Samstag, 18. Mai 2013

Brecht mir Zeichen II


R-Löst
Der Sinn für das Schöne gehört dem Schmarotzer, für ihn blutet der Wirt. Der ist nun nicht unter uns. Durch Geldwert entfremdete Lohnsklaverei. Der Sklave ist da und real, nur ist er nicht sichtbar, nicht fassbar. Sinn unhandlich. Das macht uns noch die Antike fremd. Es gibt keine ihr entsprechende Klassik geschriebener Zeichen. Also blutet den Freien der Wirt noch im eigenen Körper. Witzig: die Behandlung der Hysterie im 19. Jahrhundert ging mit Blutegel ans weibliche Genitale, der sich schreibend veröffentlichende Psychiater war ein Berufspornograph, wie gern doch unschuldig und tief triefend vor ihrem Sinn. Wo ist der Sklave des Sinns im Text? Er ist unsichtbar geworden, Gespenst. Endlich frei – scheinbar, gespensterfrei, wirkungslos, willenlos, sinnlos, Unsinn bis zum verordneten ärztlichen Schwachsinn. Es lohnt sich nur dann, der Umwertung und Verwandlung im Text zu folgen, also die Lektüre, wenn der Autor in Wirklichkeit sich körperlich auch selbst verwandelt. Ansonsten bleibt das Schreiben doch wertlose, sinnfreie Spielerei. Die wirkliche Flucht auf die Glückseligen Inseln war notwendig zugleich ein physisch und wirklich erlebter Höllentrip. Die Inseln im Text hingegen sind die Ideale des Autors Nietzsche und seiner Höheren Menschen, ein stiller Traum zum Abschluss eines Textes, der Neuordnung der Zeichen zum Nachtrag gemacht. Übermensch als G-Macht. Der Text ist keine simple und an sich wertlose Anleitung zum Umdenken, so wie dieser Text hier, den ich ohne weiteres und ohne Schaden auch wieder verlassen kann. Der gute Text verlangt ein Mit-Texten, kein Lesen. Kein Hin-Lümmeln ins Auditorium, kein gekünsteltes Platzen des Affekts im Zuschauerraum. Keine Anerkennung gibt es, kein verständnisvolles Sich-Zunicken. Sonst findet der Text seinen Körper nicht. Der Körper muss mit, mehr als nur im Affekt, in Trauer und Lachen. Der Körper muss Bühne werden, Welt und Text und Ich und Selbst, Subjekt der Welt. Es ist nicht der Größenwahn gefragt, der in die Welt hinaus will, und sich tatsächlich auf die Bühne stellt: der ist vom Blick und vom Zuschau'n der andern berauscht, der hat keinen Körper, dem ist der Kopf in Suff vom Hals gefallen, wahrscheinlich im Puff. Aufmachung ihm öffentlich recht. Es ist dies nicht die Größe im Wahn, die sich nachträglich dem Leid an Körper und Text ergibt. Das Subjekt muss in den Text fallen und der Text auf den Körper. Der Text muss als Steinplatte auf die Kopfplatte knallen, das Brett muss vor der Stirn brechen. Dem Körper und Kopf muss der Sinn im schmerzlichen Kopf-Zerbrechen, im R-Brechen kommen. Die Zeichen müssen erst wegbrechen, der Körper muss zusammenbrechen. Der Sinn der Dinge ist nicht ihr End-Wert, sondern im Hin- und Her- und Umwerten zu entwerten. Also ist der Autor beim Schreiben in der Zwiesprache mit dem Körper, er muss beim Körper auch bleiben. Verzweifelt bisweilen schaltet er ab, er schaltet sich ein und aus. Der Text ist nicht utopische Fluchtinsel als Gegenbild zum Realen. Er ist Welt im Bild und ein Bild, in dem man ganz bleiben muss. Er ist nicht die Bild, also das falsche Bild-zu-Welt, auf das der satte Körper stets neu fällt, der Kopf blöd hereinfällt. Geld-Werte Sklaverei macht, dass Wahn von Schwachsinn so schwer nur zu scheiden ist. Der Warenwert verbirgt die physische Grundlage des Werts der Waren, den leider noch unverdroschenen wahren Wert. Also kann man sinnlos auch als Konsument in die Welt der Zeichen eintauchen. Jedoch ist das kein Brechen von Regeln und Zeichen. Im Exzess des Konsums widerspricht sich nur ein krankes System: Gewalt gegen Körper, den eigenen und andere, dem Erbrechen und den Verbrechen folgen ausgleichend und regulierend die immer gleichen alten Regeln der immergleichen Zeichen. Darum werden die simplen Regeln im Zarathustra sofort zum Deppenfutter: Gedenke, Mensch, den Wollust ausgeloht … Ein-stein war nicht von Wollust ausgeloht und Nietzsche war kein Wüster. Die Peitsche gehört auch nicht Text und Texter, um die raufen immer nur sich die Huren/Verführer des Sinns.