Mittwoch, 4. September 2013

Gitto Tost

Von grossen Ereignissen

Der Erlöser hat sich nicht selbst als Gottes Sohn bezeichnet. Seine Worte waren so ungefähr und vielleicht: 'Gott ist Mensch worden hier und ist also nun auch mein Vater, mein Herr, mein König und und, endlich lebendig auf Erden' und: 'Der, den ihr Gott nennt, ist halt nur irdisch im Sein und sterblich wie jeder. Er ist da. Ich hab ihn als Maske vieler erkannt'. Er selbst ist nicht als Gottes Sohn auf die Erde gekommen, ist aus keinem fremden Reich, sondern ihm ist im Verstand Gott selber hier unten erstanden und er wurde sich als Gelehrter vernünftig anfassbar und Klein in Bescheidenheit. Hat er nicht erkannt und verkündet, Arbeit macht Fleisch und Blut zu Brot und Wein und die Verdauung aus Brot und Wein wieder Blut und Fleisch? Und scheidet nicht aus dabei unser falscher Geist? Scheidet ihn aus in Scham. Seid also schamlos wie er und - erlöst. Der wahre Erlöser war nur ein von allem Geistigen erlöster Leib. Aus einer Welt der Zeichen und Waren tritt der Leib nackt heraus. Barfuss bis zum Hals: also unter seiner und gegen die verlogenen Fresse. Die Oberfläche, der absolute Geist, der Schein, der Geldschein lässt sich wenden und rückseitig zeigt er eine falsche Vorstellung des ganzen Leibs: den Willen zur Macht. Idealismus in Körperlichkeit. Der Leib wird schriftlich verkannt und treibt aus der Welt der Zeichen als Krankheit hervor. Er ist ein ausgestoßener. Fremder Trieb unter eitler Haut. Dieser kranke vorgestellte Leib, der immer erst wird, nicht wirklich und jetzt gegenwärtig ist, sondern gegen/wertiger, wuchert unter einer Oberfläche von Wert und Zahl in zwei sich zu sich bekennenden Körpern: einem beschränkt männlichen der Kirche und einem der ausgesetzten Weiblichkeit im Staat. Beide haben ihre Leiblichkeit in einem Körpergeschwür und undifferenziertem Gewächs. Christliche Kirche und Staat sind blutig gewendete Haut: zurück gewendete, jedoch immer noch falsche Oberflächlichkeit. Revolution und Reaktion auf reine Hülle, Verhüllen absoluten Wertens. Ihr Fleisch, dem sie nun zugewendet sind, bleibt ihnen unvertraut, wird ihnen einerseits scheinbar Überwert, Sohn wird der Kirche himmlisch wieder mit und zum Vater und Gott erhoben und Körper erhält vom Staat als formlose Masse das Recht auf ewige Unversehrtheit, Unsterblichkeit, Menschlichkeit, Freiheit, Überheblichkeit. Andererseits bleibt der wirkliche Leib ihnen auch: in der Hingabe an die ErbSünde der Niedergeschlagenheit des Leibs und greifbar in der Erfüllung seiner unheilbaren und unheiligen Krankheiten. Leiblichkeit als Teufelswerk. Aber es erscheint noch ein Leib gegen Wert, jedoch zur Entwertung das Ganzen, die poetische goldene Leiblichkeit der WiederVerwertung, die große Gesundheit, die sich selbst erkennt gewändet gedreht, sich wahr ist - auch wenn sie sich gefangen weiß in den Zeichen in Text und Schrift - und Wirklichkeit ist eines Leibs, der nur der eines Einzigen, eines vereinzelten Einsamen sein kann und muss. Einsamkeit ist dichte Leiblichkeit. Mann und Frau sind nur allein: darum ist Staat Weiblichkeit: die Frau allein und für sich, sozialisiert sich, veräußert sich restlos, Kirche hingegen ist Männlichkeit: eine Irre der Anstalt: denn Mann allein sperrt sich in ihr mit seinem kranken Zwang und Trieb ein. Ihre Lust ist nur reiner Heuchel, was das Gewand bewegt, nur ein Hauch, ihre Seligkeit brennende Insel, ihre Furcht kalte Asche und Rauch. Was den Wanderer treibt, ist sein Schatten, was ihn flieht, ein Gespenst, das schreit. Was er sucht, ist das Herz der Erde, was ihn zieht, seine höchste Zeit.