Freitag, 8. März 2013

Heil-Land der inneren und äußeren Ferne

Noch ein Stück im Text.

Im Unterschied zum (Tag-)Traum-Welt-Erleben, bei dem Wünsche wahr zu werden scheinen und sich mit Wirklichem verweben können, wird im Heil-Land der inneren Ferne ein Albtraum für Täter und Opfer inszeniert. Ein Traum überformt und gestaltet hier nicht Alltag und Wirklichkeit in Zufall und Deutung, sondern wird als äußeres fremdes anderes Bild daneben gesetzt und betrachtet. Einem Andern im Bild, dem Opfer, wird der Traum angetan. Laute Laute unterdrückt, Opfer geknebelt, Alles schön hingerichtet. Inszenierung im kleinsten Raum, Sinn im großen Raum, mensch-/körperlosen. Notwendig gehört Heimliches, Intimes zu Öffentlichem, Anonymes, Kleines zu Unpersönlichem, Großem, Schmutziges, Krankes zu Reinem, Heiligem. Im Theater trifft es sich. Alles ist Bühne, Alles gehört zum Schauspiel. Heil-Land der äußeren Ferne: Öffentlichkeit:  Menschen auf der großen Bühne gibt es nicht, dort sind nur Masken. Nicht-menschliche Masken für die Unmenschen des Innenraums. Der Täter steht auf der kleinen Bühne und ist den scheinbar harmlosen Zwängen der großen verhaftet. Im Verborgenen wird er mit Regeln und Zwängen Autor seines Albtraums. Er träumt sich nicht, er verkennt sich. Er glaubt an sein Glück und an sein Recht und seine Gerechtigkeit und das Leid seiner Opfer: das ist sein Glaube*. Glaube ist eine Verbindung von Regel, Gesetz aus dem Heil-Land des äußeren mit der inszenierten Gewalt und der Vergewaltigung im Heil-Land der inneren Ferne, der intimsten finstersten Bereiche des ganzen Sozialen. Kein Mensch mit Körper Hirn Haut Haar Augen und im Licht des Tag hat einen Glauben. Lässt sich die Inszenierung beschreiben? Mit der großen Unlust des Wollens wird auch die Wollust ins Bild gesetzt, wird zu Lust ohne Wollen: Lust als Objekt (war einst die Frau) zu Not, Angst als Objekt (der Mann)? Das Schauspiel in der Hinter-Raum-Hölle braucht wie die veröffentlichte Welt meist auch einen Text als Regelwerk, Texte im Text, es braucht den Vertrag, den Pakt, die Anleitung und die Begründung. Für eine Beschreibung des Archaischen müsste man den Albtraum wenden. Er wird aber hier nur inszeniert, wiederholt. Kleiner fremder Raum, Bühne - für Gläubige: die Hölle - als Abbild des großen fremden Raums, Öffentlichkeit - für Gläubige: der Himmel. Für die Inszenierung im unheimlichen versteckten Kleinen sorgt eine Mannschaft, die auch das Bild im Großen maskenhaft füllt: der Regisseur: ein Politiker und großer Vertreter (und Führer) der großen Welt, für die moralische Rechtfertigung (die Inhalte) ein Priester, für Regel und Vertrag (Hoheit und Text) ein Richter, für die Schreib-/Ritz-/Schneidarbeit kommt ein Arzt (oder Metzger) dazu. Im Text des Teams erfüllt sich Begierde durch Gewalt. Das ist falsches Denken, es behauptet sich darin der Zwang an sich (richtig wäre vielleicht: in der Begierde erfüllt sich Not, die aufzuarbeiten ist). Gewalt erhält für alle die Not, zeugt Schuld (Zwang und Gewalt verwandeln Not, Notwendigkeit und Arbeit in Schulden und Schuld). Also wird das Lebendige überall falsch niedergeschrieben und zum Stück. Schuld-Verschreibung. Als Text-Körper und als Projektions- und Schreibfläche (Körper der Bühne) dient Lebendiges, ein gestohlener Körper (wehrlos gemachter Mensch). Im Idealfall ist der Zubringer des Opfers, der Körper-Dieb und Zuhälter der Exekutive angehörig oder mit ihr eng verbunden (als Dieb, Mörder und/oder Polizist). Wer immer freiwillig und gern eine Bühne betritt, ist Lügner und Blender im Großen, ist Mörder und Schänder an und im Kleinen. 




*Glaube: Kryptische Sinn-Zu-Gabe: Werk Gottes: die Gespenster am Fenster verlangen die Transformation von Blut in Weinen, legen in ihren Kellern Fleisch zeliger Kinder auf tote Heilige, die Gaben zum Sinn, unser simples Leben erfüllt ihren blutleeren Blödsinn.