Donnerstag, 20. März 2014

Wiedergeburt

Alles fängt an mit analytischer Spielerei. Das scheidet aber schon den Schöpfer aus. Er geht der Autorität verlustig. Dann plötzlich gebärdet der Text selbst sich wie einer, der etwas erschaffen kann. Der Text fängt den Leib ein, hält ihn fest, greift ihn an. Das bekommt dem Schreiben nicht. Die analytische Zersetzung bezieht endlich auch den Geist mit ein. Die Schrift brennt. Was ist noch Geist? Nur der über ihr stehende Rauch? Und der Leib ist starr und erkaltet auch vollkommen allein. Mit der Denkwürde hat er seine alte Körperlichkeit und Oberfläche abgestreift und nackt dringt er ein in seinen ihm ganz neuen Leib. Auch der war auf der Suche nach einer nichtigen Sättigung und hat sie zum Glück in Vollkommenheit nie erreicht. Hätte er sich vor der Zeit auf die Schreibarbeit gestürzt, wär er in ewige Langeweile geraten und geglättet an Körper und Geist zugrunde gegangen. Unter der Taubheit der Sinne und hinter dem ihm immer nur fremden Geist, hat er sich den Leib, das Fleisch, aufgerissen. Wieder und wieder musste er sich die neuen Wunden mit der alten peinlichen Bedenklichkeit des Wissens, der Sammelwut des Gewissens, vergleichen. Hätte er sich nicht gar noch schlachten lassen am Ende, hätte er die Nähe des Traums zur Wirklichkeit nie gesehen und kaum aus dem Geist sich das unbefangene schamlose Fleisch, den ungebrannten irdenen Leib und die Seligkeit aus der Gefangenschaft in ihrer künstlichen Welt befreit. Alle Zeichen sind ihm nun belebt und jeder Sinn ist ihnen restlos hingegeben, alles ruht in sich, vergeht sich nicht mehr an ihm und altert nur noch mit ihrem einstigen Schöpfer 'Mensch', dem sich im Geist zeugenden Leib. Vergangenheit. Einst musste das Weib geopfert werden der patriarchalen Gewalt. Jetzt wird es zurückgenommen und auf- in seine doppelte Gleichgeschlechtlichkeit. Wer es fasst, soll mit ihm gehn. Ihr werdet zwei kräftige Flügel tragen und für immer gerettet sein.