Sonntag, 5. Mai 2013

Besinnung


Krise entsteht dadurch, dass sich der Sinn des Seins bemächtigt. Wenn einer nur die Widersprüche im Detail schildert und die Abläufe berechnet und löst und nirgends die Krise an sich selbst anfasst, so liegt das daran, dass er sich eine Mission aufgehoben hat, ein Manifest, das gegen die Auflösung der Widersprüche gerichtet sein soll, seine Autorität und seinen persönlichen käuflichen Weg aus der Krise. Krise ist ja nicht der Einbruch des Bösen und Sinnlosen in die Welt, sondern in ihr erscheint uns die apokalyptische Endlösung sinnvoller Zeichen. Es passiert etwas richtungverkehrt, ganz anders als es die apokalyptische Drohung verspricht: erst kommt die absolute Herrschaft der Zeichen und des so schönen himmlischen Sinns und daraus folgt der Zusammenbruch, das Vergehen im Unsinn. Wir krempeln den Ärmel runter und frei liegt die himmlische Glans. Der Glaube an einen jenseitigen Sinn verschiebt nicht nur Berge, sondern erzeugt sie auch. Glaube versetzt unter sich Berge. Schiebt Sinn hin, schiebt ihn her. Herr Sinn haust auf Berg (in Missionars-Stellung), nicht allein in schäbiger Herberge. Nicht nur der Mehrwert erhebt sich über körperliche Arbeit, sondern aller Wert. Links neben der Arbeit befindet sich der Körper, der wuchert im menschlichen Fleisch und rechts neben dem Kapital liegt die Grenze des Wirtschaftsraums, jenseits das Paradies, ein Schatz-Reich mit neuen Sklaven des Sinns, Traum-Reich mit Sinn-Engeln darin --- die auf Vergewaltigung und Sinn-Verblödung schon warten, genauer: auf Mission und Glauben und Sinn-Sklaverei und Verdummung und Hinrichtung durch sinnlose Arbeit. Sinn und Wert ordnen sich Wirklichkeit und Körper unter. Die Herren des Sinns erkennen die Widersprüche nicht. Sinn ist sich selbst frei vom Widerspruch, ist absolut. Das ist ihr Sinn. Die große Selbst-Täuschung des Sinns heißt übrigens: Kredit. Wenn der Glaube, also der Kredit, verloren gegangen ist, wird jeder Körper (einzeln verschlossen oder im beliebig großen und weiten Verband) ein Pflegefall, muss gefüttert werden - Sinn wird zu Wahnsinn, Schönheit der Zeichen vergeht euch dann. Was passiert, wenn Expansion nicht mehr möglich ist, weil alle Grenzen schon überschritten sind, alle Sinn-Paradiese erobert? und die letzte große Sinnblase platzt? Babylon umgedacht: entweder es kommt zur Erneuerung der Sprachgrenzen (körperlich und national – aber das hatten wir vielleicht schon) oder muss sich der Mensch aus den Resten selbst neu erschaffen? Aber Sinn schafft sich nicht neu, Sinn ist und war schon immer nur toter Rest des Körpers. Muss der Mensch sich erst in ein Tier wieder verwandeln, ganz simpel durch ganz natürliche Selektion vielleicht!? damit der Körper wieder recht bekommt! So fresst das und euch! Oder gibt es einen freiwilligen Verzicht auf Autorität und Sinn-/Vermögen? Sinn-Utopie.