Samstag, 11. Mai 2013

Sinnloses Nichts


Die ersten Zeichen des Menschen sind nur das, was sie darstellen, sie sind Vertreter des Menschseins, sie brauchen keine Deutung, sie sind die Sache selbst. Die Zeichen sind der pralle, volle, mächtige, vollmächtige schwangere Leib, der Körper des fruchtbaren Weibs. Diese Zeichen vermehren sich und verdoppeln sich, verwandeln sich und spalten sich. Sie sind nach der Verwandlung Lüge und ihr Ursprung ist verdeckt. Aus Versteck und Verwandlung erhebt sich der Sinn, ein falsches Zeichen, der 'Phallus', den Mann irgendwann einmal dann mit seinem Genitale verwechseln darf. Phallisch war nur eine Deutung des Sinns, eines Einschnitts in den schwangeren Körper der Frau. Grund der Schwangerschaft war anfänglich das Kind, nicht ein Mann. Beschneidung ist symboische Wiederkehr des schwangeren Leibs, geschieht im Zeichen, als Zeichen der allmenschlichen Weiblichkeit. Menschlich, Allzumenschlich ist des Menschen Wahrheit im schwangeren weiblichen Leib.

Der Mann ist tatsächlich aus Erde gemacht, die Frau ist aus reinen Anzeichen erdacht. Mann ist nachträglich gemacht, wurde aus Zeichenleiblichkeit ausgeschieden. Aus der großen endlichen Leibweltlichkeit. Frau teilte sich sich für Freuds Not, seinen Grund seiner Hoffnung, seiner Erkenntnis, seiner Entfaltung, seiner Verbreitung. Aber die Not bleibt dem Mann, der Mann verhaftet der Erde.

1000 x 1000 Jahre war auf das Männchen, das Hinter-Menschchen gesitzt. Erde zu Erde und Notdurft zu Not. Bis sich der Sinn erheben durfte, dank eines Schnitzers, eines göttlichen Schnitts in den Körper des schwangeren Leibs: jetzt als Lüge der Lügen, Phallus, Zeichen der Männlichkeit. Sinn erhebt sich um sich selbst zu zerstören, der Schnitzer war immer schon auch ein finaler Schnitter: das Patriarchat, Zeichenwelt, maschinelle, macht von Beginn an Jagd auf Groß-Hirn. Zurecht sich die Dinge Denken ist gefährlich, Simpel ist stark gefährdet. Sinn-Macht ist mörderisch. Der einzige Fortschritt den das Patriachat dem Menschen vererbt ist eine kleine Veränderung des Kleinhirn. Autist ahnt sich in der Tat. Das Patriarchat ist ein Stammspalter des Hirns.

Als Ursprung sind die Zeichen heute nun so leer wie ein Grab, das wartet, subjektive Sinnlosigkeit und zugleich als Lüge sind sie die Vergangenheit, die lebt und ein objektives Nichts. Über diesem neuen Loch im Körper der Erde, das niemand haben und sein will, in dem keiner sein will, erhebt sich der Sinn, das sinnvolle Sein, die Form des Leibs im Stein, hin zur Negation des Lebendigen und es wendet sich die Bdeutung, verendet im Phallus, das eine soll zu Sinn sich selbst werden und das andere zum Symbol, das eine zum Zweck, das andere zur Absicht, das eine zum Mittel, das andere zum Willen, das eine zum Wunsch, das andere zu Wille und Macht. Aus der Bauchhöhle wird endlich nach vielen Umwegen das Grab und auf der Erdoberfläche bleibt als Symbol übrig nur ein Kreis um ein Loch. Bauch wird Loch und Loch zu Kreissymbol: doppelt gelogen hält für Ewigkeiten dicht. Damit ahnt mann jetzt die ewige Wiederkehr seinesgleichen. Das einfache Erdloch war einmal für den Mann einfaches Zeichen zu Zeichen, Grabenloch, Falle, in die er gerne doch ging.

Das nächste Zeichen ist ihm das gestopfte Loch, ihre Schwangerschaft, erstes Zeichen an sich und ihr und es ist ihm sein zweites: er schuf sich in ihm die eigene Schwangerschaft. Sein zweites Zeichen wurde auch Zeichen-Abnabelung: mit einem Schnitt verwandelt sich der aus der Erde geborene Loch-Sinn in seinen phallischen doppelten Unsinn. Auch der Phallus als Symbol ist eine doppelte Lüge: Sinn-Deckel eines Grabs, das nie eines war: Dreckdeckel, Dreckel. Not-Loch seiner Sinne. Dreifach Falschheit, da es eine Lüge war, die ihm von ihr geschenkt ward. Am Kreis werden die neuen Zeichen aufgerichtet (wie auch immer: zum Steinkreis, der wohl ursprünglich ein Erdwall war mit vergrabenen Seiten- und freiem Deckstein, ein schwerer Stein-Himmel war das den beiden, zwei Lügen und Lügnern, des Erd-Haufens Sinn).

Zusammengefasste verlorene Menschlichkeit: Fünf Lügen (nicht nur die fünf Finger, sondern auch fünf Teile des Körpers und Hirns) tragen nun in sich ihren und seinen Sinn, die Sinne und einen sehenden Übersinn. Erstes Zeichen war also schwangerer Körper (künstliche Erhebung) mit fremdem Nabel-Loch (sein Loch aller Löcher und Wohnloch). Zweites Zeichen: Ver-Schüttungen. Vor der Neuzeit gab es nie ein Grab und es gab überhaupt noch nie eine Gräbersymbolik. Auch den Tod gab es nicht. Den sehen nur wir seit heute und jetzt als unsern Über-Sinn im Spiegel.

Tod und Sex sind ein modernes Paar, Sinn und Nichts, die ewig sind und keine Ende mehr haben wollen. Sex für sich wird damit dem Mann zu Verzweiflung und Verlust. Im Verein mit Gewalt andererseits, also dem Zeichen unterworfen, wird er gespürt als sinnlos und leer. Sex ist sich so Selbstzweck, Eigenmacht und Sucht. Für die Frau ist das Sexuelle nun Liebe, geliebt werden und erfüllte Sinnlosigkeit oder Schwanger-Sein für einen anderen, sie wird sich damit gefülltes Loch und ebenfalls Nichts. Für sie ist schon das Verlangen nach Sex leerer Zweck, Eigensucht und Eifersucht. Sie ist schon weiter und bei einer Liebe angekommen, die nach fremdem gleichen Körper verlangt.

Es gab eine Zeit davor (vor den Zeichen der Zeichen – die gibt es auch noch für die Menschen mit Eigensinn und GHirn), für die Menschsein anders zu beschreiben ist, weil Mann und Frau noch einen Körper bildeten im Denken und Handeln und Sprechen. Utopische Insel-Seligkeit, von der man nur die Glückseligkeit in Abzug bringen muss.

Es gibt auch eine Zeit nach dem Patriarchat, für die Menschsein gespalten ist in ein Quantum Mann-Mensch-Sein (ist seltsames Einsamsein mit gelegentlichen Ausbrüchen in Höhlen-Zorn) und ein davon verschiedenes Quäntchen Frau-Mensch-Sein (Liebe, die sich nach Körper sehnt, der aber dem Sehnen nicht Erfüllung sein kann oder soll). Frau-Mensch-Sein ist sich scheinbares Erfülltsein, will nicht mehr prall sein vor Kind. Mann- und Frau-Mensch-Sein begegnen sich in einer Art taub sinnlosem Tanz und vereinigen sich in ihrer Fremdheit zu einer (T)Raummaschine. Traum von Huren und Verführern.

Gelegentlich geistert erstmals aber auch manchem ein Gesamt-Konstruktionsplan durch den Sinn. Gesamtkunst. Sinnsprengend Begeisterung kommt ihm dazu. Hirnverbrannt. Sinnwandern verrannt: mit Schlag auf 's Hirn. Tanz einmal anders. Die Maschine fliegt. Im Grunde ist das so eine Art Dialektik. Ist nicht sinnloses Hin- und Herwenden mit abschließendem sinn-losem Kompromiss. Ist Spiegelung, Spiegelung und finales Umwerten mit – Sinn/Sinn-Verlust. Der menschliche Körper hat sich nur einmal verändert, weg von Tier durch eine Spiegelung. Die zweite ist Folge der Erweiterung des GHirns. Die zweite ist bereits keine körperliche mehr, sondern bewirkt durch die Veräußerung der Zeichen, kommt also von außen und ist realer Spiegel, Spiegel der Realität. Diese verdoppelt daher einen der körperlich schon da war - und Schluss der Entwicklung des Großhirns - das Patriarchat schafft nichts neues, sondern beginnt mit der Auflösung des schon vollen Menschseins, treibt es voran hin zum Abgrund, vernichtet allmählich den Menschen, verbannt ihn sich körperlich fremd nun mit dem ganzen Körper in eine Welt von Zeichen, toten und maschinellen.

Sobald sich der Körper auflösen muss in Zeichen, selbst tot und abstrakt sein soll, offenbart sich die subjektive Sinnlosigkeit und das objektive Nichts auf dem und im lebendigen Körper, das eine wird zum haltlosen Sinnumwerten als dauerndem Prozess mit physischem Schmerz (als Rache der Zeichen) das andere wird zu einem unsinnigen Sinn- und Sinne-Überwerten und finalem Blödsinn, Sinn-Unterordnung.

Volles Körpersein ist nun ein einmal einfach gezeichnetes plus furchtbarsten Schmerz, also ein hin und her zwischen hilfloser Phantasie und wirklichem Körper-Leid, auch An-Triebhaftigkeit, andererseits ist es getriebene, durchtriebene Leiblichkeit, räumliche Hohlheit, Grenzenlosigkeit, sinnlose Zeichenhülle. Also phallische Blase? Rückkehr in den Mutterleib? Interpretationsfehler, männlicher, Leere an Deutung. Die Menschheit freut sich über des Menschen Weisheit und Wissen und nachträgliche Theorien bis - sie der Hunger beisst und - alle und alles widerlegt. Oder körperlich An/trieb im Verschluss von Leib verflüchtigt sich sinnlich.