Mittwoch, 12. März 2014

Vom freien Verkehr II

Opioide haben beim Betrachten von Bildern eine andere Wirkung als im wirklichen Erleben. Beim Betrachten von Bildern wird die Schönheit eines Objektes durch sie nur verstärkt und der Mangel an Schönheit stärker empfunden. Im wirklichen Erleben wird aber das Lebendige, also das Gelebte und weniger Schöne, zum wahrhaft Geliebten, und stärker und lieber wahrgenommen als das eigentliche lebensfremde absolut Schöne. Wie kommt das und warum können die Wissenswüthigen das nicht erkennen? Es gibt halt eine Sinnlosigkeit der Wahrheit und des Geists, die der Wirklichkeit und dem Leben zuwider strebt. Opioide schärfen den Geist und sättigen den Leib: damit gewinnt das Bild, wenn es allein untersuchtes Objekt ist, scheinbar gegen die Wirklichkeit. Ohne den falschen Geist und mit dem Leib im Bezug zur Wirklichkeit erweist sich die Sättigung aber als Schwächung und erzeugt eine gewaltige Seligkeit. Die Seligkeit aber ist der Mangel am anderen Leib. Hier verliebt sich der Leib in seine Gegengeschlechtlichkeit. Das Gegengeschlechtliche an sich ist aber die absolut gesichtslose Leiblichkeit und das, was sich der Geist gern schamhaft verbirgt. Der erhabene Geist verdirbt sich die Freude an seiner natürlichen leiblichen tiefen Hässlichkeit. Das hat es auf sich mit der eingebildeten hohen Liebe und dem dazu gar nicht passenden Wunsch nach Geborgenheit. Diese Hoheit ist uns sehr fern und hat überhaupt nichts zu tun mit der mütterlichen Geborgenheit. Und es erklärt auch die unterschiedliche Wirkung der Opioide auf die Geschlechter. Für die Frau gibt es weniger wollüstige Leiblichkeit und daher einen größeren Wunsch nach Schönheit. Was widersprüchlich scheint. Aber man muss schon sehen, dass Oberfläche und WarenLiebe nicht die leibliche Wirklichkeit sind. Der Mann liebt viel intensiver, denn er achtet mehr die Hässlichkeit: die Frau liebt ihr Kleid und der Mann die Seele darunter. Der Gelehrte klärt nichts, er verbreitet nur Wissen und dreht sich selbst nur im kleinen eigenen Kreis. Er hat nicht das Denken im ZweierLeib. Man muss alle Dinge verdichten und dann richtig drehen und wenden. Mann muss auf den Leib zurück und mit ihm gehen lernen, dann sich wenden, drehen und - also tanzen. Das Fliegen kommt dann von allein. Dem gelehrten Übersturz jedoch ist die Wendung des Geists her vom Leib nicht möglich, ihm scheint alles im verdünnten Geist zu sein und kleine Weisheiten sind ihm wie Fliegen so lästig. Dass dem Geist die große Wahrheit nicht kommt, liegt auch daran, dass sein Weib vom Wissenschaftsbetrieb ausgeschlossen ist. Das verkehrte Verhältnis: die Frau ist erlöst durch die fremde Macht und der männliche Geist glaubt sich 'frei'. Erlösung durch Missbrauch kommt mit Glauben an Wissen. Wir aber rechnen die Geschlechter als Summe und nicht als Differenz. Der Geist ist ein äußerer in Zeichen und Waren, der Mensch aber ist nur Seele und Leib. Der freie Verkehr ist somit ein allumfassender. Wissenschaft besitzt nur und stiehlt und die Wahrheit verkehrt heimlich außer Haus. Die 'Wahrheit' ist bei der Gelegenheit bereit und gefreit, nicht frei, nur eine die geführt und verführt sein will und sie äußert sich nicht. Der Wissenschaftler hält sein Weib für stumm und dumm und wird doch jeden Tag von ihr mit der Wahrheit betrogen. Ist das nicht auch der Grund dafür, dass die BGeisterten Opiate zum überleben brauchen? Ihre Wissen ist ziemlich breit. Sie haben sich dämlich gehurt und müde sehnen sich sich nach Leben und der Droge Geborgenheit. Beim freien Verkehr geht es nicht nur um Verteilung von Daten, sondern die Freiheit der Verteilung im freien Verkehr der Leiber ist Grundbedingung einer bewussten Veränderung von Wissen. Es bildet sich Wissen mit neuer Leiblichkeit, in der der Geist von sich aus zerfällt. Er analysiert sich bis zum unvermeidlichen Untergang. Opioide können süchtig machen, lösen aber nicht notwendig Sucht aus. Das hat aber an sich nichts mit besonderen (ererbten) körperlichen Bedingungen zu tun. Sie heben den Geist – wie die Askese – sättigen den Leib und können bei nachlassender Sättigung – und fortbestehender passiver asketischer Untätigkeit – gefahrlos erneut angewendet werden. Sie machen so wenig süchtig wie der simple Koitus, der in seiner enttäuschend langweiligen Wirkung auf den Leib, der der Opioide vollkommen entspricht. Beides Geschlechtsverkehr und Droge gehört zur Langeweile der sinnlosen Schönheit. Der simple Rausch und seine Sättigung zeugen einen einseitig einfachen und vollkommen ungenügenden mechanischen Begriff von Körper und Geist. Sucht entsteht da, wo das der Sättigung zugehörige seelische Ungenügen Erfüllung sucht im Mangel am anderen Leib. Zur Sucht gehört der ganze menschliche Körper mit seiner Zweigeschlechtlichkeit. Die realisiert sich aber immer nur durch ein völliges Eindringen des andern in den eigenen Leib. In der Not wird der Mitmensch gefressen und will sogleich aus einem wieder hinaus. Diese leiblich wollüstige Selbstbefreiung ist keine des eigenen leiblichen Selbst, sondern es holt dabei sich die Seele zum satten eigenen Leib den Mangel von einem anderen wieder. Der andere kann in mich hinein, aber in mir nicht bleiben und sein. Nun bin ich plötzlich nicht mehr nur satt, sondern zusätzlich noch über müde. Der übermüde vormals satte Leib wird nun nicht dem anderen erneut zugewendet, d. h. der Mangel wird nicht an ihm abgearbeitet und ihm verwandelt in Waren zurückgeschenkt, sondern wird fälschlich nur gedeutet und verkannt als eigener Hunger nach fremder Liebe. Die Sättigung reicht nicht mehr und wird wirklich nur immer schneller und zunehmend stärker mit fremdem Hunger überstillt. Hier entsteht ein komplexer dichter Zusammenhang von Körper und Geist, der aber das Bewusstsein nicht erreicht. Das wahre Bewusstsein nun ist das, das uns verloren geht. Das ist der Fluch oder Flug des sich selbst analysierenden und erlösenden Geists. Dieser Geist geht nicht in Nicht-Wissen auf und sieht nicht seine Nichtigkeit an sich als Ziel. Das wäre nur ein sich selbst befriedigendes Auslaufen in ein Meer der seichten Weisheit. Das kann jeder wahrlich mit Füssen betreten. Der Geist des 'wahren' Bewusstseins löst sich in einer auseinander fallenden Schriftlichkeit (der Welt aus Zeichen und Waren). Er befleckt sich nicht mit Nichts Tod und entspannender Dunkelheit, sondern in gänzlicher Nüchternheit erhebt er sich aus leiblich verändertem Wissen in ein absolutes höchstes Licht. Das ist die geistfreie leibliche Seligkeit eines Menschen aus Zwei'n für sich allein. Wie kann ein Mann nur so schwanger sein?

Texte können wirken, ohne jedem verständlich zu sein. Ununterbrochenes Lesen und Schreiben und Anlaufen gegen den Leib vermitteln Verstand ÜberWirklichkeit ohne Seele und Geist. Wo nun Seele und Geist noch auf Sendung sind und verkehren, ist mir ganz einerlei.