Montag, 2. September 2013

Stottern auflesen

Körperlich
Sprechen ist ein umgekehrtes Lesen und muss in Schreiben aufgelöst werden. Das sagt der Verstand über seinen Körper und verursacht ihm Leid. Verstehen führt uns aber bloß zu stolperndem Gehen.

Leid
Verlesen: jedes Auge will gleiches Recht. Das bekommt dem Sprechen nicht. Es geht nicht um gleich oder ungleich. Gleich und ungleich lieben sich nicht. Sie sind nur Wert und erzeugen sich Übersinn Unsinn. Das Blitzlicht zum Sinn. Sie gebieten uns Mitleid mit jedem Stottern des Seins. Was ist Mitleid? Nichts sonst, als ein Widerspruch des Körpers gegen und Leid des Leibs an Geist und Schriftlichkeit. Es will überwunden sein.

Leiblich
Der Leib will genommen sein, die Augen per Hand verlesen. Jedes Auge will ein anderes Recht. Das rechte seins links und das linke seins rechts. Eines blickt in die Welt hinein, eines in sich. Eines wirft Bilder raus, eines nimmt Zeichen zurück. Liebe kommt so über die Augen blicklich zum Lesen, zum Schreiben und wieder zurück. Augen müssen in die Welt geworfen werden. Worte geworfen gegen den Wert in Haufen auf sich.

Auflesung
Das Schreiben nimmt übers Auge Zeichen sich und gibt etwas der Welt sehend in Bildern wieder. Offenbarung ergibt sich im Leib den Dingen. So gezeugte Texte muss man einnehmen, sich langsam buchstäblich verlesend: das ist wieder auswändiges Lernen. Welt wird beschreibend also neu vermessen unvor-/eingenommen, sprachlich vielleicht auch wieder verdaulich gemacht.


Leseübung:
linkes Auge schließen und mit dem rechten 10 Minuten lesen – anschließend rechtes Auge schließen und mit dem linken 10 Minuten lesen.