Donnerstag, 23. Januar 2014

Leibes Abschreibung

Das ganze für einen Menschen vorstellbare Unglück zusammengenommen ist verdichtet im Kind. Wenn ein Kind zur Welt kommt, so ist das als ob Pest Hunger und Krieg gleichzeitig hereinbrechen. Schon im Akt der Zeugung kündigt sich das Unglück an: gewaltig enttäuscht ist die Erwartung der Wollust, vernichtet die große Begierde im Geschlechterkrieg. Der Betäubung durch Lust, dieser Steinigung des Hirns, droht dann auch noch ein größerer Raub der Sinne. Niedergeschlagen ist der Leib und gepfählt das zuckende Fleisch. Nach der Ruhe des Grabs sehnt der Mann sich bei lebendigem Leib den Abstieg ins erlösende Erdloch. Die Schwere des Steins auf sich sucht er, die Dunkelheit, ewigen Schlaf und Sturz in den Traum. Jeder verführte Führer war immer schon ein gern Kastrierter, jeder Held und Heiliger in seinem Grab ein von sich als Mann Befreiter, jeder Soldat auf dem Weg zur Hölle in der Mutter Erde Mitte nur auf der Flucht vor der Frucht und der ihr baren und entgegengeilenden Frau mit dem Furcht baren wider den Mann sich wieder und immer nur wieder Zeugen den Leib.