Dienstag, 9. Juli 2013

Ich über Ich außer mir


... mein Ich ist dem Leib verhaftet, nicht Leiblichkeit einem besonderen höheren Sinn und Geist. Mensch ist mir aus Tier abgeleitet, ihm brüderlich entfremdet, Natürlichkeit endet in ihm, Schöpfungsmythos vom Mir gewendet, korrigiert, somit bin ich zwar nicht Tier, aber ich bin mir damit auch wieder wie es leibhaft an sich. Ich habe mich mit den mir eigenen Wendungen der Mythen gegen eine selbstgefällige Weltgeschichte des simplen Menschlichen (das dem Tier eigenes menschliches falsches ideelles männliches zeichenhaftes Streben andichtet und die eigene Blödheit im Zeichen von Verstand und Vernunft damit selbst wieder rechtfertigt) gestellt – Mensch ist nicht vom Himmel gefallen – und bin eine menschliche Geschichte für mich geworden: für mich allein (für alle und keinen, also für mich selbst und – ganz überfüssigerweis – meinesgleichen). Übrigens: Weib ist mir nicht fremd, aber muss gründlich gesondert betrachtet werden und für sie und zu ihr werd ich nicht sprechen, könnte auch nur Glauben verlangen. Ich verlange grundsätzlich niemandes Glauben. Mann sieht es ein. Ich habe keine Berufung und keine Mission: keinen Beruf für irgendwas und Bestimmung für irdendjemandes Sinn und Erhalt. Ich brauche kein Gehalt, mein Schreiben braucht keinen Gehalt, sowenig wie die Natur einen Lohn und Sinn braucht. Wer bin ich: ich bin wie alle: Eigner der/meiner Welt, eigener Leib, leibhaft lebendig irdisch, mir Einzigkeit, anderer Winzigkeit als Rest und Kern, der in allem und allen steckt, ein sinnloses Nichts, das sich vernachlässigen darf, das sich gern nur umschreibt, hinschreibt zu vorgestelltem anderen Leib. Ich bin nicht Christ oder End-Christ als trauriger Materialist, der sich in unfassbarer Hohlheit und Hoheit sucht innerweltlich in sich oder außer sich: in Ursachen, Zielen, dazwischen in Löchern und darüberhinaus im Versagen. Insofern ich einfach lebe, gelegentlich etwas Mittel dazu brauche, verbrauche, etwas mache und mich dabei selbst verzehr und vergeh, hab ich mein Sach auf meinen Leib umgestellt, hinsichtlich Sinn und Glauben allerdings auf ein Nichts. Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt: nichts als mich selbst, also den Leib. Das Ich ist ein Schrift-Ich, das Selbst ist der Leib. Ich über Ich und mehr Selbst über Leib brauch ich nicht. Ich hat sein Schreiben auf Nichts, gegen ein Nichts hin gestellt und Gott und die menschliche Dummheit waren ihm dabei ein nebensächliches geringes Ärgernis ...


Psychoanalytisches Über-ich ist als funktionale Einheit so widersinnig und rückwärts gedacht wie die Extraktion der Arbeit aus dem Produktionsprozess als wertschaffende Ursach. Ursach über Ursach vor aller Sach. Beides ist bei Stirner schon zerfallen und als Lüge dem lebendigen Leib (Mir als sich Verzehrendes, der Lebens- und Schaffensprozess) bloß untergeschoben. Beides wird noch immer nachgeplappert und war doch schneller widerlegt als zu Ende gedacht. Wir haben all-so die Wahl zwischen Lüge und Wahn. Die Lüge ist gefährlich, weil ihre Vertreter Mörder sind und wir schwach und natürlich mögliche Opfer. Der Wahn besteht in der Selbstanalyse + bedarf der Aneignung der erforderlichen Lebensmittel zum Erhalt des Leibs, produziert keinen Mehrwert / Wert mehr für andere und ist damit das Ende der Lügner (auch der Waren und Maschinen). Marx hat sich so ab gemüht: Sein ganzes Kapital nur ein Buch mit keinem Ergebnis: Arbeitskraft der Waren Wert: ein Irrtum oder eben: Schreiben für - Nichts. Freud hat sich so ab gemüht: den Geist neu erfunden als er schon lange im Schwinden: noch schnell ein Ich über Ich - 'So sah ich denn mein Ich immer über und außer Mir und konnte niemals wirklich zu Mir kommen' (Der Einzige, S. 200) - bevor Es zerfällt Ihm schnell noch als flüchtigen Rest entwunden: Text um Text als Begründung: Lüge um Lüge: Betrug: hat sein Schreiben gegründet auf - Nichts.