Montag, 27. Mai 2013

Ich, Er und unsere Sie


Der Mensch, der ihn kleidet, ist nicht sein eigener Körper. Es ist ein zweiter Leib, der ihm nahe ist, wie sein eigener. Also hat Judas Jesus nicht verraten, sich nicht verstellt, sich nicht von sich aus von ihm ab/gewand/t. Sie wurden getrennt. Der Täter liefert uns sein Geständnis in einem Bild: er verweist auf den zerrissenen Judas. Es ist der Mörder beider, der vom zerrissenen Täter Judas erzählt. Der Riss, die Tat hat Jesus und Judas getroffen, Kleid vom Körper, Körper vom Kopf und Geist weg gerissen. Jesus ist nicht am Kreuz für andere gestorben. Seine Himmelfahrt war eine Reise in die Nacht, das Schweigen, das geistige Nichts, die Sinnlosigkeit, Leere. Judas hingegen ist eines gewaltsamen Todes gestorben. Die übrigen Jünger und die großen Evangelisten und alle Geist-Gläubigen nach ihnen haben Jesus das Leben genommen, sein irdisches Leben und seinen Körper in Judas. Jesus und Judas zusammengenommen, vereint, sind ein Leib, ein Körper jenseits jeder Vergeistigung, jenseits jeder Religion und Göttlichkeit. Beide zusammen sind Mensch. Getrennt sind sie die Unmenschlichkeit der anderen, der Gläubigen, der Mörder. Das ist darum des Christen Bestimmung und Fluch: einerseits immer das Feuer des Geistes im Kopf zu bekämpfen und andererseits das Fleisch zu zerreißen, vom Kopf weg zu reißen und abzutöten. Geist ist dem Christen äußerlich und Körper ist ihm ewig fremd. Was für schöne Lügen er sich ausdenkt über Jesus und Judas – noch als Deutung des Judasevangeliums – und zum Schluss entlässt er doch immer wieder nur seinen eigenen Geist um ungehemmt dann zu töten. Es ist keine Moral in der Geschichte - wie Nietzsche im Zarathustra schreibt - kein Sinn, nur ein Sein der Sinne, nur das Sein, das Leben, lebendiger Sinn, der Körper, der Leib. Es wird keine leere Lehre weiter gegeben an Schüler oder gar Prediger des Sinns. In der Ent-Zweiung öffnen sich die Körper dem Sein. Zusammen waren sie. Sei, der du bist, ist unvermitteltes Sein. W/Erde, der du bist, kommt aus der Trennung der beiden, ist ihr Vergehen, das einzige sinnliche Vergehen der beiden, weiblich, Weiblichkeit und zum Scheitern verurteilter Selbstverstand immer verwirklicht und verwirkter Verstand in der Liebe zu einer Frau, Schwangerschaft, Zeugung und Kind. Es gibt keinen Stern am Himmel dafür und keine Bestimmung, es gibt nur ein Weib, zum Körper der Männer den sinnlichen Leib. Erkennen hat darum auch zurecht die doppelte Bedeutung: der verzweifelte verstandesmäßige Versuch Sinn in das irdische Sein zu bringen, der die Menschen entzweit und die Sinnlichkeit und Geschlechtlichkeit an sich (nun nicht mehr als die erkannte eines Verstands), in der das Sein sich ewig wiederholt. Das Rätsel offenbart sich in dem Moment, da der Körper der Frau allumfassender Gesellschaftskörper geworden ist: Frau ist gesellschaftliche Wirklichkeit, handelt politisch mit Verstand, macht Männer zu Körpern mit abgerissenen Köpfen, Verrückte mit zerrissenen wirklich wunden Körpern, klärt auf und gibt Vernunft. In der Entzweiung von Judas und Jesus war die unbefleckte Empfängnis das Wissen der Frau, die Frau mit dem Wissen und dem Kind war allein: jedoch hat die gleiche Verlogenheit, die die Männer in den Himmel gehoben hat, aus der Frau mit Kind eine unbefleckte Mutter gemacht. Aber nun ist die Lüge mal aufgeflogen. Das Rätsel also offenbart sich in einer Welt der Zeichen, die endlich in letzter Konsequenz nur weiblich ist, in der aber auch die Frau ihre Kinder an die Zeichenhaftigkeit abgibt: das Rätsel in Zeichen und in einem Bild ist das Wunsch-Sein der beiden getrennten Männer, vernünftig geplant gegen aller Entzweiung und das erwünschte Werden der unerreichbaren Frau, die nur mehr sich selbst plant und die körperliche Erfüllung ebenfalls hinausschiebt. Darum war auch zweifellos LouAS die einzig wirklich Liebe und Geliebte von Nietzsche und Ree und die hässliche Cosima war in dem Spiel nur eine lächerliche Randfigur und natürlich behaftet und dauerschwanger mit einem uralten Denkfehler und der dämliche Über-Gott dazu, ihr Vater-Ersatz und ihr Großer und Mann war notwendig ein Evangelist, ein Verkünder des Blödsinns, Christ und Antisemit.