... mein Ich ist dem Leib
verhaftet, nicht Leiblichkeit einem besonderen höheren Sinn und
Geist. Mensch ist mir aus Tier abgeleitet, ihm brüderlich
entfremdet, Natürlichkeit endet in ihm, Schöpfungsmythos vom Mir
gewendet, korrigiert, somit bin ich zwar nicht Tier, aber ich bin mir
damit auch wieder wie es leibhaft an sich. Ich habe mich mit den mir
eigenen Wendungen der Mythen gegen eine selbstgefällige
Weltgeschichte des simplen Menschlichen (das dem Tier eigenes
menschliches falsches ideelles männliches zeichenhaftes Streben
andichtet und die eigene Blödheit im Zeichen von Verstand und
Vernunft damit selbst wieder rechtfertigt) gestellt – Mensch
ist nicht vom Himmel gefallen – und bin eine menschliche Geschichte
für mich geworden: für mich allein (für alle und keinen, also für
mich selbst und – ganz überfüssigerweis – meinesgleichen).
Übrigens: Weib ist mir nicht fremd, aber muss gründlich gesondert
betrachtet werden und für sie und zu ihr werd ich nicht sprechen,
könnte auch nur Glauben verlangen. Ich verlange grundsätzlich
niemandes Glauben. Mann sieht es ein. Ich habe keine Berufung und
keine Mission: keinen Beruf für irgendwas und Bestimmung für
irdendjemandes Sinn und Erhalt. Ich brauche kein Gehalt, mein
Schreiben braucht keinen Gehalt, sowenig wie die Natur einen Lohn und
Sinn braucht. Wer bin ich: ich bin wie alle: Eigner der/meiner Welt,
eigener Leib, leibhaft lebendig irdisch, mir Einzigkeit, anderer
Winzigkeit als Rest und Kern, der in allem und allen steckt, ein
sinnloses Nichts, das sich vernachlässigen darf, das sich gern nur
umschreibt, hinschreibt zu vorgestelltem anderen Leib. Ich bin nicht
Christ oder End-Christ als trauriger Materialist, der sich in
unfassbarer Hohlheit und Hoheit sucht innerweltlich in sich oder außer sich: in
Ursachen, Zielen, dazwischen in Löchern und darüberhinaus im
Versagen. Insofern ich einfach lebe, gelegentlich etwas Mittel dazu
brauche, verbrauche, etwas mache und mich dabei selbst verzehr und
vergeh, hab ich mein Sach auf meinen Leib umgestellt, hinsichtlich
Sinn und Glauben allerdings auf ein Nichts. Ich hab' mein' Sach' auf
Nichts gestellt: nichts als mich selbst, also den Leib. Das Ich ist
ein Schrift-Ich, das Selbst ist der Leib. Ich über Ich und mehr
Selbst über Leib brauch ich nicht. Ich hat sein Schreiben auf
Nichts, gegen ein Nichts hin gestellt und Gott und die menschliche
Dummheit waren ihm dabei ein nebensächliches geringes Ärgernis ...
Psychoanalytisches
Über-ich ist als funktionale Einheit so
widersinnig und rückwärts gedacht wie die Extraktion der Arbeit aus
dem Produktionsprozess als wertschaffende Ursach. Ursach über Ursach vor aller Sach. Beides ist bei
Stirner schon zerfallen und als Lüge dem lebendigen Leib (Mir
als sich Verzehrendes, der Lebens- und Schaffensprozess) bloß
untergeschoben. Beides wird noch immer nachgeplappert und war doch
schneller widerlegt als zu Ende gedacht. Wir haben all-so die Wahl
zwischen Lüge und Wahn. Die Lüge ist gefährlich, weil ihre
Vertreter Mörder sind und wir schwach und natürlich mögliche
Opfer. Der Wahn besteht in der Selbstanalyse + bedarf der Aneignung
der erforderlichen Lebensmittel zum Erhalt des Leibs, produziert
keinen Mehrwert / Wert mehr für andere und ist damit das Ende der
Lügner (auch der Waren und Maschinen). Marx hat sich so ab gemüht:
Sein ganzes Kapital nur ein Buch mit keinem Ergebnis:
Arbeitskraft der Waren Wert: ein Irrtum oder eben: Schreiben für - Nichts. Freud hat sich so ab gemüht: den Geist neu erfunden als er
schon lange im Schwinden: noch schnell ein Ich über Ich - 'So sah ich denn mein Ich immer über und außer Mir und konnte niemals wirklich zu Mir kommen' (Der Einzige, S. 200) - bevor Es zerfällt Ihm schnell noch als flüchtigen Rest entwunden: Text um Text als Begründung: Lüge um Lüge: Betrug: hat sein Schreiben gegründet auf - Nichts.