Donnerstag, 6. März 2014

Zukunftsmusik II

Die Menschwerdung in Dissonanz, die Geburt der menschlichen Tragödie (Kap. 25), macht aus der Musik als WesensAnhang des viehischen Leibs einen reinen Sprachanhang beim Menschen. Sprechen ist anfänglich Schmerzzeichen und Leidgesang. Die Schrift zerreißt den Missklang löst den Geist vom Leib und zersetzt beide in sich: sie analysiert sich im Geist und lähmt den Leib im funktionalen Selbstwiderspruch. Der Mensch wird u. a. stumm dabei. Von der verlorenen Sprache bleibt uns als Rest reiner Klang und eine Musik, die sich nebenbei an den Regeln des rechnenden Geists orientieren darf. Die Musik für sich ist nichts: der Sprache war sie stärkendes Mittel, im Reich des Geists jedoch ist sie bloß das unbegreifliche Leiblich-Viehische in abstrakter wertfreier oder wertloser Allgemeinheit. Neben der Schrift und Zahl, der leblosen Regel im Zeichen/Reich steht sie als Untermalung der allgemeinen Begeisterung der MenschenMasse auf der Bühne und ist also die verlogene Leere, der Verlust jedes besondern Gefühls in unbestimmter leiblicher Not und geistiger Niedergeschlagenheit. Musik hat also nie eine Wirkung, sie verstärkt sie nur oder  i s t  selbst eine. Als Wirkung für sich ist sie Objekt der Betrachtung und Darstellung, also Spiel im Spiel, der die Schauspielerei untermalende Unsinn, der Laut der Idee, der leibliche Rest des Idealismus. Das musikalische Genie ist der Untergang der Idee, sein VerSchluss in KlangEigentum und LautEinzigkeit. Die reine Musik ist nur eine FremdWirkung zur Vorstellung allgemeiner Menschlichkeit, ein Summen aus einer LeibesSumme der stammelnden Idiotie der Moderne. Melodien haben nichts Absolutes an Sinn, sie sind sprachabhängig national. Die Komposition folgt der Melodie, sie ist selbst leere SchauSpielerei, Schau ohne Spieler, Politik, sie ist verstaatlichtes Menschsein und eingebildete durchsichtige innerlich bildliche große Menschheit. Ein FehlBGgriff. Komposition ist wie Bildung gestohlene Einsicht ohne Verstand: zurückgewendete Anatomie des Körpers, Beschreibung weit unter Schrift und also ohne lebendigen Zusammenhang.