Donnerstag, 7. März 2013

Aufmerksamkeit

Körperlichkeit bewirkt eine Auflösung der Körperselbstwahrnehmung im Gehirn und öffnet den Zugang zu den Zeichen für die Sinne, es werden Bilder nach außen projiziert. Einfache äußere Zeichen können dann einer Deutung unterworfen werden, also erfasst werden von einer im Inneren des Kopfes vorhandenen Struktur. Bei der Deutung ist immer das Band zwischen äußeren Zeichen und Körper noch vorhanden, der auf den Körper projizierte Zusammenhang der Dinge erhalten. Wahn entsteht, wenn die Deutung zu weit geht: die Dinge machen sich frei, werden selbständig. Wahn vergeht, wenn die Dinge sich selbst neu organisieren. Wahn entsteht im Rausch, Wahn vergeht im Schmerz. Das Zeichnen im Kopf braucht Grammatik und Bilder. Die Grammatik wird durch die Bilder vereinfacht. Die Bilder erzeugen die Leerstellen im Text. Die Bilder stehen auch zwischen Spracherzeugung und Sprachverarbeitung. Daher zerfallen mit den Leerstellen im Text auch die einzelnen Elemente der Sprachverarbeitung in Buchstaben. Der Mundraum als Ort der Spracherzeugung ist ein zentraler Ort des Wahns. Das Selbst ist Wahrnehmungsunterbrechung, Kurzschluss, Bewusstheit und Aufmerksamkeit und verantwortlich für die sinnlose Verselbständigung der Teile der Zeichenwelt außer uns in reale Objekte. Bewussheit und Aufmerksamkeit kann sich in sinnlosen Settings selbst steigern: künstlicher Wahn (wir wissen, wem an sowas liegt: den Herrn der verschlossenen Räume - aber wir sind nicht Sklaven ihres Sinns). Ein Objekt wird mit zunehmender Aufmerksamkeit und Bewussheit zunehmend selbständig und sinnlos, ein wesentliches Mal der Schizophrenie. Die Dinge suchen sich einen anderen Zugang zum Körper, sie werden nicht mehr gesehen und besprochen, sondern nutzen den einen Sinn der Körperoberfläche (bei Verkleinerung der Gefühle und Verdichtung der Sinne?) und treten wie mir scheint nun durch den Sprachraum oder den Mund in den Körper ein, sie werden nach innen gesprochen, und feste Objekte können so in Buchstaben zerfallen. Zunehmend abstraktes Denken geht diesen Weg: dabei verlöschen aber Bilder im Kopf und die Leerstellen in Texten verschwinden und Lesen und Schreiben wird schwieriger (zersetzt analytisches Denken sich selbst?). Wenn Sprechen und Denken und Wahrnehmen zwischen den beiden Hirnhälften hin und her sich bewegt, sind Leerstellen und Spracherzeugung nicht in einem simplen Tunnel zwischen den Hirnhälften zu lokalisieren sondern es ist eine weite Schleife erforderlich. Dornröscheneffekt: über den Mundraum lässt sich das Bewusstsein erreichen – die Seele kann durch den Mund in den Körper wieder eintreten (über das Auge der Achtsamkeit ist sie raus) – am anderen Ende des Tunnels (bei der NDE) wartet der Prinz, bzw. hat die schlafende Prinzessin nur einen Frosch im Hals, den sie noch nicht ausbuchstabiert hat.