Mensch
ist über fremden VorLeser eigene VerLeser VielLeserei Schreiber
Dichter geworden, auch infolge einer viele Generationen
übergreifenden äußeren Not und innern Unlust, die in ihm endlich
allgemeines Un-vermögen oder Eigenschaft wurde in Schmerz und Zwang;
der Literaturbetrieb mit seiner Inszenierung einer Einheit von Autor
und Leser vernarrt in BuchHandlungen, in dem ein Werk vielfach sich
veröffentlicht und geöffnet dem Sinn und der Bedeutung endlich in
die Welt gebettet ist, ist ihm entwendet und entwertet in Trauer und
Leid und durch eine Wahrheitssucht, unerlösbare Lesesucht und
erlesene Selbstsucht im endlosen Schreiben ersetzt. Wund ist der
Autor aus seinem Bett gefallen, aus schlechtem Traum und liegt nun
auf dem Boden sich dauernd und müde nachsinnend rückenstärkenden
Tatsachen. Er braucht keine Schüler und eine unaufhörliche
ungenügende endlos sich übersättigende Befriedigung an ihnen und
er braucht keinen Lehrer, einen Anderen für sein Selbst seinen und
aller Mangel an Sinn. Er hat nun diese uralte Leiblichkeit als
Begriff und Schreiben und Inhalt und Text umgestülpt und wendet sich
selbst den Sinn nach innen, den Körper hin zu den Dingen.
So
geschieht eine Umwertung in der Welt abstrakter Werte und falscher
Bilder hin auf den absoluten Beginn: Leib geht nur außer sich mit
Leid los und Gewalt gegen sich:
Dem
Menschen ist infolge eines Unglücks, gewissermaßen eines
natürlichen Fehlers, eines zufälligen Versagens der Natur
geglaubter Gesetzlichkeit, das ihm allgemeiner Fehler oder
Eigenschaft wurde, der Fortpflanzungstrieb und dessen Szenerie,
Inszenierung in der Wirklichkeit, in der der Leib in die Welt
gebettet ist (Ökologie), entwendet und entwertet und durch eine
inhaltsleere Sucht ersetzt, der Trieb also gespalten in eine
grundsätzlich unaufhörlich wiederholbare ungenügende Befriedigung
und den Begriff eines Mangels in der Sinnsuche dazu (Lebenstrieb
einer blöden Biologie und Tod/Nichts als Ziel und ersehnte Befreiung
davon).
Übrigens:
inszeniert immer der Vergewaltiger diese Aufspaltung des Triebhaften.
Das Ungenügen der Befriedigung ist ihm anerzogen schuldbehaftet und
die Einsicht ist ihm zu anstrengend oder aus anderen Gründen
unzugänglich, gehört nicht in die Welt seiner Werte ist ihm nicht
erlaubt, erlaubt er sich und anderen nicht: der Missbrauch ist ihm
daher auch Auftrag (mythisch-religiös).
Der
Begriff des Mangels gehört zunächst den Dingen, er beseelt sie in
begrenzter Zahl der Worte. Archaischer Mythos ist die von der
Sinnsucht belebte be/nötigte Welt. Not wird erzählte Geschichte
einer Benötigung, mensch sucht sich Grund.
Mit
der Überlagerung der Begriffe, der Eroberung fremder Zeichenwelten,
erwirbt sich mensch den Verstand, den Ursprung verkehrt zu erfassen.
Die Sinnsucht wird Übersinn und aus der Not wird göttliches Gebot.
Die Befriedigung wird mangelhaft, verwerflich und die Sinnsuche wird
zum Glauben.
Aus
Gebot wird gelegentlich Gesetz und Verbot. Der Mangel wird in
Regelhaftigkeit aufgehoben und die Sinnsuche wird Wille zum Wissen
und zur Wahrheit.
Und
es ist damit noch nichts wirklich gewonnen. Mensch hat sich nur
engültig verrannt. Was war, bleibt verborgen vergangen verkannt.
Was
macht Mensch auch gegen Verzweiflung und Zweifel: er therapiert sich
mit sinnlosem Handeln: Ritual und Gebet. Er lernt Unsinnigkeit:
Ein-Sinn, Gelehrsamkeit, Arbeitstherapie, Wissenschaft. Geb@Heil und
endlich uns Sinn. Zweifelt und staunt und befriedigt euch selbst,
rührt in eurem GHirn mit einem Gebet um Erkenntnis der unfasslichen
Simplizität eurer – verständlichen Erschöpfung.
Mensch
erkennt sich nicht, er zerlegt sich nur sinnlos, hat einen
allgemeinen Leib, der sich teilen und regellos reglos verteilen kann:
die Gesellschaft wird Leib mit Gliedern, der Körper abstrakter Leib
mit unzusammenhängenden Teilen, die austauschbar sind, er seziert
sich, der Staat und die Kirche predigen den leblosen Körper, den
toten Leib der seelenlosen Bausteine. Sie sind verdammt zu
oberflächlicher archaischer Weiblichkeit: und natürlich predigen
Staat und Kirche den Coitus normalis, die tödliche Langeweile. Der
Coitus war im ersten menschlichen Versagen der Natur reiner Begriff
des männlichen Unvermögens: sein im weiblichen Arsch verkniffener
Schwanz befreit sich vorn zum Gegenstand, ermüdenden Widerstand
gegen den Trieb, Geist und zufällig Fortbestand der menschlichen
Unart.
Friss,
Paulinchen, der Hunger kommt dir bald hin über den Schlachtaltar.
Der
Zufall und die Beliebigkeit aber sind auch Grundbedingung eines
subjektlosen Wollens. Das Wollen muss sich den Leib anders wieder
richten, einiges nochmals wenden: das ist ein Schlüssel zu allen
Leibern durch alle Zeit.
Das
reicht aber nicht: der Schlüssel befreit nicht, er führt nur zur
Einsicht in eine ewige Wiederkehr des Gleichen/Leibs. Bleibt noch
eine Vorstellung der Auflösung in uneingeschränktem Eigentum und
Eigenheit und Macht und einem verbleibenden Rest an wirklicher
Einzigkeit, Vereinzelung und Einsamkeit mit einem wirklichen Ende im
Nichts, Gedankenfreiheit Gedankenlosigkeit. Dies ist nicht
Resignation. Die Leiblichkeit kann sich nicht für alle in absoluter
Macht erlösen. Sie vernichtet notwendig den Glauben, aber ein Rest
von Aberglauben wird dem Geist bleiben. Vollkommenheit ist ein
Katastrophe, die kaum einmal zu erreichen ist. Schriftlich und
textlich ist sie übrigens Göttlichkeit.
Keiner
braucht irgendeinen Schüler und keiner auch Lehrer. Nietzsche braucht
keine gelehrten Deuter. Die Texte sind weder Analyse noch Gebet,
vermitteln nicht Wissen und sind keine Anleitung für aufmerksame
Unsinnigkeit.