Donnerstag, 15. August 2013

Der einzige Leser

Der einzige Leser ist einer, der Glauben verbreitet, ein Auserwählter, den sich irgendein Gott zum Werkzeug gemacht hat, und der andere Schreiben machen muss, weil er für seine Gedanken keine eigenen Ausdruck hat. Der gläubige Stumpfsinn hat keine eigenen Gedanken, keine Worte für sich. Jedoch ist er die vollkommene Schauspielerei, ganz äußerlich und hat die Macht der Öffentlichkeit. Er ist der vorgestellte große Wert aller Dinge und ihrer verhandelbaren aufgeschriebenen Echtheit der Waren, das absolute Maß des Geldes dafür und das Unmaß der endlosen Zahl seiner Bücher. Der einzige Leser lässt über sich schreiben, macht sich die Autoren zum namenlosen Gefolge, zum Schatten. Er ist in der Sonne, im Licht, birgt in den Schreiben der anderen sich, gibt ihnen einheitlich sein Gesicht. Er ist Gott als Autor auf Erden, ihm wird zugearbeitet und zugeschrieben, was für ihn in der Ein/Bildung schon immer sein war. Der einzige Leser ist ein Dieb der Worte und ein schwacher Texter im Wahn. Er ist unschuldig und selig im Nehmen des fremden Geists.