Krise entsteht dadurch, dass sich der
Sinn des Seins bemächtigt. Wenn einer nur die Widersprüche im
Detail schildert und die Abläufe berechnet und löst und nirgends
die Krise an sich selbst anfasst, so liegt das daran, dass er sich
eine Mission aufgehoben hat, ein Manifest, das gegen die Auflösung
der Widersprüche gerichtet sein soll, seine Autorität und seinen
persönlichen käuflichen Weg aus der Krise. Krise ist ja nicht der
Einbruch des Bösen und Sinnlosen in die Welt, sondern in ihr
erscheint uns die apokalyptische Endlösung sinnvoller Zeichen. Es
passiert etwas richtungverkehrt, ganz anders als es die
apokalyptische Drohung verspricht: erst kommt die absolute Herrschaft
der Zeichen und des so schönen himmlischen Sinns und daraus folgt
der Zusammenbruch, das Vergehen im Unsinn. Wir krempeln den Ärmel
runter und frei liegt die himmlische Glans. Der Glaube an einen
jenseitigen Sinn verschiebt nicht nur Berge, sondern erzeugt sie auch.
Glaube versetzt unter sich Berge. Schiebt Sinn hin, schiebt ihn her.
Herr Sinn haust auf Berg (in Missionars-Stellung), nicht allein in schäbiger Herberge. Nicht nur der
Mehrwert erhebt sich über körperliche Arbeit, sondern aller Wert.
Links neben der Arbeit befindet sich der Körper, der wuchert im
menschlichen Fleisch und rechts neben dem Kapital liegt die Grenze
des Wirtschaftsraums, jenseits das Paradies, ein Schatz-Reich mit
neuen Sklaven des Sinns, Traum-Reich mit Sinn-Engeln darin --- die
auf Vergewaltigung und Sinn-Verblödung schon warten, genauer: auf
Mission und Glauben und Sinn-Sklaverei und Verdummung und
Hinrichtung durch sinnlose Arbeit. Sinn und Wert ordnen sich
Wirklichkeit und Körper unter. Die Herren des Sinns erkennen die
Widersprüche nicht. Sinn ist sich selbst frei vom Widerspruch, ist
absolut. Das ist ihr Sinn. Die große Selbst-Täuschung des Sinns
heißt übrigens: Kredit. Wenn der Glaube, also der Kredit, verloren
gegangen ist, wird jeder Körper (einzeln verschlossen oder im beliebig großen und weiten Verband) ein Pflegefall, muss gefüttert
werden - Sinn wird zu Wahnsinn, Schönheit der Zeichen vergeht euch dann. Was
passiert, wenn Expansion nicht mehr möglich ist, weil alle Grenzen
schon überschritten sind, alle Sinn-Paradiese erobert? und die
letzte große Sinnblase platzt? Babylon umgedacht: entweder es kommt
zur Erneuerung der Sprachgrenzen (körperlich und national – aber
das hatten wir vielleicht schon) oder muss sich der Mensch aus den
Resten selbst neu erschaffen? Aber Sinn schafft sich nicht neu, Sinn
ist und war schon immer nur toter Rest des Körpers. Muss der Mensch
sich erst in ein Tier wieder verwandeln, ganz simpel durch ganz
natürliche Selektion vielleicht!? damit der Körper wieder recht bekommt! So fresst das und euch! Oder
gibt es einen freiwilligen Verzicht auf Autorität und
Sinn-/Vermögen? Sinn-Utopie.