Von
grossen Ereignissen
Der
Erlöser hat sich nicht selbst als Gottes Sohn bezeichnet. Seine
Worte waren so ungefähr und vielleicht: 'Gott ist Mensch worden hier
und ist also nun auch mein Vater, mein Herr, mein König und und,
endlich lebendig auf Erden' und: 'Der, den ihr Gott nennt, ist halt
nur irdisch im Sein und sterblich wie jeder. Er ist da. Ich hab ihn
als Maske vieler erkannt'. Er selbst ist nicht als Gottes Sohn
auf die Erde gekommen, ist aus keinem fremden Reich, sondern ihm ist
im Verstand Gott selber hier unten erstanden und er wurde sich als
Gelehrter vernünftig anfassbar und Klein in Bescheidenheit. Hat er nicht
erkannt und verkündet, Arbeit macht Fleisch und Blut zu Brot und
Wein und die Verdauung aus Brot und Wein wieder Blut und Fleisch? Und
scheidet nicht aus dabei unser falscher Geist? Scheidet ihn aus in Scham.
Seid also schamlos wie er und - erlöst. Der wahre Erlöser war nur
ein von allem Geistigen erlöster Leib. Aus einer Welt der Zeichen
und Waren tritt der Leib nackt heraus. Barfuss bis zum Hals: also
unter seiner und gegen die verlogenen Fresse. Die Oberfläche, der
absolute Geist, der Schein, der Geldschein lässt sich wenden und
rückseitig zeigt er eine falsche Vorstellung des ganzen Leibs: den
Willen zur Macht. Idealismus in Körperlichkeit. Der Leib wird
schriftlich verkannt und treibt aus der Welt der Zeichen als
Krankheit hervor. Er ist ein ausgestoßener. Fremder Trieb unter
eitler Haut. Dieser kranke vorgestellte Leib, der immer erst wird,
nicht wirklich und jetzt gegenwärtig ist, sondern gegen/wertiger,
wuchert unter einer Oberfläche von Wert und Zahl in zwei sich zu
sich bekennenden Körpern: einem beschränkt männlichen der Kirche
und einem der ausgesetzten Weiblichkeit im Staat. Beide haben ihre
Leiblichkeit in einem Körpergeschwür und undifferenziertem Gewächs.
Christliche Kirche und Staat sind blutig gewendete Haut: zurück
gewendete, jedoch immer noch falsche Oberflächlichkeit. Revolution
und Reaktion auf reine Hülle, Verhüllen absoluten Wertens. Ihr
Fleisch, dem sie nun zugewendet sind, bleibt ihnen unvertraut, wird
ihnen einerseits scheinbar Überwert, Sohn wird der Kirche himmlisch
wieder mit und zum Vater und Gott erhoben und Körper erhält vom Staat als
formlose Masse das Recht auf ewige Unversehrtheit, Unsterblichkeit,
Menschlichkeit, Freiheit, Überheblichkeit. Andererseits bleibt der
wirkliche Leib ihnen auch: in der Hingabe an die ErbSünde der
Niedergeschlagenheit des Leibs und greifbar in der Erfüllung seiner
unheilbaren und unheiligen Krankheiten. Leiblichkeit als Teufelswerk.
Aber es erscheint noch ein Leib gegen Wert, jedoch zur Entwertung das Ganzen, die
poetische goldene Leiblichkeit der WiederVerwertung, die große
Gesundheit, die sich selbst erkennt gewändet gedreht, sich wahr ist
- auch wenn sie sich gefangen weiß in den Zeichen in Text und
Schrift - und Wirklichkeit ist eines Leibs, der nur der eines
Einzigen, eines vereinzelten Einsamen sein kann und muss. Einsamkeit ist dichte Leiblichkeit. Mann und Frau sind nur allein: darum ist Staat
Weiblichkeit: die Frau allein und für sich, sozialisiert sich,
veräußert sich restlos, Kirche hingegen ist Männlichkeit: eine
Irre der Anstalt: denn Mann allein sperrt sich in ihr mit seinem
kranken Zwang und Trieb ein. Ihre
Lust ist nur reiner Heuchel, was
das Gewand bewegt, nur ein Hauch, ihre
Seligkeit brennende Insel, ihre
Furcht kalte Asche und Rauch. Was
den Wanderer treibt, ist sein Schatten, was
ihn flieht, ein Gespenst, das schreit. Was
er sucht, ist das Herz der Erde, was
ihn zieht, seine höchste Zeit.