Samstag, 18. Mai 2013

Der hässlichste Mensch und die Schönheit der Zeichen


R-Kennt
Ein Text muss inhaltlich den Schreibprozess in Sprache und Schrift enthalten. Die Denkmaschine selbst muss ihr Innerstes ausbreiten. Wie läuft das Denken ab, wie erzählt es sich, Es wird Umwertung. Schreiben und Lesen nähern sich an. Es ist eigener Körper. Es schränkt sich nicht weiter ein, es schenkt sich. Objekt fehlt, Abnehmer. Für diese Art Schreiben gibt es keine Leser. Erst, wenn der Autor tot ist, tritt der Leser an sein Grab, seine Grube, in seine Falle des Sinns. Der Leser kann unvermittelt ins Werk einsteigen, er wird selbst Autor und Körper des andern. Die erste Umwertung und die, die er stets als solche bezeichnet, ist die der Oberfläche, sie erfasst schon die ganze Begrifflichkeit, alles was wir als Sinn glauben: alles was der Verstand war und niedergeschrieben im Grundgesetz der Vernunft. Die erste Umwertung erfasst auch schon das Sprechen und muss sich ständig neue Begriffe, Wörter und Werte schaffen. Das Schreiben bezieht den Leser, den Zuhörer, den Gesprächspartner als Selbst des Autors ins Schreiben mit ein. Das Ich und sein Selbst durchstreifen die Welt. Die Welt ist eine des Textes, der geschrieben Zeichen. Ich und Selbst nehmen sich die ihnen zugehörigen Zeichen der Welt. Die Welt der Zeichen zerfällt in Ich, Selbst und eine Zeichenwelt vor und nach dem Zerfall. Ich und Selbst verweisen den Geist, Vernunft und Verstand aus der Welt der Zeichen heraus auf den Körper des Subjekts. Das Subjekt der Zeichen wird frei. Es wird Subjekt seiner selbst und Ich wird als zeichenbestimmt erkannt und gegen die Welt gestellt. Dem Selbst, einst Sklave des Ichs, das ohne den Herrn im Grund nicht ist, wird die Freiheit als Schmerz des Ichs im Kampf gegen sich selbst in der Welt. Ich ist so tot wie die Zeichen, Ding und abstrakt. Selbst ist simple Lebendigkeit, das Leben selbst, der Körper für sich in seinen Funktionen und mit seinen Sinnen. Es ist dies der Aufstand der Sinne gegen den Sinn. Die Befreiung des Autors von der abschließenden Moral einer Geschichte. Die Befreiung des Menschen von der Geschichte. Die Befreiung des Denkens und Sprechens vom Diktat des Sinns und der Grammatik. Die Erfahrung ist Schmerz im Kopf, Kopfschmerz und Schmerz in der Seele, Sinn-Schmerz und Depression. Die Zeichenwelt ordnet sich von allein dem Körper zu im Zufall, zufällig sich ergebendem Sinn. Das ist aber nicht zufälliger Unsinn. Es ist auch nicht 'höherer Blödsinn'. Die Zeichenwelt fällt auf Ich und Selbst und beide auf ihren Körper zurück. Der Körper ist aber verstellt nur Ich und Selbst. Schreibend erkennt Mensch, der Körper ist ihm entstellt. Sich selbst am nächsten ist dieser Körper beschrieben als 'hässlichster Mensch'. Er ist reiner Text-Körper. Aus diesem Textkörper heraus fällt ein Autor, den der Text erzeugt hat. Er ist Kind seiner eigenen Welt und wieder ein Zeichen. Er ist der absolute Begriff der Schönheit. Er ist sich widerstandslos ausgeliefert, willenlos, ohne Macht, ohne Willen zur Macht, vom eigenen Text willenlos gemacht, er spiegelt sich aber nur selbst in seiner Text-Oberfläche und sieht seine Haut, seinen Körper und auf ihm die Wahrheit der Welt in einer Schönheit der Zeichen. In der Schönheit der Zeichen ist die entfremdete Welt, die Verstellung und Entstellung des Sinnlichen im Sinn, die Erkenntnis der Weise des Sinns, des weisen Unsinns, des vaterlosen Waisen, die Umwertung rückwärts gedacht wieder und nun einem nackten und freien Körper verbunden. Der freie Körper real wird im Kopf noch Rest-Schein und nackt und schön. Bei Kafka ist es die Schönheit der Angeklagten im Prozess. Die Schönheit gehört nicht dem realen Körper. Der ist belastet von wirklicher Schwere. Die Schönheit ist das Abbild des Autors, die Autorität im Text, auch die Muse selbst, der Traum eines Schreibers hingestellt als Kontrast zum hässlichsten der entwendeten und überwundenen Zeichen. Zarathustra ist ja der Held, der Wille auf dem Weg zur Macht, zum Text, der G-Macht, Nietsche ist seinen Willen los, zum willenlosen Texter gemacht. Macht ist immer nur G-Macht, die Macht eines andern.