Noch ein Stück
im Text.
Im Unterschied zum (Tag-)Traum-Welt-Erleben, bei dem Wünsche
wahr zu werden scheinen und sich mit Wirklichem verweben können,
wird im Heil-Land der inneren Ferne ein Albtraum für Täter
und Opfer inszeniert. Ein Traum überformt und gestaltet hier
nicht Alltag und Wirklichkeit in Zufall und Deutung, sondern wird als
äußeres fremdes anderes Bild daneben gesetzt und betrachtet. Einem Andern im Bild,
dem Opfer, wird der Traum angetan. Laute Laute unterdrückt, Opfer geknebelt, Alles schön hingerichtet. Inszenierung im kleinsten Raum, Sinn
im großen Raum, mensch-/körperlosen. Notwendig gehört Heimliches, Intimes zu Öffentlichem, Anonymes, Kleines zu Unpersönlichem, Großem,
Schmutziges, Krankes zu Reinem, Heiligem. Im Theater trifft es sich.
Alles ist Bühne, Alles gehört zum Schauspiel. Heil-Land der äußeren Ferne: Öffentlichkeit: Menschen auf der großen Bühne gibt es nicht,
dort sind nur Masken. Nicht-menschliche Masken für die Unmenschen des Innenraums. Der
Täter steht auf der kleinen Bühne und ist den scheinbar harmlosen
Zwängen der großen verhaftet. Im Verborgenen wird er mit Regeln
und Zwängen Autor seines Albtraums. Er träumt sich nicht, er
verkennt sich. Er glaubt an sein Glück und an sein Recht und seine
Gerechtigkeit und das Leid seiner Opfer: das ist sein Glaube*.
Glaube ist eine Verbindung von Regel, Gesetz aus dem Heil-Land des äußeren mit der inszenierten Gewalt und der Vergewaltigung im
Heil-Land der inneren Ferne, der intimsten finstersten Bereiche des ganzen Sozialen. Kein Mensch mit Körper Hirn Haut Haar Augen und im Licht des Tag hat einen
Glauben. Lässt sich die Inszenierung beschreiben? Mit der großen
Unlust des Wollens wird auch die Wollust ins Bild gesetzt, wird zu
Lust ohne Wollen: Lust als Objekt (war einst die Frau) zu Not, Angst
als Objekt (der Mann)? Das Schauspiel in der Hinter-Raum-Hölle
braucht wie die veröffentlichte Welt meist auch einen Text als
Regelwerk, Texte im Text, es braucht den Vertrag, den Pakt, die
Anleitung und die Begründung. Für eine Beschreibung des Archaischen
müsste man den Albtraum wenden. Er wird aber hier nur inszeniert,
wiederholt. Kleiner fremder Raum, Bühne - für Gläubige: die Hölle - als Abbild des großen fremden Raums, Öffentlichkeit - für Gläubige:
der Himmel. Für die Inszenierung im unheimlichen versteckten
Kleinen sorgt eine Mannschaft, die auch das Bild im Großen
maskenhaft füllt: der Regisseur: ein Politiker und großer Vertreter (und Führer) der großen Welt, für die moralische Rechtfertigung (die Inhalte)
ein Priester, für Regel und Vertrag (Hoheit und Text) ein
Richter, für die Schreib-/Ritz-/Schneidarbeit kommt ein
Arzt (oder Metzger) dazu. Im Text des Teams erfüllt
sich Begierde durch Gewalt. Das ist falsches Denken, es behauptet
sich darin der Zwang an sich (richtig wäre vielleicht: in der
Begierde erfüllt sich Not, die aufzuarbeiten ist). Gewalt erhält
für alle die Not, zeugt Schuld (Zwang und Gewalt verwandeln Not,
Notwendigkeit und Arbeit in Schulden und Schuld). Also wird das
Lebendige überall falsch niedergeschrieben und zum Stück. Schuld-Verschreibung. Als Text-Körper
und als Projektions- und Schreibfläche (Körper der Bühne) dient
Lebendiges, ein gestohlener Körper (wehrlos gemachter Mensch). Im Idealfall ist der Zubringer des
Opfers, der Körper-Dieb und Zuhälter der Exekutive angehörig oder
mit ihr eng verbunden (als Dieb, Mörder und/oder Polizist).
Wer immer freiwillig und gern eine Bühne betritt, ist Lügner
und Blender im Großen, ist Mörder und Schänder an und
im Kleinen.
*Glaube: Kryptische Sinn-Zu-Gabe: Werk Gottes: die Gespenster am Fenster
verlangen die Transformation von Blut in Weinen, legen
in ihren Kellern Fleisch zeliger Kinder auf tote Heilige, die Gaben
zum Sinn, unser simples Leben erfüllt ihren blutleeren Blödsinn.