Samstag, 18. Mai 2013

Traumwörter

Der Traum hat mit dem Ghirn wenig zu tun, sondern scheint ein Herausfallen des Menschen in eine prähistorische, vielleicht sogar vormenschliche Wirklichkeit zu sein. Das Gehirn formt daher beim Aufwachen für ein Ich den Traum lügenmythisch um. Der Traum ist ein wörtlicher, aber die blöde Deutung eine buchstäbliche. Wörter sind kleine Texte, die man buchstäblich aufeinandergelegt analysieren kann. Umfassend bewertet zerfallen alle Dinge in Wörter aus Buchstabenreihen. Wörter verschließen sich zu Satzganzen und Sätze zu Texten. Texte sind durchsichtige Körperhüllen. Komplexe Texte versteckten komplexe Körper. Der Großbuchstabe ist ein Narr, der uns einen Rest von Sinn vorgaukelt, die kleinen Riesen verschlucken kleine Buchstaben und behaupten kleine Trittbretter zu sein und werden trügerische Sicherheit. Aber die Analyse bringt uns den alten Leib nicht zurück. Auch die großen Konsonanten sind nur Vokalschlucker und erhalten die Wörter nicht. Darum stottern wir beim Reden und Stolpern beim Lesen, weil buchstäblich Wörter am Anfang oft eigene Autorität haben, große Anfangszeichen mit Sinnverrätern hinterher. Wir stellen die Texte auf den Kopf und lesen sie gegen die Zeichen und finden im Traum zum Körper zurück, wir glauben ihm gern die verlorene Sicherheit eines natürlichen Leibs und wissen es besser: das Besserwissen ist unser Untergang.