde also im Wahn getötet. Zarathustra erkennt, nicht jedoch der hässlichste Mensch. Der hässlichste Mensch, der dümmste der Leser, verkennt.

Der Wahn hebt sich auf, Gott vergeht selbst in der menschlichen Scham, er versinkt in einer Verwerfung des wirklichen Seins.

Er verkriecht sich wie die alte Schlange im Tod [im {Sten}Dal vom Schwarz und Rot, das die Hirten Schlangen-Tod nennen: übersetzt: auf der Bühne oder im wieder erlangten ScheinHimmel]. Friedrichs vormals junger lazertlicher Sternenleib häutet sich nicht mehr, ist nur mehr reine unmittelbar textliche Wirklichkeit, fühlbar wahrnehmbar, jedoch nicht unmittelbar verstehbar [das Verstehen bleibt dem gewalttätigen gläubigen Geist].

Die Klippen sind doch nicht wirklich, sind Requisiten der Geschichte, sie sind die eingebildeten Fallen der Analyse eines sich zersetzenden Geists. Geschminkte Klippen eines scheintoten Greises.

Grün ist unreif und der Autor ein ewiger Narr. Rot und Schwarz: überreif und faul: der bedeutende und deutende Geist. Wer mit dem Geist ist und Mitleid hat, ist selbst überreif und fällt mit seiner Einsicht vom Baum der Erkenntnis in die Schuld und Scham [schwarz ist er dann von der Erde und er errötet].

Nur keine Angst. Noch kommt nicht der hungrige schwarze Mann.

Hier hat der Leser ein Anrecht auf ein eigenes grünes Sein, darf mitspielen und sich bewegen zwischen tödlichem Ernst und befreiendem Lachen.

Das Stendhal-Syndrom ist ein analytisches textliches Sein, das sich repariert (übrigens am reinsten ausgeformt im Glauben des neuen Ergrünens: der Islam ist eine Reparaturanleitung des Geistes): die wirkliche Not hat den Leib zerrissen (Verdrängung), ist der Leib von der wirklichen Not befreit (satt, schön, ohne Not, schmarotzend im Überfluss), dann zerfällt der Geist (Verwerfung und Wahn). Im Wahn geht der Geist einmal wieder den Weg zurück bis zur Verdrängung des Leibs: des Mannes absolute Grenze [sein Ende in restaurierter Männlichkeit]. Der zerrissene Leib ist ihm nicht Gegenstand der Betrachtung [auch wenn er selbst platzt vor stolzer Männlichkeit streng sich sprengend in Weiber und Kinderleiber hinein].

Der Mensch, dem der Leib nicht genügt, der hat ein hässliches Sein: also ist Geist Folge leiblicher Hässlichkeit. Urmännlichstes Sein.

Der hässlichste Mensch müsste also der Zeuger Gottes gewesen sein. Logik sticht Leib.

Der Mord Gottes wäre dann die Rache des Menschen für die Gott geschuldete Hässlichkeit. Einsicht schmerzt und Rache [am und im Geist] muss sein.

Am Ende war somit die subjektive Hässlichkeit und/oder die objektive Scham Grund für den Mord Gottes. Mord am Vater für den Mord am Sohn.

Mit der absoluten Scham endet nun Gottes Sein. Absolut bedeutet: wir können sie fallen lassen. Wozu Scham und Verbergen Datenschutz, wenn sich alle nackt machen [und endlich gern müssen dürfen].

Kafka: K. am Ende seines Prozesses der Handlung im Roman und zum Schluss im Buch: es war, als sollte die Scham ihn überleben: Seele als Scham und Rest eines göttlichen Seins des Menschen: die leiblose Schönheit der unschuldig Angeklagten: die scheinbar nur hässlichen Menschen und ihre echte Scham. Leid im Schönheitswahn.


Was ist Glück (in Bezug auf die Aufhebung der körperlichen Zerrissenheit)? Die Besessenheit des Anderen, dessen willenloses TreuSein. Besitz an sich macht nicht glücklich.

Der Mörder Gottes ist ein Besessener und Zarathustra wünscht sich das fremde Besessensein. Das ist bei/der Liebe Grund. Nicht Besitz, sondern die unerreichbare fremde Besessenheit.