Freitag, 28. März 2014

Vergebung und Strafe

Noch was zu Glaube und Religion im modernen Staat: zu ihnen gehört auch die auf die geistige Autonomie hoher und hohler Staatlichkeit zielende Absolution. Die Absolution gehört zu einem Glauben an den ständig drohenden allgegenwärtigen Weltuntergang. Vergebung im Vergeblichen. Erlösung im objektiven Gegen- und Widersinn. Der absolute Gegensatz von Schuld und Sühne erhebt sich hier weit über den Leib. Die Schuld wird umgerechnet in Arbeit und die Arbeit in Lebenszeit. Bei Gold und Sachwerten bestand noch ein LeibÜberzug. Sie waren Gut für die Entschuldigung wie Leben oder Teile des Leibs. Weg mit den Köpfchen nun oder der bösen Hand, die verkrampft! Unser Geld dient der wirklich wirksamen Entschuldigung nicht. Geld erlaubt absolute nackte Schamfreiheit im Verein. Wir modernen Menschlein haben eine absolute Schuld und werden von ihr mit Scheinen geheilt. An Verbrecher glauben wir nicht. Der ist nur ein Rest von Unglauben und Erinnerung an den Leib, hat nur ein fernes weit weg veröffentlichtes Sein. Statt eines Verbrechens haben wir einen Glaube an ein unbestimmtes Unbewusstes der Tat. Das ist auch der letzte Glaube an sich - auch des Menschen an sich selbst -: der Glaube an den verborgenen und verlorenen Sinn und die Erlösung im himmlichen Unsinn, regiert vom Loch noch hinter dem Nichts. Ein Unbewusstes allerdings gibt es nicht. Sinn ersetzt darin nur anderen Sinn. Warentausch ist bestimmt vom Geldhandel. Das Unbewusste erklärt und Bdeutet und ist also die Lüge als Überschrift des Bewusstseins. Die Dämonen zum Verbrechen sind nicht unbewusst, sondern der Leib unter der Schrift. Sie gehören zum Autor, dem wirklichen Teufel im Leib, der den Pakt mit dem freundlichen Geist unterschreibt. Der 'Verbrecher' büßt seine Zeit, ist damit geheilt und - wird natürlich rückfällig, denn jeder Schuld zugrunde liegt in der absoluten Freiheit der verstümmelte, vom Geist 'verdrängte', in der Welt der Zeichen und Waren verlorene Leib. Genauer sind das die Reste eines Leben ausscheidenden Leibs. Das Opfer des Mörders aus innerer Not und Mangel an Lebendigkeit ist immer nur der eine vom Geist widerlegte Leib. Er hängt irgendwo in der wirklichen Vergangenheit (nicht in der eingebildeten der PsychoAnalysten). Der falsche Ekel am Leben ist Täter und Grund der Tat. Die Therapie ist nur der absolute Glaube des Therapeuten an sich selbst. Im Christianismus glaubt auch jeder Pfaff , der sich ehrlich er- und bekennt, an nichts sonst, als an sich. Jeder Politiker glaubt nur an sich und nichts weiter. Zum Geist der absoluten Schrift gehört auch die objektive Schauspielerei. Ein Narr setzt als Spieler einer anderen Schau seine subjektive Sinnhampelei für die Leibfreiheit dagegen! Die wirkliche Lebens- Leib- und Todesstrafe gehört so wenig zum christlichen Glauben wie zum modernen Staat. Das Lebens ist ihnen begriffliches Jenseits, leiblos, bezahlbar und fassbar mit Arbeit und Zeit und also wirklich un-begreiflich. Die anderen großen Religionen funktionieren so nicht. Ihnen fehlt die Absolution der massenhaften Begeisterung, die Autonomie des Gegenwerts der Leiblichkeit. Die Bibel ist auch nur das Buch, an das die Christen gern glauben  m ö c h t e n. Keiner der Idioten hat es je durchgelesen. Nur Sinn gestohlen zerrissen: Lügenanhang an jedes wahre Wort: Neuzeugung und -deutung in Beliebigkeit: Neues Testament: Kollage und Karrikatur. Und was soll man den Koran auch ins ekelhaft Mitleidige übersetzten. Der ist nicht lesbar als neue Schrift, sondern nur lebbar einzig und allein im zugehörigen arabischen Sprachraum. Den alten großen Religionssystemen fehlt noch das antifamiliale Moment der vollkommenen vereinzigenden Innerlichkeit. Sie sind in ständigem Streit mit sich und ihrer Schrift und dem Staat und der Öffentlichkeit. Sie kommen aus dem GegenSatz ihrer Schrift und Schriften nicht heraus. Ihre Anhänglichkeit macht daher auch nicht diese seltsame Musik, die von der Sprache sich löst für den Geist ohne Leib. Sie jault nur traurig dudelt fröhlich ein wenig dazu und heult unablässig und ohne Grund. So klingt das Verständnislos unser. Aber holde Weinerlichkeit kennen wir hier gelegentlich natürlich auch. Es meldet sich dann auf politischer Ebene der alte Glaube aus ein/gebildeter UrväterVorzeit mit Leib zurück. Die innere Not sucht dann den zu widerlegenden bösen Leib. Der Mörder hat die staatliche Seligkeit abgebüßt und braucht wieder ein Opfer. Unser Land hat einen heimlichen Hang zu diesem vorstaatlich märchenhaft Völkischen. Allein das europäische Umfeld erzwingt ihm momentan eine glänzende ScheinStaatlichkeit. Manchem Altgläubigen erscheint das hier als sein Paradies, in dem er meint, glücklich auf Dauer leben zu können. Deutschland, versehentlich nur gelobtes Land staatlicher Unscheinbarkeit. Dem gläubigen Fremden ein Heimatland? Himmel auf Erden? Alles ist hier versehentlich nur vereint. Auch die Lüge mit der Wahrheit. Schicksalsgemeinheit. Ein schlimmer Irrtum ist der Verein und es wird sich vielleicht bald allen fremden Gästen ihr Her(Ein)kommen als grausamer Fehler erweisen. Deutsche Vereinsamkeit. Das Völkische kennt nur schwarz und weiß, eigenes Gut und fremdes G Schlecht. Schwarz unter weiß und Wut auf Böse. Und wie leicht ist doch leiblich oder 'rassisch' das 'Böse' in der Dunkelheit des ganz Anderen Geminderten vom 'guten' Weiß der bemittelten NordEuropäer zu scheiden. Das Ausscheiden aus Mitleid, das Morden der Bleichen, ist dem Völkischen ein Bedürfnis und Zwang und also wird sich dies Land einmal wieder als sich besondernder Vorort des 'Großen Staats Europa' erweisen und dann vielen Goldbeleibten wieder die furchtbarste Hölle, ein rauchender Schlund und Feuerhund, sein. Der erlösende Leib wird wieder ausgeschlossen sein aus der zusammen gerissenen Welt der so erlösten christlichen Reichen. Mager und arm wird er hängen am End, also am Hintern und mitten im fetten Leid gleich wie der Henker selbst in seiner erbarmungslosen Trauer unter dem Kreuz der irdischen Vollkommenheit*.


Es gibt also Schauspieler, die für andere den Narren machen, um leibfrei zu sein. Es gibt ja nichts schlimmeres in den Augen der andern, als die Wollust der Einzigkeit. Die muss mit der Narrenkappe des Fetischismus für andere zu deren Missverstand gedeckelt sein. Der Mensch in Sklaverei wird leiblich wollüstig eins mit Waren, entfremdet als Geldsklave wird er eins mit Zeichen.

Der andere Schauspieler ist der, der an sich glaubt, er steht über den Narren. Er ist der eingebildete Lohn der Sklaverei, das Geld und der in ihm verkörperte (Un)Geist dazu.

Der Sklave war leibliches Gold, der Arbeiter ist nur mehr unedles Metall und papierener Schein. Beide hängen fest zwischen Ware und falschem Leib (Konsum und Perversion).

Der UnGeist aber bewegt sich hin und her zwischen dem Glauben an sich und an sich allein und der leeren Vereinigung mit einem anderen (zwischen aufregendem Größenwahn und betäubendem kleinen Rausch).

Darum also ist wichtig die Annahme zweier Arten der Befriedigung.

Das ist die große Lüge des Patriarchats, dass der Mensch sich erkennt, wie in der Bibel steht, beim langweiligen Geschlechtsverkehr. Der Mensch aber erkennt sich und seine Geburt aus großer Not nur in der voll erstrahlenden Reaktion des Leibs bei der Befriedigung mit sich allein, also unter Abzug des symbolischen Steins (der der Verhütung von Kind und Langeweile dient) sowie aller Waren und Zeichen.

Der Schauspieler als Narr hat nur wieder Narren im Gefolge, keine Verbrecher. Die Narren treffen sich allenfalls zufällig und starren sich dann nur ungläublich an. Manchmal treffen sie aufeinander in Sils.

Der schauspielernde gläubige Größenwahn tritt im Rudel auf, rauft sich im Intrigen- und Konkurrenzspiel und pilgert nach Rom oder Bayreuth oder manchmal im Zeichen des weißen oder roten Kreuzes auch  weiterhin.

Gelegentlich verirrt sich ein Hund aus dem Rudel und holt sich beim Narren das Stöckchen. Den kleinen Schläger dürstete wohl da nach dem Glück des größeren Prügels. Immer muss es noch ein größerer Sein und am Ende führt er sich vermessen Welt und Zepter hinten ein.

'Große' Politik, wie immer schwarz auf weiß: ist momentan ein Bild der unfreiwilligen Narretei: zwei kleine Kläffer, die sich streiten, wer mit dem kleinen Zäpfchen oder seinem Kümmerling darf auf dem anderen reiten.

Vereint sind in sich ehegelich zwei Betthupferl also mit dem Versprechen gegenseitiger ewiger Langeweile.

Castrati erunt.

Der Hunger der Welt aber ist und bleibt der große Beschneider.


* Kreuz irdischer Vollkommenheit  =  Rückenpartie eines Weibs