Der Mensch, der ihn kleidet, ist nicht
sein eigener Körper. Es ist ein zweiter Leib, der ihm nahe ist, wie
sein eigener. Also hat Judas Jesus nicht verraten, sich nicht
verstellt, sich nicht von sich aus von ihm ab/gewand/t. Sie wurden
getrennt. Der Täter liefert uns sein Geständnis in einem Bild: er
verweist auf den zerrissenen Judas. Es ist der Mörder beider, der vom
zerrissenen Täter Judas erzählt. Der Riss, die Tat hat Jesus und
Judas getroffen, Kleid vom Körper, Körper vom Kopf und Geist weg
gerissen. Jesus ist nicht am Kreuz für andere gestorben. Seine
Himmelfahrt war eine Reise in die Nacht, das Schweigen, das geistige
Nichts, die Sinnlosigkeit, Leere. Judas hingegen ist eines
gewaltsamen Todes gestorben. Die übrigen Jünger und die großen
Evangelisten und alle Geist-Gläubigen nach ihnen haben Jesus das
Leben genommen, sein irdisches Leben und seinen Körper in Judas.
Jesus und Judas zusammengenommen, vereint, sind ein Leib, ein Körper
jenseits jeder Vergeistigung, jenseits jeder Religion und
Göttlichkeit. Beide zusammen sind Mensch. Getrennt sind sie die
Unmenschlichkeit der anderen, der Gläubigen, der Mörder. Das ist
darum des Christen Bestimmung und Fluch: einerseits immer das Feuer
des Geistes im Kopf zu bekämpfen und andererseits das Fleisch zu
zerreißen, vom Kopf weg zu reißen und abzutöten. Geist ist dem
Christen äußerlich und Körper ist ihm ewig fremd. Was für schöne
Lügen er sich ausdenkt über Jesus und Judas – noch als Deutung
des Judasevangeliums – und zum Schluss entlässt er doch immer
wieder nur seinen eigenen Geist um ungehemmt dann zu töten. Es ist
keine Moral in der Geschichte - wie Nietzsche im Zarathustra schreibt
- kein Sinn, nur ein Sein der Sinne, nur das Sein, das Leben,
lebendiger Sinn, der Körper, der Leib. Es wird keine leere Lehre weiter
gegeben an Schüler oder gar Prediger des Sinns. In der Ent-Zweiung
öffnen sich die Körper dem Sein. Zusammen waren sie. Sei, der du
bist, ist unvermitteltes Sein. W/Erde, der du bist, kommt aus der
Trennung der beiden, ist ihr Vergehen, das einzige sinnliche Vergehen
der beiden, weiblich, Weiblichkeit und zum Scheitern verurteilter
Selbstverstand immer verwirklicht und verwirkter Verstand in der
Liebe zu einer Frau, Schwangerschaft, Zeugung und Kind. Es gibt
keinen Stern am Himmel dafür und keine Bestimmung, es gibt nur ein
Weib, zum Körper der Männer den sinnlichen Leib. Erkennen hat darum
auch zurecht die doppelte Bedeutung: der verzweifelte
verstandesmäßige Versuch Sinn in das irdische Sein zu bringen, der
die Menschen entzweit und die Sinnlichkeit und Geschlechtlichkeit an
sich (nun nicht mehr als die erkannte eines Verstands), in der das
Sein sich ewig wiederholt. Das Rätsel offenbart sich in dem Moment,
da der Körper der Frau allumfassender Gesellschaftskörper geworden
ist: Frau ist gesellschaftliche Wirklichkeit, handelt politisch mit
Verstand, macht Männer zu Körpern mit abgerissenen Köpfen,
Verrückte mit zerrissenen wirklich wunden Körpern, klärt auf und
gibt Vernunft. In der Entzweiung von Judas und Jesus war die
unbefleckte Empfängnis das Wissen der Frau, die Frau mit dem Wissen
und dem Kind war allein: jedoch hat die gleiche Verlogenheit, die die Männer in
den Himmel gehoben hat, aus der Frau mit Kind eine unbefleckte Mutter gemacht. Aber nun ist die Lüge mal aufgeflogen. Das
Rätsel also offenbart sich in einer Welt der Zeichen, die endlich in letzter Konsequenz nur weiblich ist, in der aber auch die Frau ihre Kinder an die
Zeichenhaftigkeit abgibt: das Rätsel in Zeichen und in einem Bild ist das Wunsch-Sein
der beiden getrennten Männer, vernünftig geplant gegen aller Entzweiung und das
erwünschte Werden der unerreichbaren Frau, die nur mehr sich selbst plant und die
körperliche Erfüllung ebenfalls hinausschiebt. Darum war auch zweifellos LouAS
die einzig wirklich Liebe und Geliebte von Nietzsche und Ree und die
hässliche Cosima war in dem Spiel nur eine lächerliche Randfigur und natürlich behaftet und dauerschwanger mit einem uralten Denkfehler und der dämliche Über-Gott dazu, ihr Vater-Ersatz und ihr Großer und Mann war notwendig ein Evangelist, ein Verkünder des Blödsinns, Christ und Antisemit.