Donnerstag, 7. März 2013

Der Sänger im Traum

am Anfang war ich Zeichen - A - Arm - oben - O - fremde Begeisterung, mein Körper gab Zeichen, erzeugte Freude, für mich nur veränderte Gesichter. A zu O. Mein erster Gedanke war 'bin ich', erstes Wort 'ich'. 'Ich' war eine Sache, die mir etwas nahm von mir. Alles war ich. Ich ergab dann erst mich (war ich auch mal Gesang?). Alle Dinge kamen aus dem Ich, waren 'ich' dann aus 'mir', meinem Selbst. Jedes Ding war ich. Dann gingen die Dinge durcheinander, waren viele und ähnlich, und sie wurden schwächer, gleich. Ich wurde selbst durcheinander und bin mir fremd geworden. Auch gleich. Bin ein anderer, ich-ein-ander. Ein unlesbarer Text erst, dann zufällig Buch dazu. Zufällig klug? Es richtete sich. 'Ich' konnte nicht lesen. 'Ich' zeichnete Gesichter in Bücher. Wollte ich lesen? 'Ich' träumte seitenweise Text. Heute träume ich singende Menschen mit Instrumenten und Mikro im Mund. Die Texte berührten Worte, sinnlose, Worte holten sich Bilder im Traum, Traumbilder legten sich wieder zum Text. Aus dem Text erhoben sich Dinge, wie aus Platzmangel. Platzangst. Welt fing an zu sein. Ich hab Ich-Sein gelernt. Bin jedes Ding. 'Ich' muss nicht sein. Texte ordnen sich selbst. Du bist auch nur ein Text für mich. Ich spreche mit dir. Text zu Text. Bist ich, bin, blockiert mich nicht, bewege mich ganz ungehemmt schnell und umfassend durchdringend einfach. Kann mich dir nicht gleich verständlich machen. Sprache kann Gedanken im Text nicht folgen. Stolpert. Viele Texte machen das Denken langsamer, beschränken mich fast wie einen Text, der sich schreibt und noch wächst. Bin bald 'normal'. Spreche aber nur, was schon gedacht ist, gelesen ist. Die Welt wird mir endlich wieder einfach, ein Ding, das ich bin, unverständlich traumhaft. Zustand. Ich sehe mich, darin, wie ein anderes Wesen, seltsam. Bist du das, ist das du? Bist du der Sänger im Traum? Zwischen den Gegenständen gibt es Wesen, sogenannte Mit-Menschen, mir ähnlich, aber ohne Text-Sein, ohne Sinn, eher nur Anhang der Dinge, sehr müde, sehr genau betrachtet sind sie auch wie die Sachen selbst, in Farbe, Geruch. Erschaffen sie die Dinge? Werden sie von ihnen ausgeschieden, erzeugt? Ich mache ihnen Texte, in denen sie sein können, denke ich. Ich spreche zu ihnen und bin in Gedanken immer beim Sänger im Traum. Was besingt er? Was singt er bloß für uns?