Montag, 22. Juli 2013

Sinnsucht


Mensch ist über fremden VorLeser eigene VerLeser VielLeserei Schreiber Dichter geworden, auch infolge einer viele Generationen übergreifenden äußeren Not und innern Unlust, die in ihm endlich allgemeines Un-vermögen oder Eigenschaft wurde in Schmerz und Zwang; der Literaturbetrieb mit seiner Inszenierung einer Einheit von Autor und Leser vernarrt in BuchHandlungen, in dem ein Werk vielfach sich veröffentlicht und geöffnet dem Sinn und der Bedeutung endlich in die Welt gebettet ist, ist ihm entwendet und entwertet in Trauer und Leid und durch eine Wahrheitssucht, unerlösbare Lesesucht und erlesene Selbstsucht im endlosen Schreiben ersetzt. Wund ist der Autor aus seinem Bett gefallen, aus schlechtem Traum und liegt nun auf dem Boden sich dauernd und müde nachsinnend rückenstärkenden Tatsachen. Er braucht keine Schüler und eine unaufhörliche ungenügende endlos sich übersättigende Befriedigung an ihnen und er braucht keinen Lehrer, einen Anderen für sein Selbst seinen und aller Mangel an Sinn. Er hat nun diese uralte Leiblichkeit als Begriff und Schreiben und Inhalt und Text umgestülpt und wendet sich selbst den Sinn nach innen, den Körper hin zu den Dingen.

So geschieht eine Umwertung in der Welt abstrakter Werte und falscher Bilder hin auf den absoluten Beginn: Leib geht nur außer sich mit Leid los und Gewalt gegen sich:

Dem Menschen ist infolge eines Unglücks, gewissermaßen eines natürlichen Fehlers, eines zufälligen Versagens der Natur geglaubter Gesetzlichkeit, das ihm allgemeiner Fehler oder Eigenschaft wurde, der Fortpflanzungstrieb und dessen Szenerie, Inszenierung in der Wirklichkeit, in der der Leib in die Welt gebettet ist (Ökologie), entwendet und entwertet und durch eine inhaltsleere Sucht ersetzt, der Trieb also gespalten in eine grundsätzlich unaufhörlich wiederholbare ungenügende Befriedigung und den Begriff eines Mangels in der Sinnsuche dazu (Lebenstrieb einer blöden Biologie und Tod/Nichts als Ziel und ersehnte Befreiung davon).

Übrigens: inszeniert immer der Vergewaltiger diese Aufspaltung des Triebhaften. Das Ungenügen der Befriedigung ist ihm anerzogen schuldbehaftet und die Einsicht ist ihm zu anstrengend oder aus anderen Gründen unzugänglich, gehört nicht in die Welt seiner Werte ist ihm nicht erlaubt, erlaubt er sich und anderen nicht: der Missbrauch ist ihm daher auch Auftrag (mythisch-religiös).

Der Begriff des Mangels gehört zunächst den Dingen, er beseelt sie in begrenzter Zahl der Worte. Archaischer Mythos ist die von der Sinnsucht belebte be/nötigte Welt. Not wird erzählte Geschichte einer Benötigung, mensch sucht sich Grund.

Mit der Überlagerung der Begriffe, der Eroberung fremder Zeichenwelten, erwirbt sich mensch den Verstand, den Ursprung verkehrt zu erfassen. Die Sinnsucht wird Übersinn und aus der Not wird göttliches Gebot. Die Befriedigung wird mangelhaft, verwerflich und die Sinnsuche wird zum Glauben.

Aus Gebot wird gelegentlich Gesetz und Verbot. Der Mangel wird in Regelhaftigkeit aufgehoben und die Sinnsuche wird Wille zum Wissen und zur Wahrheit.

Und es ist damit noch nichts wirklich gewonnen. Mensch hat sich nur engültig verrannt. Was war, bleibt verborgen vergangen verkannt.

Was macht Mensch auch gegen Verzweiflung und Zweifel: er therapiert sich mit sinnlosem Handeln: Ritual und Gebet. Er lernt Unsinnigkeit: Ein-Sinn, Gelehrsamkeit, Arbeitstherapie, Wissenschaft. Geb@Heil und endlich uns Sinn. Zweifelt und staunt und befriedigt euch selbst, rührt in eurem GHirn mit einem Gebet um Erkenntnis der unfasslichen Simplizität eurer – verständlichen Erschöpfung.

Mensch erkennt sich nicht, er zerlegt sich nur sinnlos, hat einen allgemeinen Leib, der sich teilen und regellos reglos verteilen kann: die Gesellschaft wird Leib mit Gliedern, der Körper abstrakter Leib mit unzusammenhängenden Teilen, die austauschbar sind, er seziert sich, der Staat und die Kirche predigen den leblosen Körper, den toten Leib der seelenlosen Bausteine. Sie sind verdammt zu oberflächlicher archaischer Weiblichkeit: und natürlich predigen Staat und Kirche den Coitus normalis, die tödliche Langeweile. Der Coitus war im ersten menschlichen Versagen der Natur reiner Begriff des männlichen Unvermögens: sein im weiblichen Arsch verkniffener Schwanz befreit sich vorn zum Gegenstand, ermüdenden Widerstand gegen den Trieb, Geist und zufällig Fortbestand der menschlichen Unart.

Friss, Paulinchen, der Hunger kommt dir bald hin über den Schlachtaltar.

Der Zufall und die Beliebigkeit aber sind auch Grundbedingung eines subjektlosen Wollens. Das Wollen muss sich den Leib anders wieder richten, einiges nochmals wenden: das ist ein Schlüssel zu allen Leibern durch alle Zeit.

Das reicht aber nicht: der Schlüssel befreit nicht, er führt nur zur Einsicht in eine ewige Wiederkehr des Gleichen/Leibs. Bleibt noch eine Vorstellung der Auflösung in uneingeschränktem Eigentum und Eigenheit und Macht und einem verbleibenden Rest an wirklicher Einzigkeit, Vereinzelung und Einsamkeit mit einem wirklichen Ende im Nichts, Gedankenfreiheit Gedankenlosigkeit. Dies ist nicht Resignation. Die Leiblichkeit kann sich nicht für alle in absoluter Macht erlösen. Sie vernichtet notwendig den Glauben, aber ein Rest von Aberglauben wird dem Geist bleiben. Vollkommenheit ist ein Katastrophe, die kaum einmal zu erreichen ist. Schriftlich und textlich ist sie übrigens Göttlichkeit.

Keiner braucht irgendeinen Schüler und keiner auch Lehrer. Nietzsche braucht keine gelehrten Deuter. Die Texte sind weder Analyse noch Gebet, vermitteln nicht Wissen und sind keine Anleitung für aufmerksame Unsinnigkeit.