Noch was zum Beginn des Lesens/Nachdenkens
Zum 1. und 2. Kapitel des Buches ist nicht viel zu sagen, da sie ja nur das Verständnis des 3. Kapitels vorbereiten sollten, das leider der Zensur zum Opfer gefallen ist. Es deutet anfänglich manches auf persönliche Verwicklungen zwischen den Familien Schreber und Flechsig hin. Die Geschichte ist in die Vergangenheit verschoben, was nicht typisch für Entstellung des Realen und Wahn ist, sondern nur ein Versteck für die Wahrheit, denn Schreber wollte ja raus aus dem Knast. Dass da eine Dreiecks-Liebesgeschichte dahinter steckt, wurde schon von anderen vermutet. Da es im Text um den gegenseitigen Vorwurf des Seelenmordes geht, könnte es auch im Viereck gelaufen sein oder eventuell im Kreis. Sinnlos zu spekulieren, aber lustig. Erkennbar ist nichts. Das cui prodest scelus, is fecit aber wäre ein Anfangsgrund der Schreber'schen Weltordnungswidrigkeit - und genauso stellt es Schreber dar -, wenn er es mit Flechsigs Vögelchen (?) getrieben und der sich mit einem Verbrechen gerächt hätte. Das im Buch von Schreber für sich in Anspruch genommenene untadelige Verhalten ist genauso verkehrt, wie die angebliche Unschuld und das tadellose bzw. entschuldbare Verhalten des realen Flechsig. D. h. der Sünder wär hier der Geschädigte und der Schwachsinn des Staatsanwalts in der Berufungsverhandlung wäre dann doch nicht so schlimm. Denn wenn ..., dann … haben es alle gewusst. Aber Berufsungsrichter sind halt keine Dorfrichter und Staatsanwälte sind wohl immer Juristen zweiter Wahl. Und Schreber war am Ende wieder frei. Flechsig hat Schreber nicht nur nicht behandelt, sondern ihn seinen sadistischen Pflegern und seinem System der Epilepsie-Schockbehandlung übergeben. Das ist sehr seltsam. Was den Hinweis auf das Entmannen angeht, geht es nie um reale Befürchtungen Schrebers oder um irgendeine Art von Kastrations-Wunsch oder Angst, da es die Kastrations-Behandlung, auf die immer verwiesen wird, nur für Hysterikerinnen gab. Flechsig war mehr Spezialist für Hirnuntersuchungen und Drogenbehandlung. Ihm war an Geistigem nicht gelegen. Übrigens ist das Gehirn Schrebers nach dessen Tod bei Flechsig gelandet. Da waren dann zwei tote Gehirne beieinander. Noch eins: die Frau Schrebers hat recht früh die Entmündigung des Gatten erwirkt (hat auch jahrelang ein Bild vom Flexiglein auf dem Arbeitstisch gehabt. Ein Zwerg von Mann als Kindersatz?). Seltsam? Der Grund steht also vielleicht im Kapitel 3 des Buchs, das wir nicht haben.
Wer war denn Flechsig? fragt man vielleicht. Na, eine kleine Fußnote in einem Buch. Mehr nicht. Ein paar Buchstaben mit wenig Sinn, 'kleiner Flechsig' mit Betonung auf klein (steht so im Buch).
Nochwas zur Unschuld Schrebers: mitten im Buch steht: er hatte in der Leipziger Universitätsklinik ein 'anderes Herz': bedeutet: jemand hat ihm sein Herz geschenkt. Passt vielleicht ins Bild.
Nochwas zur Unschuld Schrebers: mitten im Buch steht: er hatte in der Leipziger Universitätsklinik ein 'anderes Herz': bedeutet: jemand hat ihm sein Herz geschenkt. Passt vielleicht ins Bild.