Mittwoch, 8. Januar 2014

TierSein übersatt

Wenn man die Sperre des Selbst, den Knoten im Hirn, die schreckliche Seele auflöst, verschwindet dann der Geist ganz oder befindet man sich noch oder endlich im Traum? * Ich denke die Speicher des Hirns und des Leibes öffnen sich und der Leib mit seinen Affekten schöpft aus dem Vollen. Der Leib befiehlt dem Gehirn. Die Sinne arbeiten wie Projektoren und mächtige Klänge und gewaltige Farben erfüllen den Raum. Der Raum selbst ist ohne Ordnung, zeitlos sind seine Sprünge, in den Rissen bewegt man sich. Es gibt keine Richtung der Zeit, keinen Ablauf, sondern nur ein Ringen der Teile des Leibs, ein Verschlingen der Affekte, ein Umrühren des Lebens im Körper. Das ist doch die Erlösung, wenn das Himmelsfeuer der Begeisterung in das Höllenfeuer des Leibs übergeht, wenn der LustLärm des Tages vergeht und hereinbricht das Lied und die wollüstige Liebe der Nacht. * Die Liebe des Tags ist nur eine die geistige Spannung vernichtet, die betäubt nur die Sinne und öffnet sie nur der schrecklichen äußeren Welt. Sie ist nicht die vollkommene das Tier beherrschende offene Wollust. Sie trennt die Menschen leiblich voneinander, macht ihr Sein zweckmäßig und fremdbestimmt, veräußert sie einander in Zeichen und Waren, macht sie zu braven Dummköpfen, verehelicht sie mit dem ganzen sozialen Sein. * Die wollüstige Liebe der Nacht befreit den Menschen zu sich, vereinzelt ihn, ist ganz asozial und macht doch alle im Leib einander gleich. Der Mensch wird in ihr zum großen Untier 'Gott'. * Als Gott dieser Wollust ist der Mensch Seele und Geist los und von sich befreit. Er fällt heraus aus der hässlichen Ordnung der WiderNatur. Er wird zum unsterblichen irdenen Leib. * Im eigentlichen Traum rennt man der Erlösung nur nach und erwacht beim Erfassen der leiblichen Wirklichkeit. Im Oneiroid, im endlosen WunschAlp, hat man das Endziel erreicht. * Wem ist denn das Leben an sich ein Grund zu erwachen? Wem ist die Arbeit ein Grund erwachsen zu werden? Wer will sich denn Liebe erstreiten? * Der Leib ist im Widerspruch zum Geist, das Spiel im Widerspruch zum Schmerz, die Wollust im Widerspruch zum Sinn, der Mensch im Widerspruch zu Natur und Tier. Jedes Tier aber will nur in uns geborgen sein. * Erst wenn der Mensch bedingungslos seine Tiere liebt, kann er sich von seinem Gott und seiner Seele für immer befrein. Der Mensch sondert sich vom Tier und will es wieder sein. Ich will nur ein hungriges TierSein, das sich selbst verzehrt. Ich will ein TierSein übersatt, das sich in mir übergiebt.